Lexikon

Betriebswirtschaftslehre

Teil der Wirtschaftswissenschaften, der sich mit dem wirtschaftlichen Geschehen in Betrieben bzw. Unternehmen und deren Beziehungen untereinander befasst; betrifft u. a. Art und Menge der für den Betriebsprozess zu beschaffenden Produktionsmittel (menschliche Arbeitskraft, Betriebsmittel, Werkstoffe), Art und Menge der zu beschaffenden Finanzmittel, Einsatz der beschafften Produktionsfaktoren, Veräußerung der erstellten Leistungen und Fragen der Organisation, Gestaltung von Planungs-, Durchsetzungs- und Kontrollsystemen sowie der übergeordneten Unternehmenspolitik und -strategie; in der Regel in allgemeine und spezielle Betriebswirtschaftslehre gegliedert. Aufgabe der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre ist die Beschreibung und Erklärung des für alle Betriebe Gültigen. Bei der speziellen Betriebswirtschaftslehre hat anstelle der früheren institutionellen Gliederung (z. B. Industriebetriebslehre, Handelsbetriebslehre, Bankbetriebslehre, Versicherungsbetriebslehre u. a.) heute die funktionelle Gliederung an Bedeutung gewonnen (aspektorientierte Gliederung der speziellen Betriebswirtschaftslehre). Gegenstand der speziellen Betriebswirtschaftslehre sind danach u. a. Aspekte der Beschaffung und Lagerung, Produktion, Investition und Finanzierung, Absatz und Marketing, Rechnungswesen (Controlling, betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Wirtschaftsprüfung), Personalwesen (Human Resources), ökologieorientierte Betriebswirtschaftslehre, funktionsübergreifende Aufgaben der Unternehmensführung sowie des Konzernmanagements.
E. Schmalenbach prägte zuerst den Begriff der Betriebswirtschaftslehre. Er fasste das Fach pragmatisch als Kunstlehre mit der Konzentration auf Verfahrensregeln auf (1911/1912). W. Rieger setzte vor dem Zweiten Weltkrieg mit seiner streng rentabilitätsorientierten Privatwirtschaftslehre den Kontrapunkt zur Auffassung Schmalenbachs. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich die modernen Auffassungen der Betriebswirtschaftslehre. Mit dem Namen E. Gutenbergs verbindet sich der faktortheoretische Ansatz, bei dem der Prozess der Kombination der Produktionsfaktoren, im Besonderen die analytischen Zusammenhänge zwischen Faktoreinsatz und Faktorertrag, im Vordergrund steht. Weitere Konzepte stellten u. a. der entscheidungsorientierte, der systemorientierte und der verhaltensorientierte Ansatz der Betriebswirtschaftslehre dar. Die Betriebswirtschaftslehre als akademische Disziplin entwickelte sich in Deutschland mit der Gründung der ersten Wirtschaftshochschulen in Leipzig, Köln, Frankfurt am Main, Berlin, Mannheim und München zwischen 1898 und 1910. Die Betriebswirtschaftslehre ist seit etwa 1920 als akademische Disziplin mit eigenen Lehrstühlen an allen Universitäten Deutschlands und an vielen Universitäten Österreichs, der Schweiz, Italiens, Frankreichs, der Niederlande, der skandinavischen Länder und Japans vertreten. Ein Diplomabschluss kann in Deutschland auch an Fachhochschulen erlangt werden, außerdem entstehen hier nach und nach Bachelor- und Masterstudiengänge.
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