Lexikon

Chassidịsmus

[hebräisch chasidim, Fromme]
jüdische religiöse Bewegung: 1. Als „aschkenasischer Chassidismus“ im mittelalterlichen Deutschland, eine mystische, aber populäre Parallelströmung zur Kabbala. 2. Als „osteuropäischer Chassidismus“ in der Mitte des 18. Jahrhunderts begründet durch Israel ben Elieser (genannt Baal Schem Tow), eine volkstümliche Spätform der Kabbala des 16./17. Jahrhunderts und Weiterführung von Tendenzen der Bewegung des Sabbatai Zwi. Entstanden in Osteuropa um 1700 aus Ressentiments gegen die offizielle, rabbinisch beherrschte Religion, betonte der Chassidismus Innerlichkeit und Unmittelbarkeit. Die Verehrung „charismatischer“ Leitfiguren (Zaddikim) führte im 19./20. Jahrhundert zur Ausformung dynastienartiger Gruppenführungen, die zugleich als religiöse Mittler zwischen Gott und Mensch verehrt werden. Im Judentum der Moderne ist der Chassidismus neben der Orthodoxie die konservativste Gruppierung.
Stempel mit umgedrehter Aufschrift
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