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Stürmischer November 1918

Die Matrosen hatten in Kiel eine spontane Meuterei begonnen und wurden so unerwartet zum Träger der revolutionären Bewegung. Verfolgen Sie mit uns die ersten stürmischen Novembertage des Jahres 1918 bis zur zweifachen Ausrufung der Deutschen Republik.

Chronik Verlag

29. Oktober: Der Matrosenaufstand

 

Ende Oktober 1918 verweigerten Matrosen deutscher Linien- und Kriegsschiffe den Gehorsam. Die in Wilhelmshaven und Kiel liegende Hochseeflotte hatte den Befehl erhalten, zu einem letzten Kampf gegen die britische Flotte auszulaufen. Das Ziel der führenden Offiziere benannte Magnus von Levetzow genau: damit "aus einem ehrenvollen Kampf der Flotte, auch wenn er ein Todeskampf wird, eine neue deutsche Zukunftsflotte" hervorginge. Doch da die Matrosen nicht bereit waren, um der "Ehre" willen auf eine sichere Todesfahrt zu gehen, mussten das Unternehmen abgebrochen werden. Die Aktion der Admiralität würde in den Augen der Matrosen die bereits begonnenen Friedensverhandlungen mit den Alliierten zum Scheitern bringen. Da das Auslaufen weder mit der Reichsregierung noch mit dem Kaiser verabredet war, verstanden die Matrosen den Befehl als Meuterei gegen die neue Regierung, deren Vertreter Matthias Erzberger und Philipp Scheidemann ihnen als Garanten für den Frieden erscheinen. Die Meuterei der Matrosen gegen eine letzte selbstmörderische Aktion der Kriegsflotte hatte in Wilhelmshaven begonnen und sich rasch auf die anderen Flottenstützpunkte ausgedehnt. Nach der Verhaftung von 1000 Aufständischen, denen die standrechtliche Erschießung drohte, kam es zur Erhebung nahezu aller Schiffsbesatzungen, der Dockarbeiter und der Heeressoldaten in den Küstenstädten.


3. November: Aufstand in Kiel leitet Revolution im Deutschen Reich ein

Doch Rettung schien zu nahen: In Kiel versammelten sich am 3. November Tausende von Arbeitern und Soldaten zu einem Demonstrationszug, um die Freilassung der Verhafteten zu fordern. Der Kommandant der örtlichen Marinestation gab Schießbefehl, woraufhin sich die Soldaten der örtlichen Garnison dem Aufstand anschlossen. Am 4. November wählten aufständische Matrosen der kaiserlichen Flotte in Kiel einen Soldatenrat, der die Macht in der Stadt übernahm. Die Aufständischen verfügten über 40 000 bewaffnete Soldaten, mit denen sie die Inhaftierten des Matrosenaufstands vom 29. Oktober befreiten.

Mit der Entsendung des Sozialdemokraten Gustav Noske ins aufständische Kiel versuchte die Mehrheits-SPD, die Kontrolle über die beginnende Revolution zu gewinnen und sich zum Verhandlungsführer der Aufständischen zu machen. Die Matrosen hatten eine spontane Meuterei begonnen und waren jetzt unerwartet zum Träger der revolutionären Bewegung geworden.

 

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