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LEXIKON

Kubrick

[
ˈku:brik
]
Stanley, US-amerikanischer Filmregisseur, * 26. 7. 1928 New York,  7. 3. 1999 St. Albans bei London; setzte mit seiner außergewöhnlichen Bildsprache Maßstäbe für verschiedene Filmgenres; Filme: „Wege zum Ruhm“ 1957; „Lolita“ 1962; „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ 1964; „2001: Odyssee im Weltraum“ 1968; „Uhrwerk Orange“ 1971; „Barry Lyndon“ 1975; „Shining“ 1979; „Full Metal Jacket“ 1987; „Eyes Wide Shut“ 1999.
  • Deutscher Titel: Wege zum Ruhm
  • Original-Titel: PATHS OF GLORY
  • Land: USA
  • Jahr: 1957
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, Jim Thompson, Calder Willingham, nach einem Roman von Humphrey Cobb
  • Kamera: Georg Krause
  • Schauspieler: Kirk Douglas, Ralph Meeker, Adolphe Menjou
Die Uraufführung von Stanley Kubricks Anti-Kriegsfilm »Wege zum Ruhm«, dem zynischen Angriff auf die Hierarchie innerhalb des Militärs, ruft in vielen Ländern die Zensur auf den Plan: In Frankreich, der Schweiz und in US-amerikanischen Militärkinos in Europa wird der Film vorübergehend verboten.
Frankreich im Ersten Weltkrieg 1916: Der aufstrebende General Mireau kommandiert einen Angriff seiner Kompanie auf eine starke deutsche Stellung. Er befiehlt die chancenlose Attacke angesichts der Aussicht auf eine Beförderung. Colonel Dax (Kirk Douglas) führt, wie abzusehen war, seine Leute direkt in deutsches Artilleriefeuer. Als er sich mit seinen Soldaten auf den Rückweg macht, verurteilt Mireau 100 Soldaten wegen Feigheit vor dem Feind zum Tod. Auch Dax, der seine Männer verteidigt, kann sie nicht vor dem brutalen Vorgehen schützen. Zwar mildert der General das Strafmaß, dennoch lässt er drei Soldaten hinrichten. Der gefährlichen Mitwisserschaft Dax„ entledigt er sich, indem er ihn direkt wieder in die vordersten Linien der Front schickt.
Kubrick, der sich auf tatsächliche Ereignisse bezieht, rechnet bitter mit dem Militärmythos ab und offenbart schonungslos die unmenschlichen Auswirkungen der Rangunterschiede.
  • Deutscher Titel: Lolita
  • Original-Titel: LOLITA
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1997
  • Regie: Adrian Lyne
  • Drehbuch: Stephen Schiff, nach dem Roman von Vladimir Nabokov
  • Kamera: Howard Atherton
  • Schauspieler: Jeremy Irons, Dominique Swain, Melanie Griffith, Frank Langella, Suzanne Shepherd
Der in Hollywood arbeitende britische Regisseur Adrian Lyne verfilmt nach Stanley Kubrick (1962) noch einmal den Roman »Lolita« von Vladimir Nabokov, der bei seinem Erscheinen 1955 als skandalös empfunden wurde, mittlerweile aber zu den modernen Klassikern der Weltliteratur gezählt wird. Er schildert, wie der alternde Literaturprofessor Humbert Humbert seiner zwölfjährigen Stieftochter Lolita verfällt, seine Macht missbraucht und sie zum Sex zwingt. Diese Geschichte von Gewalt und Kinderschändung wird, zumal wenn sie nicht in wohlgesetzten Worten erzählt, sondern in zwingende Bilder umgesetzt ist, noch immer als Provokation empfunden: In den USA findet Lyne, der in seinem Film neben Jeremy Irons die 15jährige, darstellerisch völlig unerfahrene Dominique Swain agieren lässt, keinen Verleih. In Europa reagiert die Kritik meist negativ. Dem Regisseur wird vorgehalten, er sei der differenzierten literarischen Vorlage nicht gerecht geworden, sein Film erschöpfe sich in Oberflächenreizen.
  • Deutscher Titel: Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben
  • Original-Titel: DR. STRANGELOVE OR HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE THE BOMB
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1964
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, Peter George, Terry Southern, nach einem Roman von Peter George
  • Kamera: Gilbert Taylor
  • Schauspieler: Sterling Hayden, Peter Sellers, George C. Scott, Peter Bull
Stanley Kubricks Satire »Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben« gilt als radikalster und treffendster Film zum Thema atomare Bedrohung.
Ein wahnsinniger General setzt die US-Atombomberstaffel gegen die UdSSR in Marsch. Im Pentagon versucht ein chaotischer Krisenstab, den beinahe unvermeidlichen Atomkrieg zu verhindern scheinbar mit Erfolg: Die Bomberstaffel wird zurückbeordert, der Präsident entschuldigt sich per Telefon bei seinem betrunkenen russischen Kollegen. Dennoch naht die Katastrophe: Der alte Nazi-Ingenieur Dr. Seltsam hat ohne Wissen der Regierung eine atomare Weltvernichtungsanlage installiert, um die Russen am Erstschlag zu hindern. Er setzt die Vernichtungsmaschinerie in Gang und verursacht so den Untergang der Zivilisation.
Radikal, aber auch stilistisch brillant, geht Kubrick mit der Anti-Kommunismus-Hysterie und mit der Unkontrollierbarkeit des militärischen Apparats ins Gericht.
  • Deutscher Titel: 2001: Odyssee im Weltraum
  • Original-Titel: 2001: A SPACE ODYSSEY
  • Land: GB
  • Jahr: 1968
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke
  • Kamera: Geoffrey Unsworth
  • Schauspieler: Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester
  • Auszeichnungen: Oscar 1969 für Spezialeffekte
Die Uraufführung von Stanley Kubricks Sciencefiction-Opus »2001: Odyssee im Weltraum« am 3. 4. 1968 in New York markiert einen Meilenstein für das Kino der kommenden Jahrzehnte. Der Regisseur präsentiert nach mehr als drei Jahren Produktionszeit in den Londoner Pinewood-Studios eine visuelle Reise, die ohne Vorbild ist. Die Genauigkeit der technischen Entwürfe viele Jahrzehnte später noch aktuell und die nahezu traumatisierende Wirkung der Bildeffekte setzen Maßstäbe für das Genre des fantastischen Films.
In vier Episoden, die über das Symbol eines rätselhaften außerirdischen Monolithen miteinander verbunden sind, erzählt Kubrick die Geschichte der Menschheit.
Am Anfang stehen Szenen aus der Vorgeschichte. Die Begegnung mit dem Monolithen bringt den Menschen der Vorzeit als Erste technische Errungenschaft das Feuer. Damit kommt auch Neid und Mord unter sie: Im Streit erschlägt einer den Gegner mit einem Knochen.
Das Bild der triumphierend in die Luft geschleuderten Waffe verwandelt sich in die Aufnahme einer Raumfähre, die in der nahen Zukunft einen Offizier zu einer erdnahen Raumstation bringt. Auf dem künstlichen Himmelskörper scheinen die Naturgesetze dem Menschen unterworfen. Doch Militärs und Wissenschaftler sind verunsichert: Auf dem Mond wurde der rätselhafte Monolith entdeckt. Diffus und unerklärbar kündigt sich eine Katastrophe an.
Jahre später gelangt ein Raumkreuzer, gesteuert von dem angeblich unfehlbaren Computer »Hal«, in die Nähe dieses Monolithen. Hals elektronische Intelligenz nimmt plötzlich absurd-bösartige Züge an: Unter scheinheiligen Rechtfertigungen führt der Computer den Tod beinahe der gesamten Besatzung herbei. Ein Astronaut wird bei dem Versuch, ihn zu entmachten, ins All geschleudert. Erst der letzte Überlebende kann nach einem dramatischen Verzweiflungskampf das Elektronenhirn ausschalten.
Für den einsamen Raumfahrer beginnt in dem führerlosen Schiff die eigentliche Odyssee: Durch einen hypnotisch blitzenden Lichttunnel bricht er in unbekannte Dimensionen vor. Bilder aus dem All vermischen sich mit persönlichen Erinnerungen und Visionen: Ein neuer leuchtender Planet in Form einer Fruchtblase mit einem Embryo erscheint vor seinen Augen; losgelöst von Raum und Zeit betritt der Astronaut ein Zimmer, in dem er selbst als Sterbender liegt.
Die visionären Bilder und die aufwändige Tricktechnik sind wegweisend für den Sciencefiction-Film. Besondere Berühmtheit erlangt der Tanz der Raumstation zu Walzerklängen und der dramaturgisch perfekte Musikeinsatz von »Also sprach Zarathustra« des deutschen Komponisten Richard Strauss (1864-1949).
  • Deutscher Titel: Uhrwerk Orange
  • Original-Titel: A CLOCKWORK ORANGE
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1971
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, nach einem Roman von Anthony Burgess
  • Kamera: John Alcott
  • Schauspieler: Malcolm McDowell, Paul Farrell, Patrick Magee, Michael Bates
Kaum ein anderer Film der letzten Jahre löst eine derart hitzige Debatte um die Darstellung von Aggression und Gewalt aus wie »Uhrwerk Orange«.
Der junge Bandenführer Alex (Malcolm McDowell) zieht nachts durch die Strassen seiner Stadt: Er raubt, zerstört, vergewaltigt, mordet bis ihn seine Kameraden an die Polizei verraten. Im Gefängnis macht er freiwillig eine Umerziehungstherapie mit, eine Art Gehirnwäsche, die ihm seine Aggressivität nehmen soll. Als »geheilt« entlassen, ist Alex unfähig, in der Gesellschaft zu überleben; er ist der Rache seiner früheren Opfer ausgeliefert und unternimmt einen Selbstmordversuch. In Kubricks Umgang mit Terror und Gewalt sehen einige Filmexperten eine unkritische Effekthascherei, andere deuten die bühnenbildhafte Ästhetik vieler Gewaltszenen eher als Distanz zur Gewalt. Unabhängig von den konträren Betrachtungsweisen wirkt der Film auch 20 Jahre später noch durch seine erschreckende Aktualität.
  • Deutscher Titel: Barry Lyndon
  • Original-Titel: BARRY LYNDON
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1975
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, nach einem Roman von William Makepeace Thackeray
  • Kamera: John Alcott
  • Schauspieler: Ryan O„Neal, Marisa Berenson, Hardy Krüger
  • Auszeichnungen: Oscars 1976 für Musik, Kamera, Kostüme und Ausstattung
War Kubricks letztes Werk »Uhrwerk Orange« (1971) wegen der offenen Gewaltdarstellung bei Kritikern umstritten, so sind sich bei seinem neuen Film »Barry Lyndon« alle einig: Kubrick bringt bisher noch nie gesehene Bilder auf die Leinwand Bilder von opulenter Pracht und Schönheit, die fast an Gemälde erinnern. Nachtszenen dreht Kubrick ohne künstliche Beleuchtung, Kostüme aus dem 18. Jahrhundert lässt er bis ins Detail nach historischen Vorbildern fertig stellen.
Kubrick folgt einem Schelmenroman des Engländers Thackeray: Zufälle und Schicksalsschläge bringen den jungen Iren Redmond Barry erst in die englische, dann in die preußische Armee. Tätigkeiten als Spion und Glücksspieler folgen, bevor Barry die schöne Lady Lyndon kennen lernt und sie bald darauf heiratet. Seinen Aufstieg in adelige Kreise kann er nicht verkraften, und so folgt schon bald der rasante Abstieg: Barry endet verarmt und als Krüppel.
  • Deutscher Titel: Shining
  • Original-Titel: THE SHINING
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1979
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson, nach einem Roman von Stephen King
  • Kamera: John Alcott
  • Schauspieler: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Barry Nelson.
Einen Roman des Gruselspezialisten Stephen King adaptiert Englands Regie-Genie Stanley Kubrick. Er will den »endgültigen Horrorfilm« drehen.
Der ehemalige Lehrer Jack Torrance (Jack Nicholson) lässt sich in einem Hotel in den Rocky Mountains, das nur in den Sommermonaten geöffnet ist, für den Winter als Hausmeister einstellen. Mit Frau (Shelley Duvall) und Kind (Danny Lloyd) zieht er in das einsame Hotel in den Rocky Mountains, um dort einen Roman zu schreiben. Sein Vorgänger ist in der Einsamkeit wahnsinnig geworden und hat seine Familie mit der Axt ermordet.
Dann ereignen sich sonderbare Vorfälle, Visionen quälen den fünfjährigen Sohn, und Jack verliert zunehmend den Bezug zur Realität, bis er schließlich selbst mit der Axt loszieht, um Frau und Kind zu töten.
Kubrick inszeniert den Horror in rasanten Kamerafahrten durch das Labyrinth des Hotels und den Heckenirrgarten, die den Irrgängen in Jacks Kopf entsprechen. Trotz seiner Schockerqualitäten wird der Film nach Ansichten vieler Kritiker Kubricks selbst gesteckten Zielen nicht gerecht. Dennoch beweist der Ausnahmeregisseur, dass er auch in diesem Genre zu großen Leistungen fähig ist. In den Vereinigten Staaten und Westeuropa steht er lange auf den Spielplänen der Kinos. Seinen Gewinn erzielt er nicht in wenigen Tagen, doch er zieht über Monate hinweg ein großes Publikum an.
  • Deutscher Titel: Eyes Wide Shut
  • Original-Titel: EYES WIDE SHUT
  • Land: USA
  • Jahr: 1999
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael, nach einer Novelle von Arthur Schnitzler
  • Kamera: Larry Smith
  • Schauspieler: Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Madison Eginton
»Ich ahne, dass die Wirklichkeit einer Nacht, ja dass nicht einmal die eines ganzen Menschenlebens zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet«, sagt Albertine zu Fridolin am Ende von Arthur Schnitzlers »Traumnovelle«, nachdem die Eheleute einander ihre geheimen nächtlichen Obsessionen und Abenteuer gestanden haben, die sie in ihrer Verbindung nicht verwirklichen können, auch wenn diese so glücklich ist, dass sie am Ende froh gemeinsam konstatieren, aus allen Träumen heil erwacht zu sein. Schnitzlers Erzählung ist die literarische Vorlage von Stanley Kubricks letztem Film »Eyes Wide Shut«, der ein halbes Jahr nach seinem Tod im September während der Filmfestspiele in Venedig uraufgeführt wird. Kubrick lässt sein Ehepaar Bill und Alice von einem Schauspielerehepaar Nicole Kidman und Tom Cruise verkörpern, doch während bei Schnitzler die Grenze zwischen Vorstellung und Realität verschwimmt, kann Bill bei der Suche nach den Fantasien seiner Frau diese Grenze nicht überschreiten, bleibt ganz bei sich selbst, und seine ausgedachten Abenteuer enden in einem Albtraum. Was wirklich in seiner Frau vorgeht, ist ihm wohl ewig verschlossen. »Stanley Kubricks Film handelt von der Schwierigkeit, die Fremdheit in der Liebe zu erfahren. Sein letztes Werk ist das Vermächtnis eines Einzelgängers, der sich vergeblich bemüht hat, mithilfe seiner Bilder Kontakt zum Rest der Welt aufzunehmen. Ein ehrlicher, verzweifelter Film«, schreibt die Kritikerin Christiane Peitz in der »Zeit«.
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