Lexikon

Hus

Huß
Jan, deutsch Johan(nes) Huß, tschechischer theologischer Reformer in Böhmen, * um 1370 Hussinec, Böhmen,  6. 7. 1415 Konstanz; Prediger an der Bethlehemskapelle in Prag, 1409/10 Rektor der Universität. Hus stand unter dem Einfluss der Lehren J. Wiclifs und bekämpfte besonders die verweltlichte Kirche. Da er u. a. auch die tschechische Sprache förderte, wurde er immer mehr zum Begründer einer böhmischen nationalkirchlichen Bewegung. 1410 vom Papst exkommuniziert, trat er gegen die Ablass- und Kreuzzugsbulle Papst Johannes XXIII. auf; das führte auch zu politischen Auseinandersetzungen. Obwohl er freies Geleit zum Konzil von Konstanz von König Sigismund zugebilligt bekommen hatte, um dort seine Lehre verteidigen zu können, wurde er 1414 verhaftet und 1415 als Ketzer verbrannt. Hussiten.
Hus, Jan
Jan (Johannes) Hus
Tod des Johannes Hus
Tod des Johannes Hus
Petrus de Mladenovicz, selbst Anhänger der Hussiten, berichtet über die grausame Verbrennung des vermeintlichen Ketzers Hus nach dem Urteilsspruch des Konstanzer Konzils 1415:

Hus sang bald mit lauter Stimme, zuerst: Christus, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich unser!, dann: Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner! , und zuletzt: Der du aus der Jungfrau Maria geboren.

Und als er zum dritten Mal zu singen begonnen hatte, wehte ihm bald der Wind die Flammen ins Gesicht, und bei sich selbst betend, die Lippen und den Kopf bewegend, endete er im Herren. In der Zeit des Schweigens aber schien er sich zu rühren, bevor er endete, solange wie rasch zwei oder höchstens drei Vaterunser gesprochen werden können. Als jedoch die Holzbündel und das Stroh verbrannt waren, und der Leichnam noch an der Kette stand, die am Halse hing, stießen ihn die Gerichtsdiener bald samt dem Pfahl zu Boden, nährten das Feuer noch mehr durch einen Wagen Holz und verbrannten ihn. Sie gingen ringsum und zerschlugen die Knochen mit Knüppeln, damit sie umso schneller zu Asche würden. Und als sie das Haupt fanden, zerschlugen sie es in Stücke und warfen es wieder ins Feuer. ... Schließlich verwandelten sie die ganze Masse zu Asche, ... luden alles auf einen Wagen, fuhren zum nahen Rhein und warfen es dort in die Tiefe."
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