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Feministische Vordenkerin

Simone de Beauvoir, die große Intellektuelle Frankreichs, wurde zum Idol, weil sie es als Frau wagte, ein Leben ohne Konventionen und Tabus zu führen und durch dessen literarische Umsetzung anderen eine Orientierung zu geben. Französisches Geheimnis: Die Tabubrecherin blieb stets eine Dame.

"Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es."

Dieser Satz aus Simone de Beauvoirs "Das andere Geschlecht" (Le Deuxième Sexe) machte 1949 in Frankreich Furore. Das Werk tat seine Wirkung bald in ganz Europa und den USA – und dies 20 Jahre vor der modernen Frauenbewegung. Es analysiert, wie sich der Mann im Lauf der Zivilisationsgeschichte zum Subjekt und Schöpfer, die Frau zum Objekt, zur ewig Reproduzierenden, zum "schlechthin Anderen" entwickelt hat, rüttelt die Frauen auf, an ihrer Befreiung zu arbeiten, und plädiert für volle Gleichberechtigung, freie Verbindung der Geschlechter, legale Abtreibung, Geburtenkontrolle.

Ein neues Lebensmodell

Simone de Beauvoir hatte sich selbst recht früh auf den Weg zur Befreiung gemacht. 1908 in Paris geboren, gehoben bürgerlich und streng katholisch erzogen, wollte sie schon als Halbwüchsige nichts mehr von Gott und elterlicher Autorität wissen und war bereits zu Beginn ihres Philosophiestudiums sicher, dass für sie keine Häuslichkeit mit Kindern, sondern nur eine Schriftsteller-Existenz in Frage käme, was dem Philosophiestudenten Jean-Paul Sartre, den sie 1929 kennen lernte, gerade recht kam. Die unverbrüchliche, lebenslange Liebe zwischen beiden gründete auf der – tatsächlich eingehaltenen – Vereinbarung, niemals zu heiraten oder zusammenzuleben, Treuebrüche gegenseitig zu tolerieren und einander niemals zu belügen – auch dieses "Modell" reizte damals zum Nacheifern.

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