Lexikon
Inquisitiọn
[lateinisch, Erforschung]
ursprünglich die Untersuchung rechtswidriger Tatsachen durch die Obrigkeit von Amts wegen, insbesondere die offizielle oder offiziöse Verfolgung aus religiösen und ideologischen Gründen; im engeren Sinne die institutionalisierte Ketzerverfolgung der (katholischen) Kirche im Mittelalter bis weit in die Neuzeit hinein.
Im Mittelalter wurden zuerst von Fürsten im 11. Jahrhundert Ketzer verbrannt. Auch die Kirche forderte die Bestrafung der Ketzer durch die weltliche Gewalt. Gegen Ketzer wie die Katharer, die die Grundlagen der mittelalterlichen Gesellschaft in Frage stellten, wandte man die gleichen strengen Strafbestimmungen wie gegen Staatsfeinde an.
Anfang des 13. Jahrhunderts wurde durch das Zusammenwirken von weltlicher und kirchlicher Obrigkeit, hier besonders des Kaisers Friedrich II. und der Päpste Innozenz III. und Gregor IX., die Inquisition eingerichtet. Päpstliche Inquisitoren, meist Dominikaner oder Franziskaner, sollten die Ketzer ausfindig machen. Hartnäckige Ketzer sollten der weltlichen Gewalt zur Verbrennung übergeben werden. Seit Papst Innozenz IV. war auch die Anwendung der Folter erlaubt. Mit dem Tod des Inquisitors Konrad von Marburg (1233) erlosch in Deutschland die Inquisition, doch lebte sie zur Zeit des Hexenwahns wieder auf.
In Frankreich war die Inquisition oft ein willkommenes Mittel, politische Ziele zu erreichen. In Spanien wurde im Kampf gegen die Mauren und Judenchristen die Inquisition durch T. de Torquemada neu organisiert und später auch auf Protestanten angewandt.
Die Reformatoren ließen die Ketzer lediglich des Landes verweisen, schonten aber ihr Leben. Auch die Wiedertäufer u. a. protestantische Sekten mussten die Härte des Inquisitionsverfahrens erdulden. Papst Paul III. übertrug 1542 die Inquisition seiner Kardinalskommission, die (heute Glaubenskongregation) über die Glaubens- und Sittenlehre zu wachen hat.
Die Inquisition und ihre grausamen Methoden können nur aus der mittelalterlichen Einheit von Kirche und Staat sowie aus der häufigen Verquickung von religiösen und politischen Zielen verstanden werden. Sie widersprechen der zuletzt vom 2. Vatikanischen Konzil bestätigten Gewissensfreiheit. 2000 bekannte sich Johannes Paul II. als erster Papst in einem „Mea culpa“ zu den Verfehlungen und Verbrechen, derer sich die katholische Kirche im Laufe ihres Bestehens schuldig gemacht hat.
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