wissen.de
Total votes: 333
wissen.de Artikel

Islam und Islamismus: ein Gegensatzpaar

Muslime: Fromme Gläubige oder Gotteskrieger?

Muslime sind das Feindbild Nr. 1 in vielen europäischen Ländern. Dabei sind bei weitem nicht alle Anhänger des Islam demokratiefeindliche Islamisten.

Stellen Sie sich vor, Ihre neuen Nachbarn ziehen ein: Ein Ehepaar mit südländischen Gesichtszügen, beide in langen Gewändern, der Mann mit Bart, die Frau mit Kopftuch. Viele Deutsche würden hier mit Vorbehalten reagieren – der religiöse und kulturelle Graben scheint unüberbrückbar groß. Eine freundschaftliche Beziehung mit den neuen Nachbarn, mit gegenseitigen Besuchen, gemeinsamem Lachen? Schwer vorstellbar. Vielleicht ist diese erste Einschätzung richtig und die neuen Nachbarn stellen sich als zu verschieden heraus. Vielleicht aber auch nicht – nur weil die neuen Nachbarn offenkundig gläubige Muslime sind, heißt das nicht, dass sie nicht herzliche, tolerante Menschen mit einer gesunden Portion Humor sein können.

 

Feindbild Islam und die Angst vor dem Islamismus

Spätestens seit dem 11. September 2001, als eine Gruppe hochqualifizierter, an deutschen Universitäten ausgebildeter arabischer Terroristen verheerende Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon ausübte, stehen Muslime in unserer Gesellschaft auf der Liste der Feindbilder ganz oben. Auch Berichte über Regime wie die Schreckensherrschaft der Taliban in Afghanistan haben zu diesem negativen Image beigetragen.

Der Begriff „Islamismus“ fällt heute beinahe täglich in den Medien und im alltäglichen Sprachgebrauch ist immer häufiger von Islamisten die Rede, wenn einfach nur Muslime – Anhänger des Islam – gemeint sind. Aber wenn auch alle Islamisten Muslime sind, so ist doch längst nicht jeder Muslim ein Islamist.

Denn: Islamismus bezeichnet eine Haltung, die sich sehr eng an den religiösen Texten des Islam orientiert und daraus ein vollständiges Gesellschaftsmodell ableiten möchte. Das beinhaltet dann meist einige Regeln, die nur schwer zu unserer Auffassung der Menschenrechte passen, etwa wenn es um die Rechte der Frauen oder die Ahndung bestimmter Straftaten geht.

Wer allerdings glaubt, dass Islamisten damit automatisch besonders gläubige Muslime sind und „das wahre Gesicht des Islam“ enthüllen, sollte vorsichtig sein. Ein Vergleich aus dem Christentum: Viele evangelikale Kirchen, vor allem in den USA, legen die Bibel wörtlich aus, lehnen etwa die Evolutionslehre ab und versuchen, sie aus den Schulbüchern zu verbannen. Das macht sie aber nicht zu besonders „unverfälschten“ Christen, sondern nur zu einer Gruppe von Gläubigen, die einer ganz bestimmten, von der Mehrheit abgelehnten Religionsauffassung anhängen.

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
Alexandra Mankarios, wissen.de
Total votes: 333