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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Kavalier:
Kavalier
kommt vom lateinischen Wort
caballarius
, das „Pferdeknecht“ bedeutet (zu
caballus
„Pferd“). Im Französischen wird daraus
cavalier, chevalier
in der Bedeutung „Reiter“, „ritterlicher Mann“. Gleichbedeutend ist das italienische
cavaliere
. Das Wort
Kavalier
hat also einen Bedeutungswandel durchgemacht vom ursprünglichen Pferdeknecht über den Ritter zum Begleiter einer Dame. Dieser Wandel vollzog sich vor allem in der Barockzeit, als in den klassischen Reiterakademien nicht nur Reiten, sondern auch Fechten, Tanzen, Kunst und Wissenschaft unterrichtet wurde. „Ritterlichkeit“ wurde damals als Ausdruck von Lebensart betrachtet.
Die gleiche lateinische Wortwurzel ist in
Kavallerie
„Reiterei“ enthalten, wobei das mittelhochdeutsche
kavalerie
bereits die Bedeutung von Ritterlichkeit hat. Aus der Feudalzeit stammen außerdem Begriffe wie
Kavaliershaus
(Nebengebäude eines Schlosses, wo die Hofleute wohnten) und
Kavaliersreise
(meist nach Italien führende Bildungsreise von Adligen im 18. und 19. Jahrhundert).
Kavaliersdelikt
nennt man eine eigentlich strafbare Handlung, die aber auf Grund gesellschaftlicher Konventionen nicht als ehrenrührig angesehen und nicht sanktioniert wird. Sie kann im Gegenteil manchmal sogar als ehrenvoll angesehen werden. In diesen Zusammenhang gehört auch der ironisch gemeinte Ausdruck
Kavalierstart
als Ausdruck für Imponiergehabe (beim Auto das Anfahren mit quietschenden Reifen, beim Segelfliegen das steile Wegfliegen von der Winde).
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