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LEXIKON

Eucken

Eucken, Rudolf Christoph
Rudolf Christoph Eucken
Über die "Einigung von oben"
Über die "Einigung von oben"
Der Philosoph Rudolf Eucken unterzieht in seinen "Lebenserinnerungen" (1920) die Gründung des Norddeutschen Bundes einer kritischen Analyse:

Die Bismarck'sche Politik dagegen stellt die Lage unter einen völlig neuen Anblick. Hatten wir bis dahin die Einigung Deutschlands vom gemeinsamen Willen des ganzen Volkes erwartet, so wurde uns nun jene Leistung von oben her entgegengebracht. Die einzelnen hatten kaum etwas eigenes zu tun, sondern nur sich willfährig der gebotenen Gestaltung einzufügen. Die überwiegende Mehrzahl folgte dieser Richtung; es wirkte wohltuend und befestigend, dass sich aus dem wirren Getriebe der Parteien und der sich gegenseitig widersprechenden Programme eine feste Hand hervorhob und ein deutliches Ziel vorhielt. Andere aber konnten bei aller Anerkennung der überlegenen Größe des Mannes die Tatsache nicht vollauf verwinden, dass jene Wendung ohne alle Selbsttätigkeit des Volkes erfolgte, und dass sie zugleich in die Bahnen eines ausgesprochenen Realismus geriet. Diesen Männern erschien die Wendung als zu äußerlich, als zu einseitig militärisch und wirtschaftlich ... Die Schuld jener Wendung lag freilich weniger an Bismarck, dessen unermessliche Verdienste über aller Kritik stehen, als an der Schlaffheit und Trägheit des Deutschen Bürgertums ..."

Rudolf, deutscher Philosoph, * 5. 1. 1846 Aurich, Ostfriesland,  16. 9. 1926 Jena; Vater von Arnold T. Eucken und Walter Eucken; Professor in Basel und Jena, entwickelte eine Kulturphilosophie nach „noologischer“ (d. h. geisteswissenschaftlicher) Methode, dadurch Begründer des Neuidealismus; entfaltete in zahlreichen Schriften eine kulturreformerische Tätigkeit, die ihm 1908 den Nobelpreis für Literatur brachte; Hauptwerk: „Die Einheit des Geisteslebens in Bewusstsein und Tat der Menschheit“ 1888.
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