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LEXIKON

Prag

tschechisch Praha
Hauptstadt der Tschechischen Republik, beiderseits der Moldau, Mittelpunkt des Böhmischen Beckens, 1,2 Mio. Einwohner; größte Stadt und kulturelles, politisches und wirtschaftliches Zentrum der Tschechischen Republik.
Prag ist Sitz des Zentralrates der tschechischen Nationalkirche, eines katholischen Erzbischofs und zahlreicher Bildungseinrichtungen: Universität (1348), technische Hochschule (1707), Akademie der Wissenschaften (1784), Kunst- und Musikakademie sowie mehrere andere Hochschulen und Forschungseinrichtungen, des Weiteren Bibliotheken (darunter die Nationalbibliothek), Planetarium, zoologischer und botanischer Garten. Von den zahlreichen Museen sind die Nationalgalerie im Sternbergpalast (bedeutendste Kunstsammlung der Tschechischen Republik), das Staatliche Jüdische Museum und das Nationalmuseum am bekanntesten. Theater und Opernhäuser (Nationaltheater, Staatsoper Prag u. a.) haben sich vor allem durch musikalische Aufführungen einen Namen gemacht. Alljährlich ist die Stadt Schauplatz des Musikfestivals „Prager Frühling“.
Prag: Nationaltheater
Nationaltheater
Das tschechische Nationaltheater in Prag
Prag gilt als Stadt der Gotik und des Barocks („Goldenes Prag“). Die historische Altstadt wurde 1992 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Links der Moldau liegen das Wahrzeichen der Stadt, der Hradschin (14.18. Jahrhundert, das größte geschlossene Burgareal der Welt; Sitz des Staatspräsidenten), der St.-Veits-Dom (14. Jahrhundert), das Prämonstratenserstift Strahov (Museum des nationalen Schrifttums), die romanische Georgskirche (12. Jahrhundert), die barocke Loretokirche (17.18. Jahrhundert), Schloss Belvedere (16. Jahrhundert) und der Stadtteil Kleinseite mit der Nikolauskirche (18. Jahrhundert), alten Gässchen und Barockpalästen, wie Waldsteinpalast und Fürstenbergpalast. Die Karlsbrücke (14. Jahrhundert, mit Türmen und Figurenschmuck) führt hinüber auf das rechte Moldauufer zur Altstadt mit dem Altstädter Rathaus (14. Jahrhundert, berühmte astronomische Uhr, 1410), gotischer Teynkirche (14. Jahrhundert) mit dem Grab Tycho Brahes, Carolinum (Universität), Pulverturm (15. Jahrhundert) und Judenviertel (Josefstadt). Südlich schließt sich die Neustadt an mit dem Banken- und Geschäftsviertel um den Wenzelsplatz und der Festung Wyschehrad.
Prag ist das führende Handels- und Finanzzentrum und der bedeutendste Industriestandort der Tschechischen Republik. Die wichtigsten Branchen sind Maschinen- und Fahrzeugbau, Bekleidungs-, pharmazeutische, chemische, feinmechanische, elektronische, elektrotechnische und Nahrungsmittelindustrie. Als Zentrum der Medienwirtschaft beherbergt Prag mehrere Filmgesellschaften und -studios, zahlreiche Verlage und Druckereien. Aufgrund der gut erhaltenen Bausubstanz aus nahezu allen Epochen seit der Stadtgründung und den bemerkenswerten Kultureinrichtungen hat sich der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in Prag entwickelt.
Als Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt ist Prag das wichtigste Verkehrszentrum des Landes. Der internationale Flughafen Ruzyně liegt nordwestlich der Stadt. Durch die Moldau, die ab Prag schiffbar ist, ist die Stadt mit der Elbe und Nordsee verbunden. Seit 1974 verfügt Prag über eine U-Bahn.

Geschichte

Um die Burgen Hradschin und Wyschehrad (Vyšehrad) entstand eine slawische Siedlung; sie wurde im 10. Jahrhundert Residenz der Přemysliden, 973 Bischofssitz, 1344 Erzbistum. 1255 erhielt die Altstadt (Handwerker- und Kaufmannssiedlung) deutsches Stadtrecht; in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts machte Kaiser Karl IV. Prag zur Residenz und Hauptstadt des Deutschen Reichs (glänzender Ausbau zur „Goldenen Stadt“; 1348 Gründung der 1. deutschen Universität, zugleich 1. Universität in Zentraleuropa). Nach der Verbrennung des Anführers der kirchlichen Reformbewegung, J. Hus, kam es zur nationaltschechischen Erhebung, 1419 zum 1. Prager Fenstersturz, der zum Auftakt der Hussitenkriege wurde. Der 2. Prager Fenstersturz am 23. 5. 1618 führte zum Dreißigjährigen Krieg (Böhmischer Aufstand); er war das Signal zum Widerstand gegen die habsburgische Rekatholisierung. Der Prager Friede 1635 zwischen Kaiser und Sachsen beendete den Schwedischen Krieg. 1784 wurden die alten Stadtteile Hradschin, Altstadt, Kleinseite und Neustadt administrativ zur Stadt Prag zusammengeschlossen. 1866 wurde der Friede zwischen Preußen und Österreich-Sachsen in Prag geschlossen. Prag war 19181992 Hauptstadt der Tschechoslowakei, seit 1993 ist es Hauptstadt der Tschechischen Republik.
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