Lexikon
Mrozek, Slawomir: Die Polizei
- Erscheinungsjahr: 1958
- Veröffentlicht: Polen
- Verfasser:
- Deutscher Titel: Die Polizei
- Original-Titel: Policja
- Genre: Schauspiel in drei Akten
Sławomir Mrozek (* 1930), Verfasser surrealistischer Satiren mit politisch-sozialkritischem Hintergrund, erringt mit dem viel diskutierten Stück »Die Polizei«, das am 27. Juni im Teatr Dramatyczny in Warschau uraufgeführt wird, seinen ersten Erfolg als Dramatiker. In dieser Satire auf den Polizeistaat gibt es im Land des »Onkel Regent« nur noch einen politischen Häftling, der vor Jahren ein Bombenattentat auf den General verübt hat. Als dieser Häftling seine oppositionelle Haltung aufgibt, um »die Ordnung und Disziplin« kennen zu lernen und eins zu sein mit dem Herrscher, wird er aus dem Gefängnis entlassen und avanciert in der Folgezeit zum Experten »für die Abwehr umstürzlerischer Tätigkeit«. Nun aber ist die Polizei, die bisher mächtigste Institution im Lande, arbeitslos. In ihrer Verzweiflung darüber, dass sie »nie mehr jemanden verhaften« können, wählen die Polizisten einen »Erlöser« aus ihrer Mitte: den Sergeanten, der auch öfter als Provokateur tätig gewesen ist. Dieser ruft aus dem Fenster: »Unser Regent, der Onkel des Infanten, ist eine alte Sau!« und wird – wie abgesprochen – unverzüglich verhaftet. Als weiteres Alibi ihrer Unentbehrlichkeit inszeniert die Polizei ein Attentat auf den Onkel Regenten. Als sich die Ordnungshüter nun gegenseitig verhaften, muss u. a. das Problem gelöst werden, »ob ein Polizeibeamter, der bereits jemanden verhaftet hat, mit dem er sich einerseits im Zustand der gegenseitigen Verhaftung befindet, einen dritten verhaften kann, von welchem er zusammen mit jenem anderen, mit dem ihn die erste gegenseitige Festnahme verbindet, zuvor schon verhaftet wurde«. In dem verhafteten Provokateur ist inzwischen die Rebellenseele wach geworden, und der frühere Sergeant ruft mit durchdringender Stimme: »Es lebe die Freiheit!« Mrozek weist darauf hin, dass dieses Drama »nichts außer dem enthält, was es enthält, also: keine Metaphern. Zwischen seinen Zeilen steht nichts. Zwischen ihnen lesen zu wollen, ist daher verlorene Liebesmüh. Der nackte Text ist eindeutig; die Sätze und Szenen haben ihren logischen Sinn – es braucht also nichts in sie hineingelegt zu werden.«
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