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Wirtschaft – warum wir wirtschaften müssen

Um leben zu können, sind wir auf viele Dinge angewiesen. Jeder Mensch benötigt Luft, Wasser und Nahrungsmittel. Seit vorgeschichtlicher Zeit stellen Menschen Kleidung, Behausungen und Werkzeuge her. Die meisten dieser Güter sind knapp. Das bedeutet, dass sie nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, um die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen. Oder ihre Herstellung kostet Zeit, die dann nicht für andere Tätigkeiten genutzt werden kann.

Durch diese Knappheit wäre selbst ein sich allein versorgender Mensch gezwungen, wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen: Wie viel (Arbeits-)Zeit und Land sollen auf die Produktion der verschiedenen Lebensmittel – etwa durch Ackerbau oder Viehzucht – verwendet werden? Wie sollen die vorhandenen Rohstoffe genutzt werden, z. B. Holz (als Baumaterial oder Brennstoff)? Wer in einer Gruppe produziert was (Arbeitsteilung)? Wie werden die Produkte unter den Gruppenmitgliedern verteilt?

Überzählige Produkte der eigenen Arbeit können gegen andere Güter eingetauscht werden. Aus dieser Tauschwirtschaft entwickelten sich feste Handelsbeziehungen und spezialisierte Berufe. Mit der Einführung von Geld als Wertmaßstab und allgemeinem Tauschmittel konnten Werte aufbewahrt und Reichtümer angesammelt werden. Im Laufe der Zeit fielen Produktion und Konsum immer mehr auseinander; heute produziert in den Industrieländern kaum noch jemand hauptsächlich für den Eigenbedarf. Haushalte, die Arbeitskraft anbieten und Konsumgüter nachfragen, stehen Unternehmen gegenüber, die Arbeitskraft nachfragen und Konsumgüter herstellen.

Doch so kompliziert die moderne Welt mit weltweitem Handel und Millionen von Produkten ist: Die Knappheit ist ein grundlegendes Problem geblieben. So muss jeder mit den Möglichkeiten seines Einkommens bzw. Vermögens aus den angebotenen Gütern wählen. Und Unternehmen müssen das Prinzip der Wirtschaftlichkeit beachten, um diese Güter zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten zu können.

Privater Haushalt: Wie wir wirtschaften

Was ist eigentlich Wirtschaft?

Unter dem Begriff »Wirtschaft« fasst man alle Einrichtungen (vor allem Unternehmen) und Tätigkeiten (insbesondere Erwerbsarbeit) zusammen, die Güter und Dienstleistungen bereitstellen, um Bedürfnisse zu befriedigen. Wirtschaften heißt, Entscheidungen über knappe Mittel zu treffen. In einem Staat wird die Wirtschaft durch die jeweilige Wirtschaftsordnung (z. B. Plan- oder Marktwirtschaft), die Wirtschaftspolitik und die damit verbundene Wirtschaftsgesetzgebung sowie durch vorhandene Ressourcen (z. B. Rohstoffe und Bildung) bestimmt. Im Wirtschaftsprozess spielt der Mensch eine entscheidende Rolle. Er ist nicht nur Konsument, sondern auch Entscheidungsträger (z. B. über Herstellungsprozesse). Als Arbeitnehmer ist er in vielerlei Hinsicht an den Produktionsprozessen beteiligt.

Wer gehört zu einem Haushalt?

Ein Haushalt kann zusammen lebende, gemeinsam wirtschaftende Personen (z. B. eine Familie) umfassen, aber auch eine allein lebende und wirtschaftende Person. Durch die Haushalte erfolgt der Verbrauch (Konsum) von Gütern. Die finanziellen Mittel dazu erzielen die meisten Haushalte durch Erwerbsarbeit, das heißt, sie stellen den Betrieben ihre Arbeitskraft gegen ein Entgelt zur Verfügung.

Jeder Haushalt mit seinen Mitgliedern hat bestimmte Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. An erster Stelle stehen die sog. primären Bedürfnisse oder Grundbedürfnisse, z. B. Nahrung und Wohnung, es folgen die sekundären Bedürfnisse, z. B. Bildung. Daneben gibt es Luxusbedürfnisse, z. B. Schmuck.

Warum müssen wir wirtschaften?

Weil die benötigten Güter im Vergleich zum Bedarf fast immer knapp sind. Daher müssen Entscheidungen darüber getroffen werden, welche Güter hergestellt werden, wie sie verteilt und verwendet werden. Solche Entscheidungen haben oft weit reichende Folgen: Werden mehr Nahrungsmittel produziert, ist weniger Land vorhanden, auf dem Häuser gebaut werden können. Möglicherweise kann deshalb das Bedürfnis aller Menschen einer Gesellschaft nach einer Wohnung nicht mehr gedeckt werden.

Was unterscheidet Lohn von Gehalt?

Als Lohn bezeichnet man das Einkommen von Arbeitern, als Gehalt das von Angestellten und Beamten. Allgemein wird mit Einkommen der Vermögenszuwachs eines Haushalts in einer bestimmten Zeit bezeichnet. Dazu zählt der Zuwachs an Gütern, Dienstleistungen, Forderungen und natürlich an Geld. Das wird meist zu einem beträchtlichen Teil für den Konsum – also für den Erwerb von Gütern und Dienstleistungen – ausgegeben. Bleibt noch Geld übrig, wird es gespart. Das heißt, es steht für künftige Konsumausgaben zur Verfügung.

Übrigens: Einkommen wird auch in Brutto- und Nettoeinkommen unterteilt. Das Bruttoeinkommen ist das Einkommen einschließlich Sozialabgaben und Steuern, das Nettoeinkommen ist das Einkommen abzüglich der direkt davon zu zahlenden Sozialabgaben und Steuern.

Wann steigern wir unseren Konsum?

Der britische Nationalökonom John Maynard Keynes (1883–1946) ging davon aus, dass ein Haushalt mehr konsumiert, wenn er ein höheres Einkommen besitzt. Ein höherer Konsum würde zur Erhöhung der Güternachfrage beitragen und damit die Wirtschaft ankurbeln. Allerdings, so Keynes, werde mit steigendem Einkommen auch mehr gespart.

Andere Wirtschaftswissenschaftler sind der Auffassung, dass der Konsum nur bei dauerhaft höherem Einkommen steigt; Einmalzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld würden eher gespart. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Franco Modigliani (1918–2003) meinte zudem, dass die Haushalte ihr Einkommen, das ihnen während des gesamten Lebens zukommt, so gut wie möglich auf die Lebensabschnitte verteilen. Konsum und Menge des gesparten Einkommens seien daher von der Höhe des geschätzten Einkommens im Alter abhängig. Auch die Höhe von Steuern und Sozialabgaben beeinflusst das Konsum- und Sparverhalten der Haushalte.

Was sind eigentlich ...

freie Güter? Wie z. B. die Luft sind freie Güter in ausreichender Menge vorhanden, jedem zugänglich und kostenfrei.

Konsumgüter? Diese Güter werden vom Verbraucher zur Befriedigung bestimmter Bedürfnisse erworben, z. B. Kleidung.

Investitionsgüter? Das sind Maschinen und Anlagen, die Unternehmen in der Regel zur Herstellung von Konsumgütern oder zur Bereitstellung von Dienstleistungen benötigen.

private Güter? Solche erwirbt jemand zum (nahezu) alleinigen Gebrauch, etwa den eigenen Pkw.

öffentliche Güter? Diese können von allen genutzt werden, etwa öffentliche Verkehrsmittel, Freizeitstätten und Parks.

komplementäre Güter? Sie werden meist gemeinsam genutzt, z. B. Heizung und Öl.

substitutive Güter? Diese Güter können einander ersetzen wie Rind- und Schweinefleisch.

Unternehmen: Produzent und Arbeitgeber

Was ist das Hauptziel jedes Unternehmers?

Natürlich Gewinn zu machen – oft, aber nicht notwendigerweise, einen möglichst großen Gewinn (»Gewinnmaximierung«). Zu diesem Zweck stellt ein Unternehmen Güter oder Dienstleistungen für den Markt her. Es kann lediglich aus seinem Eigentümer, dem Unternehmer, bestehen oder noch weitere Arbeitskräfte umfassen.

Während der Begriff des Unternehmens die (dauerhafte) finanzielle und rechtliche Einheit bezeichnet, handelt es sich beim Betrieb um eine technische Organisationseinheit. Der allgemeine Sprachgebrauch unterscheidet beide Begriffe oft nicht, auch weil viele Unternehmen aus nur einem Betrieb bestehen. Allerdings kann ein Unternehmen viele Betriebe umfassen, die sogar in völlig verschiedenen Wirtschaftszweigen tätig sein können.

Wofür benötigt ein Unternehmen Kapital?

Um selbst Sachgüter herstellen oder Dienstleistungen anbieten zu können. Kapital gehört wie Rohstoffe, Maschinen, Boden, Arbeitskraft und Know-how zu den Produktionsfaktoren, die klassisch unter den Begriffen Arbeit, Boden und Kapital zusammengefasst werden.

Wichtigster Produktionsfaktor ist die Arbeit, also die körperliche und geistige Tätigkeit des Menschen im Produktionsprozess; ohne sie können die anderen Produktionsfaktoren nicht genutzt werden. Unter den Produktionsfaktor Boden fällt das Land, auf dem das Unternehmen seinen Sitz hat oder das es (z. B. in der Landwirtschaft) nutzt. Auch aus der Natur stammende Rohstoffe wie Holz und Naturkräfte über, auf oder in der Erde (z. B. Wasserkraft, Windenergie) werden dem Boden zugerechnet. Zum Produktionsfaktor Kapital zählen neben Geld auch alle erwerbbaren Güter (z. B. Maschinen), die das Unternehmen im Produktionsprozess verwendet.

Warum können wir unsere Arbeit verlieren?

Unternehmen entlassen Mitarbeiter, weil Arbeit, zumindest in den Industriestaaten, ein sehr kostenintensiver Produktionsfaktor ist. Insbesondere in konjunkturell schwachen Zeiten versuchen daher Unternehmen, menschliche Arbeitskraft durch Maschinen – und somit den Faktor Arbeit durch den Faktor Kapital – zu ersetzen. Diesen Prozess, bei dem viele Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren, nennt man Rationalisierung.

Außerdem lagern gerade große Unternehmen die Produktion immer häufiger in sog. Niedriglohnländer aus, um Herstellungskosten zu sparen. Dadurch gehen in den Industrieländern Arbeitsplätze in der Produktion verloren. Umgekehrt, aber nicht im gleichen Maße, entstehen besonders im Dienstleistungsbereich auch neue Stellen (»Strukturwandel«).

Wann investiert ein Unternehmen?

In der Regel nur dann, wenn es sich zumindest auf längere Sicht höhere Einnahmen, das heißt größere wirtschaftliche Erfolge auf dem Markt verspricht.

Zur Produktion von Waren und Dienstleistungen sind immer auch Produktionsmittel notwendig. Dazu gehören z. B. Maschinen. Von einer Investition spricht man, wenn ein Unternehmen den Bestand an Produktionsmitteln erhöht, ersetzt oder erneuert. Investitionen sind allerdings nicht nur mit den Anschaffungskosten verbunden. Muss ein Kredit aufgenommen werden, fallen Zinsen an. Auch entgangene Zinsen und Gewinne, die das Unternehmen bei einem Verzicht auf die Investition hätte erwirtschaften können, zählen zu den Kosten einer Investition.

Welche Unternehmensrechtsformen gibt es?

Die grundlegenden Rechtsformen sind Einzelunternehmung, Personen- und Kapitalgesellschaft.

Zu den Personengesellschaften zählen u. a. die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR, auch BGB-Gesellschaft), die Offene Handelsgesellschaft (OHG) und die Kommanditgesellschaft (KG). Die wichtigsten Kapitalgesellschaften sind die Aktiengesellschaft (AG; bzw. Europäische Aktiengesellschaft, SE) und die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH).

Die Rechtsform eines Unternehmens hat wichtige Konsequenzen u. a. auf dessen Führungsstruktur, Rechnungslegungs- und Prüfungspflichten, seine Ausstattung mit Eigen- und Fremdkapital und nicht zuletzt auf die Haftung im Falle einer Insolvenz. Bei Unternehmensneugründungen muss über die Rechtsform entschieden werden. Sie kann auch während des Geschäftsbetriebs geändert werden, falls eine andere sinnvoller erscheint. Auch Rechtsformen aus anderen EU-Staaten wie die britische Limited können inzwischen gewählt werden.

Wer haftet für ein Unternehmen?

Das hängt vor allem von der Rechtsform ab. Bei der Einzelunternehmung haftet der Unternehmer allein mit seinem Geschäfts- und Privatvermögen für Schulden oder andere Verbindlichkeiten.

Ähnlich ist es bei den Personengesellschaften. Zu ihrer Gründung sind mehrere Gesellschafter nötig, die alle mit ihrem Privatvermögen (und einer eventuellen Geschäftseinlage) für Verbindlichkeiten des Unternehmens haften. Eine Ausnahme gibt es bei der Kommanditgesellschaft: Neben mindestens einem persönlich haftenden Gesellschafter, dem Komplementär, gibt es einen oder mehrere Kommanditisten, für den/die die Haftung auf eine bestimmte Summe begrenzt ist.

Anders verhält es sich bei Kapitalgesellschaften. Zu ihrer Gründung bedarf es eines Stammkapitals (bei der GmbH) bzw. Grundkapitals (bei der AG). Die Haftung ist auf das Unternehmensvermögen und auf dieses Stamm- bzw. Grundkapital beschränkt, eine persönliche Haftung der GmbH-Gesellschafter oder der Aktionäre darüber hinaus besteht nicht. Davon unbenommen ist jedoch die Haftung für schuldhaftes Handeln, z. B. im Falle einer vorsätzlich herbeigeführten Insolvenz (Bankrott).

Warum fusionieren Unternehmen?

Zahlreiche Motive können den Ausschlag geben. Oft sollen durch eine Ausweitung der Produktion die Stückkosten gesenkt werden. Auch das Vordringen in neue Produktbereiche oder das Erschließen ausländischer Märkte können durch eine Fusion begünstigt werden.

Durch eine Fusion verliert zumindest ein Unternehmen seine rechtliche Selbständigkeit, oft sogar beide. Bei der Bildung eines gemeinsamen Konzerns bleibt die rechtliche Selbständigkeit der einzelnen Konzernteile zwar erhalten, der gesamte Konzern steht jedoch unter einer Leitung, die auch die wichtigen wirtschaftlichen Entscheidungen trifft. Durch Fusionen über die Landesgrenzen hinweg entstehen multinationale Unternehmen. Das sind Unternehmen, die Produktionsstätten in wenigstens zwei Ländern unterhalten.

Große Unternehmensübernahmen und -fusionen sind in der Regel zustimmungsbedürftig. In Deutschland z. B. wacht das Bundeskartellamt darüber, dass durch eine Fusion kein marktbeherrschendes Unternehmen entsteht, das ein Monopol über ein bestimmtes Gut ausüben könnte. Durch diese Kontrolle soll der Wettbewerb gewährleistet bleiben.

Warum ist Massenproduktion günstiger?

Oft gelingt es Unternehmen, durch eine Erhöhung der Produktion die Kosten pro produzierter Einheit (Stückkosten) und damit auch den späteren Verkaufspreis zu senken.

Die Produktionskosten setzen sich aus fixen und variablen Kosten zusammen. Zu den fixen Kosten zählen alle Kosten, die einem Unternehmen unabhängig vom Umfang der Produktion entstehen. Dazu gehören die Löhne und Gehälter für die Beschäftigten, die Mietkosten oder abzuzahlende Kredite. Variable Kosten sind alle Kosten, die vom Umfang der Produktion abhängig sind, etwa Aufwendungen für Rohstoffe und Energie. Je mehr ein Unternehmen produziert, desto weniger fallen die fixen Kosten ins Gewicht – die Stückkosten sinken.

Was ist das ökonomische Prinzip?

Das ökonomische Prinzip oder Wirtschaftlichkeitsprinzip ist ein Grundsatz des wirtschaftlichen Handelns mit dem Ziel der optimalen Nutzung der eigenen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Es kann als Maximum- oder Minimumprinzip formuliert werden. Beim Maximumprinzip wird mit den vorhandenen Mitteln das bestmögliche Ergebnis angestrebt. Beim Minimumprinzip soll ein gegebenes Ziel mit dem kleinstmöglichen Aufwand erreicht werden.

Der Staat als Wirtschaftssubjekt

Welche Rolle spielt der Staat?

Der öffentliche Sektor, zu dem in Deutschland neben dem Bund vor allem auch Länder, Kommunen und die Sozialversicherung gehören, nimmt neben dem privaten Sektor (Haushalte und Unternehmen) einen wesentlichen Platz im Wirtschaftsleben ein.

In erheblichem Umfang tritt der Staat als Arbeitgeber in Erscheinung, fragt also bei den privaten Haushalten Arbeit nach. Er bezieht Waren und Dienstleistungen von den Unternehmen und stellt wiederum zahlreiche Sach- und Dienstleistungen – entgeltlich oder unentgeltlich – zur Verfügung.

Übrigens: Auch wenn die Staaten der Welt keine wirtschaftlich handelnde Einheit bilden, werden sie in der volkswirtschaftlichen Gesamtrichtung neben Haushalten, Unternehmen und Staat als vierter Sektor zusammengefasst. Eine Volkswirtschaft ist kein geschlossenes System. Millionenfach werden Waren exportiert und importiert, Dienstleistungen über die Grenzen hinweg angeboten und nachgefragt, fließt Geld vom Inland ins Ausland und zurück. Auch Privatpersonen stehen, z. B. als Touristen oder als Versteigerer im Internet, in wirtschaftlichem Kontakt mit dem Ausland. Alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen In- und Ausländern erfasst die Zahlungsbilanz.

Kann auch der Staat konsumieren?

Eigentlich nicht. Trotzdem wird in der Volkswirtschaftslehre der Begriff »Staatskonsum« (oder »Staatsverbrauch«) verwendet. Darunter sind diejenigen Sach- und Dienstleistungen zusammengefasst, die der öffentliche Sektor ohne direkte Gegenleistung zur Verfügung stellt. Das betrifft z. B. den Aufbau und Erhalt von Straßen, Parks oder Schulen, die nicht durch Nutzungsgebühren, sondern durch allgemeine Steuern und Abgaben finanziert werden. »Konsument« dieser Leistungen ist also nicht der Staat, sondern Haushalte und Unternehmen.

Was misst die Staatsquote?

Diese Kennzahl misst den Anteil der staatlichen Aktivitäten an der Gesamtwirtschaft. Sie setzt die öffentlichen Ausgaben ins Verhältnis etwa zum Bruttoinlandsprodukt.

Neben der allgemeinen Staatsquote (auch Staatsausgabenquote) gibt es noch spezielle Staatsquoten, die das Verhältnis jeweils eines Ausgabenbereichs (z. B. das der Sozialausgaben) zum Bruttoinlandsprodukt angeben. Die Veränderung der Staatsquote im Zeitablauf zeigt eine Steigerung oder Verminderung des Staatsanteils an.

Was versteht man unter VGR?

Mit dem Begriff volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) wird die Buchführung eines Landes bezeichnet. Mit Hilfe eines umfangreichen Zahlenwerkes sollen Güter- und Einkommensströme zwischen Haushalten, Unternehmen, dem Staat und dem Ausland erfasst werden. Das Sozialprodukt (auch: Nationaleinkommen) – die Summe der wirtschaftlichen Leistungen einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres – wird nach seiner Entstehung, Verteilung und Verwendung dargestellt.

Die Wirtschaftswissenschaft: Lehre vom Leben mit Knappheit

Was ist Wirtschaftswissenschaft?

Eine schlichte Definition lautet: die Wissenschaft von der bestmöglichen Bewältigung des Problems der Knappheit.

Die Wirtschaftswissenschaft (auch Ökonomik oder Ökonomie) widmet sich in Forschung und Lehre der Wirtschaft und insbesondere allen Fragestellungen, die mit der Produktion, der Verteilung und dem Verbrauch von Gütern in Zusammenhang stehen. Ihre wichtigsten Teilgebiete sind die Betriebswirtschaftslehre, die sich mit den Bedingungen des Wirtschaftens aus der Sicht von Betrieben bzw. Unternehmen befasst, und die Volkswirtschaftslehre (auch »Nationalökonomie«), welche die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge erforscht.

Wer untersucht, wie Privathaushalte wirtschaften?

Das wirtschaftliche Verhalten von Haushalten, etwa die Bedingungen, unter denen sie Güter nachfragen und ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt anbieten, ist Gegenstand der Volkswirtschaftslehre, insbesondere ihres Teilgebiets der Mikroökonomie.

Mit dem Wirtschaften in den privaten Haushalten selbst beschäftigt sich dagegen die Haushaltswissenschaft. Sie untersucht aus der Perspektive des einzelnen Haushalts (nicht der gesamten Volkswirtschaft), inwieweit Arbeit angeboten, Konsumgüter nachgefragt und verwendet sowie finanzielle Mittel gespart werden müssen, um die Bedürfnisse der Haushaltsmitglieder dauerhaft befriedigen zu können.

Neben diesen wirtschaftlichen Fragen (Haushaltsökonomik) behandelt die Haushaltswissenschaft u. a. auch technische Fragen der Haushaltsführung und Fragen des sozialen Verhaltens. Die Haushaltswissenschaft ist ein Teilbereich der Ökotrophologie (Haushalts- und Ernährungswissenschaften).

Übrigens: Der Ausbildungsberuf »Hauswirtschafter/in« befähigt zur Arbeit in großen hauswirtschaftlichen Betrieben, wie etwa Betreuungseinrichtungen, gastronomischen Betrieben oder Tagungszentren.

Was lehrt die Betriebswirtschaftslehre?

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) ist die Wissenschaft von Betrieben bzw. Unternehmen, die Güter erstellen. Sie gehört als wichtiges Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften zu den Sozialwissenschaften. Als betriebswirtschaftliche Theorie beschreibt sie die im Zusammenhang mit dem Betrieb stehenden ökonomischen Vorgänge; als angewandte Betriebswirtschaftslehre entwickelt sie Handlungsempfehlungen für das einzelne Unternehmen.

Zahlreiche Teilgebiete der BWL befassen sich jeweils mit einem im Betrieb auftretenden Themenkomplex, wie etwa Logistik, Produktionswirtschaft, Marketing, Investition und Finanzierung, Buchführung, Steuerlehre, Organisation, Personal und Controlling.

Was unterscheidet allgemeine und spezielle Betriebswirtschaftslehre?

Die allgemeine Betriebswirtschaftslehre beschäftigt sich mit Problemen, die mehr oder weniger alle Betriebe und Branchen berühren, etwa mit Fragen der Beschaffung, der Produktion und des Warenabsatzes, mit finanziellen und rechtlichen Bedingungen, dem Personalwesen, Wirtschaftsinformatik oder Fragen der Planung und Organisation.

Spezielle Betriebswirtschaftslehren widmen sich den Fragen, die einzelne Wirtschaftszweige betreffen. Wichtige spezielle Betriebswirtschaftslehren sind z. B. die Industrie-, die Handels-, die Bank-, die Versicherungs-, die Verkehrsbetriebslehre, ferner die landwirtschaftliche und die Forstbetriebslehre.

Was ist Gegenstand der Volkswirtschaftslehre?

Die Volkswirtschaftslehre (VWL) beschäftigt sich mit dem Problem der Knappheit aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive. Ihre wichtigsten Teilgebiete sind Mikro- und Makroökonomie.

Die Mikroökonomie (auch Mikroökonomik) analysiert das Verhalten einzelner privater Haushalte oder Unternehmen. Sie untersucht dabei ihre wirtschaftliche Entscheidungsfindung – etwa anhand von Nutzenfunktionen, wobei ein Streben nach dem größtmöglichen Nutzen bzw. Gewinn vorausgesetzt wird – und deren Auswirkung auf gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge.

Die Makroökonomie (auch Makroökonomik) fasst die einzelnen Wirtschaftssubjekte zu ganzen Sektoren (etwa »private Haushalte«, »Unternehmen«, »Staat«, »Ausland«) zusammen. Sie befasst sich mit gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen und Größen, etwa der Gesamtnachfrage aller Haushalte, der Beschäftigung oder dem Volkseinkommen.

Wegen der großen Nähe der VWL, die früher oft als Nationalökonomie bezeichnet wurde, zu politischen Fragen zog sie während der letzten Jahrhunderte immer wieder große Denker aus Wissenschaft, Politik und Moralphilosophie in ihren Bann. So konnte sie sich bereits früh – beginnend im späten 17. Jahrhundert im Merkantilismus und in der Auseinandersetzung mit diesem – zu einer Wissenschaft entwickeln.

Was ist ein Haushaltsbuch?

Eine vor allem von Privatpersonen geführte Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben über einen längeren Zeitraum, z. B. ein Jahr. Diese private Buchführung ermöglicht es, die Ausgaben etwa nach regelmäßigen und unregelmäßigen bzw. nach Ausgaben für Wohnung, Nahrung, Kleidung u. a. zusammenzufassen. Das erlaubt einen besseren Überblick über die zur Verfügung stehenden Mittel, aber auch über eventuelles Einsparpotenzial.

Die Geschichte der Wirtschaftswissenschaft

Was zeigt die Geschichte der Wirtschaftswissenschaft?

Dass ökonomische Theorien vielfach erst verständlich werden, wenn man die konkreten gesellschaftlichen Fragestellungen einbezieht, die sich die Ökonomen vom späten 17. Jahrhundert bis heute vornahmen.

Seit den Anfängen der Nationalökonomie widmen sich die verschiedensten wirtschaftswissenschaftlichen Ideen und Modelle der Lösung des Knappheitsproblems. Ihre Entstehungsgeschichte ist eng verbunden mit den jeweils vorherrschenden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Auseinandersetzung mit konkreten Problemen gab entscheidende Impulse für die Weiterentwicklung der Wirtschaftswissenschaft und beeinflusste durch neue Erkenntnisse und Vorschläge zur Lösung des Knappheitsproblems das praktische Handeln.

Was wollten die Physiokraten?

Sie setzten im 18. Jahrhundert den Vertretern des Merkantilismus entgegen, dass nicht Handel und Gewerbe, sondern die Landwirtschaft die Quelle des Reichtums sei.

Entsprechend ihrer am Naturrecht orientierten Volkswirtschaftslehre, der sog. Physiokratie, wandten sich der französische Arzt und Ökonom François Quesnay (1694–1774) und seine Anhänger gegen die Vernachlässigung der Landwirtschaft. Ihr Ziel war es, der französischen Wirtschaft, die durch zahlreiche Kriege und übermäßige öffentliche Abgaben geschwächt war, wieder auf die Beine zu helfen.

Dass die Physiokraten Manufakturen und Dienstleistungen als unproduktiv abtaten, ist aus den Umständen der Zeit zu erklären: Gewerbliche Produktion und Handel waren vor allem auf den Luxus- und Kriegsbedarf der Fürstenhöfe ausgerichtet und wurden daher als ungebührliche Last empfunden.

Warum setzt sich Adam Smith für den freien Markt ein?

Der britische Moralphilosoph und Begründer der klassischen Nationalökonomie Adam Smith (1723–90) führte den Nachweis, dass eine Gesellschaft, in der die Märkte sich selbst überlassen bleiben, keineswegs an den Konflikten einander widersprechender Einzelinteressen scheitert. Vielmehr seien es gerade freie Märkte, die durch Wettbewerb für den geordneten Ausgleich von Einzelinteressen sorgen. Und indem die freien Märkte die Voraussetzung für eine sich ständig fortentwickelnde Arbeitsteilung stellten, förderten sie maßgeblich den Wohlstand. Daher wandte sich Smith gegen die staatliche Bevormundung der wirtschaftenden Bürger.

Übrigens: Smith stand dem freien Markt nicht unkritisch gegenüber. Das Studium der Arbeitsteilung in einer Stecknadelfabrik veranlasste ihn zu der Klage, die Arbeiter verlernten, ihren Verstand zu gebrauchen, sie würden »so stumpfsinnig und einfältig, wie ein menschliches Wesen nur werden kann«. Zudem sah er die Notwendigkeit, den Wettbewerb gegen Absprachen zu schützen: »Selten finden sich Leute aus demselben Gewerbe zusammen, ohne dass die Konversation in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet, in irgendeinem Plan zur Anhebung der Preise«, schrieb er.

Können wir Armut und Hunger besiegen?

Nach Auffassung des britischen Ökonomen Thomas Robert Malthus (1766–1834) nicht. In seiner Schrift »Versuch über das Bevölkerungsgesetz« vertrat Malthus 1798 die Auffassung, dass die Bevölkerung zu einem schnelleren Wachstum neige als die Lebensmittelproduktion. Selbst ein zeitweiliger Überschuss beschleunige nur das Bevölkerungswachstum und führe auf diese Weise bald zu neuer Knappheit.

Malthus' Bevölkerungstheorie, auch als Malthusianismus bezeichnet, erschütterte den Fortschrittsglauben seiner Zeit. Nicht Verbesserungen in der Produktion, sondern Geburtenkontrolle (etwa durch Enthaltsamkeit) erschien dem Pfarrer Malthus und seinen Anhängern als Möglichkeit, die Armut dauerhaft zu bekämpfen.

Welcher Lohn ist für David Ricardo natürlich?

Der britische Nationalökonom David Ricardo (1772–1823) ging davon aus, dass alle Preise, auch jener für Arbeit, auf den Märkten bestimmt werden; hier waren die Knappheitsverhältnisse entscheidend. Als »natürlichen« Lohn sah er denjenigen an, der das Existenzminimum des Arbeiters sicherte (auch als »eisernes Lohngesetz« bezeichnet).

Dies wurde jedoch schon bald infrage gestellt. 1811/12 und 1816 zerstörten englische Arbeiter in Textilfabriken Maschinen; diese sog. Ludditenaufstände waren ebenso lebhafter Ausdruck der sich immer schärfer stellenden sozialen Frage wie das Wirken des britischen Unternehmers und Sozialreformers Robert Owen (1771–1858), der die ersten britischen Arbeitsschutzgesetze anregte. Offenbar waren sich selbst überlassene Märkte nicht in der Lage, eine gleichmäßige – oder gar als gerecht empfundene – Verteilung des materiellen Reichtums zu bewirken. So war es nur folgerichtig, dass neben die Frage der Schaffung von Werten auch diejenige nach deren Verteilung trat.

Wem nützt der internationale Handel?

Er kann allen Beteiligten nützen – das jedenfalls besagt Ricardos Theorie der komparativen Kostenvorteile, die bis in die heutige Zeit von ihrer grundlegenden Bedeutung für die moderne Wirtschaftspolitik nichts eingebüßt hat. Nach dieser Theorie kann der Außenhandel, da er internationale Arbeitsteilung ermöglicht, für alle beteiligten Länder wirtschaftliche Vorteile bringen. Dies gilt selbst dann, wenn ein Land in allen Bereichen der Produktion höhere Kosten zu tragen hat als die übrigen. Mit anderen Worten: Entscheidend für eine Vermehrung der Einkommen durch Außenhandel sind nicht absolute, sondern relative Kostenvorteile bei der Produktion eines Gutes.

Ricardos Freihandelsargument lieferte seinerzeit die Begründung für die Abschaffung der englischen Korngesetze von 1815, die ausländisches Getreide mit Schutzzöllen belasteten. Es ist noch heute ein machtvolles Argument gegen Verzerrungen des Außenhandels zwischen Industrie- und Entwicklungsländern durch Zölle und Subventionen für Agrarprodukte in Europa und den USA.

Wie bewertet Karl Marx den Kapitalismus?

Der deutsche Philosoph und Ökonom Karl Marx (1818–83) sah im kapitalistischen Wirtschaftssystem die Arbeiterklasse durch die Klasse der Kapitalisten ausgebeutet: Die Kapitalisten beschäftigen mittellose Lohnbezieher, die nichts außer ihrer eigenen Arbeitskraft besitzen. Indem sie den Arbeitern Löhne zahlen, die niedriger sind als die von diesen geschaffenen Warenwerte, eignen sie sich den resultierenden Mehrwert an. Dieser Widerspruch zwischen dem gesellschaftlich geschaffenen Mehrwert und dessen privater Aneignung durch die Kapitalisten begründet den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit.

Anders als bei Adam Smith ist in Marx' Interpretation die eigentliche Triebfeder der kapitalistischen Wirtschaftsentwicklung nicht allein das eigennützige Gewinnstreben der Unternehmer. Der Profit ist in seinen Augen vor allem Mittel zur Anhäufung von Kapital, das notwendig ist, um im Konkurrenzkampf des Marktes zu bestehen.

Wofür steht die Neoklassik?

In den Theorien der Neoklassik trat der Versuch in den Vordergrund, eine Wissenschaft zu etablieren, die zum einen Erklärung und Wertung wirtschaftlicher Vorgänge voneinander trennt und die sich zum anderen darauf konzentriert, wirtschaftliches Verhalten durch die Bildung von mathematischen Modellen zu beschreiben.

Inhaltlich nahm sich die Neoklassik u. a. des von den Klassikern ungelösten Problems des Warenwertes an. Sie erkannte, dass ein absoluter, unveränderlicher Wertmaßstab, etwa orientiert an der eingesetzten Arbeit, nicht existiert. Der Wert einer Ware wird vielmehr erst im Tauschvorgang als der Preis bestimmt, der sich auf dem Markt bildet. Dort gilt die Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage. Die Vertreter der Grenznutzenschule – vor allem Carl Menger (1840–1921) in Österreich, William S. Jevons (1835–82) in Großbritannien und Marie Esprit Léon Walras (1834–1910) in der Schweiz – richteten daher ihr Augenmerk auf die Bestimmungsgründe der Nachfrage.

Darüber hinaus begründete die Grenznutzenschule das heute zum Standardrepertoire der Wirtschaftswissenschaften gehörende Gleichgewichtsmodell freier Märkte. In diesem Modell bringt der Preis Angebot und Nachfrage zum Ausgleich, alle Produktionsfaktoren werden genutzt und gemäß ihrem Beitrag zum Ergebnis des Wirtschaftens entlohnt.

Was kritisiert John Maynard Keynes am Liberalismus?

In den Augen des britischen Diplomaten und Ökonomen John Maynard Keynes (1883–1946) widersprach insbesondere die Massenarbeitslosigkeit den Theorien des ökonomischen Liberalismus.

Die klassischen Ökonomen hatten das Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage lediglich als vorübergehendes Problem betrachtet, das durch die sich selbst regulierenden Marktkräfte alsbald beseitigt würde. Doch als am Schwarzen Freitag 1929 an der New Yorker Börse die Aktienkurse rasant verfielen, breitete sich in den USA und später auch in Europa eine lang anhaltende Arbeitslosigkeit aus. Diese Katastrophe widersprach der Sichtweise der Klassiker nachdrücklich.

Keynes hielt es in dieser Situation für sinnlos, auf eine selbstläufige Besserung der Verhältnisse zu vertrauen. Er wies nach, dass eine Wirtschaft, die aus den Fugen geraten ist und in der ein großer Teil der Produktionskapazitäten brach liegt, nicht zwangsläufig von selbst zur Vollbeschäftigung zurückkehrt. Vielmehr verharrt sie in einem Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung, das sich nicht durch Lohnanpassungen überwinden lässt.

Warum bewältigt der Markt die Arbeitslosigkeit nicht?

Die Gründe dafür liegen im Verhalten der Unternehmen und der Konsumenten. Die klassischen Ökonomen hatten unterstellt, dass der Lohnsatz Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt regelt, der Zins hingegen die Investitionen der Unternehmen mit den zur Finanzierung notwendigen Ersparnissen in Übereinstimmung bringt. Keynes hingegen stellte als entscheidenden Faktor für die Höhe der Investitionen die erwartete künftige Nachfrage heraus – und die ist unsicher.

Werden nun in einer Situation, in der das Angebot auf dem Arbeitsmarkt den Bedarf der Unternehmen übersteigt, gemäß der klassischen Empfehlung die Löhne gesenkt, so bedeutet dies zugleich geringere Einkommen und damit einen Ausfall an kaufkräftiger Nachfrage. Statt ihre Produktion auszudehnen, werden die Unternehmen sie im Gegenteil weiter einschränken und weitere Arbeitskräfte entlassen; Einkommen und Nachfrage gehen weiter zurück. Diese Gefahr einer nach unten weisenden Spirale von Preisen, Einkommen und Produktion macht korrigierende Eingriffe des Staates in das Marktgeschehen notwendig, sprich: öffentliche Investitionen, die für die ausbleibenden privaten einspringen.

Was passte nicht in das keynesianische Denkgebäude hinein?

Mitte der 1970er Jahre stieg das allgemeine Preisniveau, gleichzeitig blieb das Wirtschaftswachstum schwach. Diese Kombination von Stagnation und Inflation wurde von Ökonomen und Politikern bald als »Stagflation« bezeichnet.

Der Monetarismus lieferte eine Erklärung für diese neuartige Fehlentwicklung. Nicht die Unzulänglichkeit freier Märkte war der sog. Chicago-Schule um Milton Friedman zufolge verantwortlich für die Misere, sondern eine Wirtschaftspolitik, die die Selbstregulierung der Märkte durch Ad-hoc-Maßnahmen störte und durch Überregulierung Sand ins Getriebe streute. Das heißt also: Kreditfinanzierte öffentliche Ausgabenprogramme oder eine keynesianische Geldpolitik, die durch niedrige Zinsen und damit eine reichlichere Versorgung der Wirtschaft mit Geld die Ausgabefreudigkeit der Investoren und Konsumenten anregen will, bewirkt keine Ausweitung von Produktion und Beschäftigung, sondern lediglich auf breiter Front steigende Preise.

Welche Rezepte haben die Monetaristen?

Nach dem Monetarismus soll sich der Staat aus der aktiven Konjunktursteuerung zurückziehen und auf Ausgabenprogramme verzichten. Denn diese entfalten ihre Wirkung erst, wenn die Wirtschaft sich schon wieder im Aufschwung befindet. Somit heizen sie lediglich die Inflation an und lassen die öffentlichen Schulden wachsen.

Stattdessen sollten die Politiker den Marktkräften freien Lauf lassen. Staatliche Beschränkungen – wie ein überzogener Kündigungsschutz oder investitionshemmende Vorschriften in Wachstumsbranchen wie Pharmazie oder Gentechnologie – gehörten beseitigt. Kernstück der staatlichen Einflussnahme auf die Wirtschaft sollte eine vorausberechenbare Geldpolitik sein, die die Geldversorgung am Wachstum der Produktionskapazitäten ausrichtet und so eine verstetigende Wirkung auf die Wirtschaft ausübt.

Was bedeutet »Laissez-faire«?

»Laissez-faire, Laissez-aller« (französisch, »Lasst machen, lasst laufen«) ist der Grundsatz des ökonomischen Liberalismus. Die aufklärerische Idee vom mündigen Bürger findet ihre logische Fortsetzung in der Forderung, dass jeder Einzelne frei sein sollte, sich nach seinen eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten wirtschaftlich zu betätigen. Adam Smith gab dem Liberalismus, der im Laissez-faire seine extreme Ausprägung findet, seine wirtschaftswissenschaftliche Grundlage. Der Begründer der Nationalökonomie formulierte als Erster den Gedanken, dass der Wettbewerb auf freien Märkten ohne staatliche Bevormundung quasi automatisch zu einer bestmöglichen Versorgung der Gesellschaft mit den zum Leben notwendigen Gütern führe.

Gibt es ein optimales Maß an Freiheit?

An der Frage, wie viel Freiheit möglich, wie viel staatliche Regulierung nötig ist, um leistungsfähige Märkte zu sichern und zugleich deren Ergebnisse gerecht zu verteilen, scheiden sich die Geister bis heute. Die Vertreter des Laissez-faire setzen vor allem auf die Zuversicht, dass jeder Einzelne erfolgreicher Schmied seines Glückes sein kann, während die Verfechter einer stärkeren Rolle des Staates den Schutz der Schwächeren im harten ökonomischen Konkurrenzkampf betonen.

Wussten Sie, dass …

François Quesnay 1758 das erste Modell eines Wirtschaftskreislaufs präsentierte? Es förderte insbesondere die Entwicklung der Nationalökonomie und ist Grundlage für die bis heute verwendete volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Vermutlich kam Quesnay dabei medizinisches Wissen zugute: Man nimmt an, dass er sein Modell in Analogie zum Blutkreislauf entwickelte.

Karl Marx eine Entwicklung hin zu immer größeren Unternehmenseinheiten, zu immer größerer Kapitalintensität der Produktion und schließlich zum Ersatz der Kapitalisten als unabhängige Unternehmer durch Manager fremden Kapitals vorhersagte?

US-Präsident Franklin D. Roosevelt (Reg. 1933–45) in den USA mit dem New Deal ganz im Sinne John Maynard Keynes' durch große staatliche Investitionen die Binnenkonjunktur ankurbelte?

Warum lohnt sich internationale Arbeitsteilung?

Hierzu liefert David Ricardo ein anschauliches Beispiel: Nehmen wir an, England benötige zur Produktion von Wein den doppelten Arbeitseinsatz wie zur Produktion von Tuch, Portugal hingegen bei insgesamt höherem Kostenniveau nur den anderthalbfachen. Unter diesen Bedingungen lohnt es sich für beide Länder, sich zu spezialisieren und dasjenige Gut, das sie verhältnismäßig billiger herstellen können, zu exportieren. England importiert also Wein, obwohl es ihn (absolut) günstiger selbst produzieren könnte. Die Aufnahme des Außenhandels verschafft beiden zusammengenommen ein höheres Sozialprodukt.

War das »Manchestertum« der Gipfel der Ausbeutung?

Im Gegenteil: Zwischen 1838 und 1846 kämpfte die Handelskammer von Manchester erfolgreich gegen die Getreidezölle, die die britische Regierung verhängt hatte, um die einheimischen Landbesitzer gegen ausländische Konkurrenz zu schützen. Unterstützt wurde die Handelskammer von organisierten Arbeitern, die sich gegen die überhöhten Brotpreise wandten. Trotzdem haben es die unsozialen Begleiterscheinungen der Liberalisierung von Wirtschaft und Handel mit sich gebracht, dass der Begriff des Manchesterkapitalismus meist als Synonym für die Auswüchse einer Wirtschaftsordnung gebraucht wird, in der es keine Vorkehrungen zum Schutz der Arbeiter vor Ausbeutung und Arbeitslosigkeit gibt.

Welches ist Keynes' Hauptwerk?

Die 1936 erschienene »Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes«. Deren Eigenarten »verdankt« es Keynes, dass seine Schriften trotz größter Anerkennung für seine Theorien wenig populär sind. Nobelpreisträger Paul Samuelson bemerkte über das Werk: »Es ist ein schlecht geschriebenes, kümmerlich gegliedertes Buch ... es ist arrogant, schlecht gelaunt, polemisch und nicht sonderlich großzügig in seinen Danksagungen ... Kurzum: Es ist das Werk eines Genies.«

Was besagt die Phillips-Kurve?

1958 hatte der neuseeländische Ökonom Alban W. Phillips eine statistische Beziehung zwischen Arbeitslosenquote und Lohnsatzänderungen entdeckt, die einer fallenden Kurve gleicht. Diese ließ vermuten, dass sich mehr Beschäftigung durch höhere Inflation erkaufen lässt. Eine solche Beziehung gilt aber allenfalls kurzfristig. Letztlich lähmt die Inflation das Wirtschaftswachstum, statt es zu beflügeln. Das Motto »lieber 5 % Inflation als 5 % Arbeitslosigkeit«, Mitte der 1970er Jahre vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt angeführt, war also nicht gerechtfertigt.

Nobelpreisträger: Die Stars der Wirtschaftswissenschaft

Gab es den Wirtschaftsnobelpreis von Anfang an?

Nein. Der Preis wurde erst 1968 von der Schwedischen Reichsbank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens gestiftet und heißt offiziell »Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel«.

Er ist nicht wie die anderen Nobelpreise von Alfred Nobel (1833–96) gestiftet worden: 1. der Nobelpreis für Physik, 2. für Chemie, 3. für Physiologie oder Medizin, 4. für Literatur und 5. der Friedensnobelpreis. Sie werden seit 1901 jährlich am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, verliehen. Die Auswahl der Wirtschaftspreisträger, das Preisgeld und die Preisverleihung stimmen mit den fünf »klassischen« Nobelpreisen überein. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich daher die Bezeichnung »Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften« durchgesetzt.

Wer erhielt den ersten Wirtschaftsnobelpreis?

Der Norweger Ragnar Frisch (1895–1973) und der Niederländer Jan Tinbergen (1903 bis 94) teilten sich 1969 den Preis. Mithilfe von Mathematik und Statistik hatten sie die Grundlagen für die quantitative (mengenmäßige) Untersuchung wirtschaftlicher Prozesse geschaffen. Damit wurden wirtschaftswissenschaftliche Theorien besser überprüfbar. Die Berücksichtigung von Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Einflussgrößen ermöglichte z. B. Konjunkturprognosen.

Wie viel Einfluss haben Wissenschaftler überhaupt?

Manchmal sehr großen. Das gilt z. B. für den US-Amerikaner Paul A. Samuelson (* 1915), der 1970 den zweiten Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Samuelson beriet mit dem Republikaner Dwight D. Eisenhower (1953–61) und dem Demokraten John F. Kennedy (1961–63) gleich zwei US-Präsidenten. Auch seine Theorien, die ihn als einen Hauptvertreter des Keynesianismus ausweisen, waren überaus einflussreich. Für einige seiner Nobelpreisträgerkollegen ist Samuelson der bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts.

Übrigens: Samuelsons Verbindung mit dem Wirtschaftsnobelpreis reicht zurück bis in die späten 1950er Jahre. Damals erörterte er im Auftrag der Schwedischen Reichsbank Argumente für und gegen die Einführung des Preises. Die spätere Auswahl der Preisträger entsprach allerdings nicht immer seiner Meinung. Dies bewog ihn sogar, eine eigene Aufstellung der ersten fünfzehn Nobelpreisträger anzufertigen. Nach seiner Liste hätte Samuelson den Nobelpreis erst acht Jahre später erhalten – und ihn überdies mit zwei weiteren Wissenschaftlern teilen müssen.

Wie kann der Staat am besten die Wirtschaft fördern?

Wenn man Milton Friedman (* 1912) Glauben schenkt, indem der Staat möglichst wenig in Wirtschaftsabläufe eingreift.

Der US-Amerikaner Friedman, 1976 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, entwickelte seine Theorien in einer Zeit, als der Keynesianismus die beherrschende Wirtschaftslehre war. Mit staatlicher Lenkung wurde damals versucht, die Konjunktur zu steuern und dadurch insbesondere Arbeitslosigkeit zu verhindern.

In den 1970er Jahren wurden immer stärker die Nachteile dieser Wirtschaftspolitik, Verschuldung und hohe Inflationsraten, offenbar. Friedmans Theorie des Monetarismus wurde aufgegriffen, nach der der Staat durch eine geringe jährliche Steigerung der Geldmenge die Voraussetzungen für Wachstum ohne Inflation schaffen – und ansonsten auf aktive Wirtschaftspolitik verzichten solle. Praktisch umgesetzt wurden Friedmans Vorstellungen verstärkt seit den 1980er Jahren, insbesondere in Großbritannien unter Margaret Thatcher (»Thatcherismus«) und in den USA unter Ronald Reagan (»Reagonomics«).

Trotz Erfolgen bei der Inflationsbekämpfung wurde diese Politik stark kritisiert, weil sie mit Einschnitten bei den Sozialleistungen und einer Vergrößerung der Unterschiede zwischen Arm und Reich verbunden war. So ist Friedman nicht nur einer der bekanntesten und erfolgreichsten Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, sondern auch einer der umstrittensten.

Durch welche Forderung wurde James Tobin bekannt?

Der US-Amerikaner James Tobin (1918 bis 2002), der 1981 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, schlug 1972 eine nach ihm benannte Steuer vor.

Mittels einer geringen Besteuerung sämtlicher Devisenan- und -verkäufe wollte Tobin kurzfristige Währungsspekulationen unrentabel machen. Dadurch sollten die durch Spekulationsgeschäfte ausgelösten Kursschwankungen vermindert und so die Währungen stabilisiert werden. Globalisierungsgegner griffen die Forderung nach einer Tobin-Steuer auf und gingen dabei in der Höhe der Besteuerung oft über deren Erfinder hinaus.

Kritiker bezweifeln, dass eine Tobin-Steuer sich weltweit durchsetzen ließe. Ihre Einführung würde somit lediglich zu einer Verlagerung der Spekulationsgeschäfte in »Steueroasen« führen. Außerdem befürchten sie, dass selbst eine weltweit geltende Tobin-Steuer genau den gegenteiligen Effekt bewirken könnte: Bei einem insgesamt geringeren Umsatz könnten einzelne Transaktionen viel mehr ins Gewicht fallen, was die Kursschwankungen sogar verstärkt.

Sind Aktien eine sichere Geldanlage?

Nein, denn anders als z. B. ein Sparbuch sind sie mit dem Risiko von Kursverlusten behaftet. Dass man aber die Gefahr von Verlusten stark reduzieren kann, verdanken wir nicht zuletzt den Untersuchungen Harry Markowitz' (* 1927).

Der US-Amerikaner erhielt 1990 »für seine Entwicklung der Theorie der Portfolio-Auswahl« den Nobelpreis gemeinsam mit seinen Landsmännern Merton Miller (1923–2000) und William F. Sharpe (* 1934). »Portfolio«, vom italienischen Wort »portafoglio« (»Brieftasche«; französisch: »portefeuille«) abgeleitet, bezeichnet bei einem Anleger den gesamten Anlagebestand. Die von Markowitz entwickelte Portfolio-Theorie besagt, dass durch eine effiziente und breite Streuung (»Diversifikation«) der Anlage in risikobehaftete Wertpapiere das Spekulationsrisiko gesenkt werden kann.

Übrigens: Für sich genommen nützt die Portfolio-Theorie nur Großanlegern. Denn allen anderen fehlen die finanziellen Mittel, um z. B. gleichzeitig Aktien dutzender oder gar hunderter Unternehmen zu halten. Erst die Verbreitung von Aktienfonds, nicht zuletzt durch Markowitz' Theorien gefördert, erlaubte es auch Kleinanlegern, bei geringerem Risiko von den hohen Renditechancen des Aktienmarktes zu profitieren – etwa für die Vermögensbildung oder Altersvorsorge.

Hilft der freie Markt beim Umweltschutz?

Der britische Wirtschaftswissenschaftler Ronald H. Coase (* 1910) behauptet das. Der Nobelpreisträger des Jahres 1991 beschäftigte sich u. a. mit sozialen Kosten. Das sind Schäden, die nicht bei demjenigen entstehen, der sie verursacht hat, sondern andere oder die gesamte Volkswirtschaft treffen. Daher werden sie auch als »externe Effekte«, als Wirkungen außerhalb (aus Sicht des Verursachers), bezeichnet.

Beispiele für soziale Kosten sind durch eine Fabrik verursachte Geräusche und Schadstoffe, die nicht das Unternehmen treffen, sondern die Nachbarn (Beeinträchtigung durch Lärm) oder die Allgemeinheit (Umweltverschmutzung). Das sog. Coase-Theorem besagt, dass nicht etwa gesetzliche Regelungen (z. B. Verbote oder Emissionsgrenzwerte), sondern freiwillige Verhandlungen zwischen Verursachern und Geschädigten zu der volkswirtschaftlich besten Lösung führen. Dieses Ergebnis komme sogar unabhängig davon zustande, ob die Geschädigten ein Recht auf Schadensfreiheit besitzen, das ihnen der Verursacher »abkaufen« muss, oder ob sie umgekehrt dem Verursacher ein Recht auf Aktivität abhandeln müssen. Besonders dieser Teil der Theorie ist höchst umstritten.

Ist Wirtschaft nur ein großes Spiel?

Das kann man wohl nicht behaupten. Dennoch ist die sog. Spieltheorie aus der Wirtschaftswissenschaft seit geraumer Zeit nicht mehr wegzudenken.

Beispielsweise eignet sie sich zur Analyse eines Marktes mit wenigen großen Anbietern (Oligopol). Hier wird jede Aktion eines Anbieters (»Spielers«) entsprechende Gegenmaßnahmen der übrigen »Spieler« provozieren. Die Folgen etwa einer Preissenkung oder einer Werbeoffensive ähneln daher weniger einer Rechenaufgabe aus dem Mathematikunterricht – sie sind eher mit den Zügen eines Strategiespiels wie z. B. Schach zu vergleichen. 1994 erhielt als bislang einziger Deutscher Reinhard Selten (* 1930) den Nobelpreis, gemeinsam mit den US-Amerikanern John F. Nash (* 1928) und John C. Harsanyi (1920–2000) »für ihre grundlegende Analyse des Gleichgewichts in nicht-kooperativer Spieltheorie«.

Schützt ein Nobelpreis vor der Pleite?

Nein. Das mussten die US-Amerikaner Robert C. Merton (* 1944) und Myron S. Scholes (* 1941) erfahren, die 1997 gemeinsam den Nobelpreis erhielten.

Zusammen mit ihrem Landsmann Fisher Black hatten beide 1973 die sog. Black-Scholes-Formel entwickelt. Sie ermöglichte erstmals die Bestimmung des Wertes einer Option (das Recht, z. B. ein Wertpapier an einem zukünftigen Termin zu einem festgesetzten Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen) und schuf somit eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Optionsmarktes.

Doch schon wenige Monate nach der Preisverleihung drohte der Absturz. Mertons Hedgefonds »Long Term Capital Management« (LTCM), an dem auch Scholes als Partner beteiligt war, stand nach anfänglichen Milliardengewinnen vor dem Aus. Um eine internationale Finanzkrise zu verhindern, stützten im September 1998 mehrere Banken den Fonds mit insgesamt 3,6 Mrd. US-Dollar. Merton stieg danach aus dem Hedgefonds-Geschäft aus.

Ist der Euro gut für uns?

Wenn wir Robert A. Mundell (* 1932) glauben, können wir optimistisch sein. Der Kanadier beschäftigte sich seit den frühen 1960er Jahren mit der Frage, wann eine Währungsunion für die betreffenden Länder von Vorteil sein könnte. In den 1970er Jahren arbeitete er für die damalige EG an Plänen für eine gemeinsame Währung. 1999 – also im Jahr der Euro-Einführung – erhielt Mundell »für seine Analyse der Geld- und Fiskalpolitik in verschiedenen Wechselkurssystemen und für seine Analyse optimaler Währungsgebiete« den Nobelpreis.

Was bedeutet »attac«?

Der Name des 1998 gegründeten globalisierungskritischen Netzwerks attac spielt auf die Tobin-Steuer an. Er ist eine Abkürzung für das französische »Association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux citoyens«, was übersetzt heißt: Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohl der Bürger.

Das Leben welches Nobelpreisträgers wurde zum Filmstoff?

Das Leben des Mathematikers und (1994 ausgezeichneten) Wirtschaftsnobelpreisträgers John F. Nash 2001: Er untersuchte u. a. das später nach ihm benannte Nash-Gleichgewicht, in dem kein Beteiligter (»Spieler«) durch einseitiges Ändern seiner Strategie einen Vorteil erlangen kann. »A Beautiful Mind« (Hauptrolle: Russell Crowe) wurde ein Kassenschlager und gewann vier Oscars – u. a. in den Kategorien »Bester Film« und »Beste Regie«. Nash war kurz nach dem Start seiner Karriere an Schizophrenie erkrankt.

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