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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE

Pleite

Plei|te
f.
11
1.
Zahlungsunfähigkeit;
P. machen
2.
Misserfolg, Reinfall
[< 
rotw.
Pleite
„Flucht; Zahlungsunfähigkeit“, < 
jidd.
pleto
„Flucht, Entrinnen; Bankrott“ (
plete gehen
„fliehen“), < 
hebr.
pəlēā
„Flucht, Rettung“, zu
pāla
„retten“, also eigtl. „Rettung des Bankrotteurs durch Flucht vor den Gläubigern“]
Pleite:
Dem Begriff für Zahlungsunfähigkeit liegt eine ganz bildliche Vorstellung zugrunde: Das hebräische Ursprungswort
peleta
bedeutet „Flucht“, „Entrinnen“, „Rettung“ (zu
palat
„entrinnen“). Die Pleite ist also die Flucht des Bankrotteurs vor der drohenden Schuldhaft. Aus
peleta
wurde im Jiddischen
pleto
. Dort gibt es bereits die Wendung
plete gehen
für „
Pleite
gehen“. Diese Wendung ist übrigens auch die Wurzel für Ausdrücke wie „flöten gehen“, „verloren gehen“ und „die Platte putzen“ für „verschwinden“, „abhauen“. Eine drohende Pleite wird auch in den Begriff des
Pleitegeiers
gefasst, der über jemandem oder über einem Unternehmen schwebt. Dieser Ausdruck geht nicht auf den Aas fressenden Vogel zurück, sondern kommt ebenfalls aus dem Jiddischen:
Pleitegeier
ist nämlich eigentlich ein
Pleitegeher
, denn
geher
wird jiddisch wie
geier
ausgesprochen. Für einen Bankrotteur wird dagegen der Ausdruck
Pleitier
gebraucht.
Ins Deutsche kam
Pleite
schließlich im 19. Jahrhundert über die Gaunersprache, das so genannte Rotwelsch (aus
rot
„falsch“ +
welsch
veraltet für „romanisch“, also eigentlich eine „unechte romanische Sprache“).
Aus dem konkreten Zusammenhang mit Geld herausgelöst ist
Pleite
auch ein Begriff für Misserfolg allgemein geworden. Wer eine Pleite erlebt, muss also nicht unbedingt bankrott gehen, sondern kann auch einfach in anderer Hinsicht Pech haben oder einen Reinfall erleben.
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