Lexikon
Wiedertäufer
Anabaptisten; Täufereine uneinheitliche christliche Bewegung der Reformationszeit, welche sich durch die Erwachsenentaufe, Weltabgeschiedenheit und eine strikte Trennung von Staat und Kirche („Thron und Altar“) auszeichnet. Die Bezeichnung „Wiedertäufer“ entstand aus der Ablehnung der Säuglingstaufe und der dafür praktizierten „Wiedertaufe“ von Erwachsenen; die Bewegung selbst lehnte die Bezeichnung „Wiedertäufer“ ab und nannte sich u. a. „Gemeinde Gottes“ und „Brüder in Christo“; sie sind von den reformatorischen Täufern und den Baptisten zu unterscheiden. Das älteste Glaubensbekenntnis der Täufer, die sog. „Schleitheimer Artikel“ umfassen sieben grundlegende Glaubensartikel: 1.Die Ablehnung der Kinder- oder Säuglingstaufe, 2. Ausschluss von Sündern aus der Gemeinde, 3. Abgrenzung von der „Welt“, 4. eigene Wahl der Anführer, 5. Verzicht auf Gewalt und praktische Umsetzung des Gebots der Nächstenliebe und Gottesliebe, 6. Ablehnung obrigkeitlicher Ämter und 7. von Eidschwörung.
Die Täuferbewegung entstand zwischen 1523 und 1525 in Zürich, initiiert durch die Gelehrten Konrad Grebel und Felix Mantz (ca. 1500–1527), welche in Abgrenzung zu Zwingli den Taufaufschub von Gläubigen bis zur Mündigkeit forderten. Trotz Versammlungsverbot und Verfolgung breitete sich die Täuferbewegung in Süddeutschland, dem Elsaß und bis nach Tirol und Mähren aus. Berühmte Prediger waren u. a. Wilhelm Reublin, Balthasar Hubmaier (Waldshut), Johann Groß (Bern), Jörg Blaurock (Graubünden und Tirol) und der Verfasser der Schleitheimer Artikel Michael Sattler. Die Täufer erfuhren teilweise härteste Verfolgung und Bestrafung wie die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen (Niederlanden) oder die Galeerenstrafe (Zürich und Bern). Die Wiedertäufer waren die ersten Vorkämpfer der persönlichen Religionsfreiheit, z. T. revolutionär-kommunistisch gesinnt (z. B. Thomas Müntzer). Sie zerfielen in zwei Gruppen: die Schwertler, die das Reich Gottes mit Gewalt durchzusetzen versuchten (Müntzer, Wiedertäufer in Münster) sowie die Stäbler, die mit dem „Wanderstab“, d. h. auf friedliche Weise, ihre Gedanken vertraten.
Ein radikaler Zweig der Wiedertäufer errichtete unter Jan Matthis und seinem Nachfolger Jahn Bockelsen aus Leiden (Jan van Leiden), inspiriert durch die Ideen des in den Niederlanden und Ostfriesland wirkenden Melchior Hofmann (ca. 1500–1543, „Melchioriten“) 1534/35 in Münster „das neue Zion“; Kirchen und Klöster wurden geplündert, allgemeine Gütergemeinschaft und Vielweiberei eingeführt; die Stadt wurde erst nach 16-monatiger Belagerung zurückerobert, die Führer der Wiedertäufer hingerichtet. Reste der Bewegung versammelten sich nach 1536 unter steter Verfolgung in „stillen Gemeinden“. Überall in Europa verfolgt, fanden sie eine Heimat in Nordamerika, wo sie heute noch tätig sind. Gegenwärtig sind verschiedene Täufergruppen wie die Schweizer Brüder, Süddeutschen Täufer, Huter'sche Brüder, Mennoniten und Münster'schen Täufer bekannt.
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