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LEXIKON

Hethter

Hettiter; Hittiter; Chetiter
ein Volk mit indoeuropäischer Sprache in Kleinasien, das nach 2000 v. Chr. auf noch nicht bekannten Wegen östlich oder westlich des Schwarzen Meers in Anatolien einwanderte; im 2. Jahrtausend v. Chr. die herrschende Macht in Kleinasien. Nach der Einwanderung entstanden zunächst selbständige Stadtstaaten. Hattusilis I. machte dann Hattusa (Boğazköy) zur Hauptstadt und dehnte seine Herrschaft über weite Teile Kleinasiens und bis nach Nordsyrien hin aus. Sein Sohn, Mursilis I., eroberte Aleppo und drang um 1531 v. Chr. auf einem Kriegszug bis nach Babylon vor. In der folgenden Zeit gingen diese Eroberungen infolge von Thronwirren wieder verloren.
Hethiterreich um 1300 v. Chr.
Hethiterreich um 1300 v. Chr.
Der Wiederaufstieg des hethitischen Reichs zur Weltmacht ist das Werk des Suppiluliuma I. (um 13551320 v. Chr.), der die feindlichen Nachbarn in Anatolien zurückdrängte, den Mitannistaat unterwarf und Nordsyrien bis an den Euphrat eroberte; sein jüngerer Sohn, Mursilis II., unternahm ausgedehnte Feldzüge, durch die weite Teile des westlichen Kleinasien vom hethitischen Reich abhängig wurden. Unter Muwatallis begannen die Auseinandersetzungen mit Ägypten, die wegen der beiderseitigen Interessen in Syrien unvermeidlich waren. Um 1274 v. Chr. fand bei Kadesch in Syrien (am See von Homs) eine bedeutende Schlacht zwischen Muwatallis und Ramses II. statt, die aber keine Entscheidung brachte. Hattusilis III. schloss später einen Friedensvertrag mit Ägypten, in dem der hethitische Besitzstand in Nordsyrien anerkannt wurde. Tuthalija IV. konnte Macht und Ansehen des Reiches in mehreren Feldzügen verteidigen. Unter seinem jüngeren Sohn Suppiluliuma II. begann sich die Völkerverschiebung abzuzeichnen, die um 1200 v. Chr. den Zusammenbruch des hethitischen Reichs verursachte. Traditionen der Hethiter lebten bis zur Eroberung durch die Assyrer im 8. Jahrhundert v. Chr. fort.
Die indoeuropäische Sprache der Hethiter wurde mit akkadischer Keilschrift auf Tontafeln geschrieben; daneben gab es eine von den Hethitern erfundene Bilderschrift (hethitische Hieroglyphen), die vor allem für monumentale Inschriften auf Stein verwendet wurde.
Die hethitische Götterwelt ist vielgestaltig; neben den einheimischen Gottheiten wurden die Götter der eroberten Städte und Landschaften verehrt. An der Spitze des Pantheons standen die Sonnengöttin von Arinna und der Wettergott des Himmels. Im Kult waren die jährlich wiederkehrenden Feste von großer Bedeutung. Der hethitische König wurde erst nach seinem Tod vergöttlicht. Die Fürsten unterworfener Länder waren dem König durch Vasallenverträge verbunden, die ihnen im Innern Selbständigkeit ließen. In Teilen des Reiches wurden königliche Prinzen als Unterkönige eingesetzt.
Hethitischer Beamtenstaat entsteht
Hethitischer Beamtenstaat entsteht
Traditionell war der hethitisches Staat feudal organisiert. Da der Adel jedoch auch eine starke Konkurrenz der Könige war, erhielten die vom Herrscher abhängigen Beamten eine wachsende Bedeutung bei der inneren Verwaltung und in den staatlichen Ämtern. Dies schlägt sich in zahlreichen Dienstanweisungen des Hofes nieder, die alle Bereiche des öffentlichen, militärischen und religiösen Lebens abdecken. Im folgenden Beispiel wird dem Personal der Tempel die peinlich genaue Durchführung ihrer Tätigkeiten angeraten, um den Zorn der Götter von den Hethitern fernzuhalten:

... fernerhin, lasst die, die die täglichen Brotlaibe bereiten, sauber sein. Lass sie gebadet [und] gepflegt sein, lass ihre [Körper-]haar und Nägel entfernt sein. Lass sie gekleidet sein in reine Kleider ... Das Haus des Bäckers, in dem sie sie bereiten, lass es gefegt [und] geschrubbt sein. Ferner, lass ein Schwein oder einen Hund nicht stehn an der Tür des Ortes, wo die Laibe gebrochen werden. Ist das Fühlen der Menschen und der Götter grundsätzlich verschieden? Nein! ... ihr Fühlen ist genau das Gleiche. Wenn ein Knecht vor seinem Herrn zu stehen hat, ist er gebadet und in reine [Kleider] gekleidet; und er gibt ihm [seinem Herrn] entweder sein Essen oder er gibt ihm sein Trinken. Und weil er, sein Herr, isst [und] trinkt, ist er zufrieden in seinem Herzen und fühlt eines mit ihm. Aber wenn er [der Knecht] immer nachlässig ist, [wenn] er unachtsam ist, so ist sein Fühlen fremd ihm gegenüber. Und wenn ein Knecht seines Herrn Ärger erregt, so werden sie ihn entweder töten oder ihn verstümmeln an seiner Nase, seinen Augen [oder] seinen Ohren ... Wenn immer er stirbt, stirbt er nicht allein; seine Verwandten werden ihn begleiten. Wenn aber nun einer den Ärger eines Gottes erregt, nimmt der Gott Rache an ihm allein? Nimmt er nicht Rache an seinem Weibe, seinen Kindern, seinen Nachkommen, seiner Verwandtschaft, seinen Sklaven und Sklavinnen, seinem Vieh [und] Schafen zusammen mit seiner Ernte und wird ihn aufs Äußerste vernichten?"

Der Aufbau der Gesellschaft war feudalistisch. Neben dem Adel gab es Freie, Halbabhängige und Sklaven. Das Recht war weit entwickelt und kodifiziert; es war verhältnismäßig human und ging mehr vom Prinzip der Wiedergutmachung als von dem der Rache aus. Die Gesetze lassen erkennen, dass Ackerbau und Viehzucht die Grundlagen der Wirtschaft bildeten; daneben gab es eine entwickelte Technik der Metallgewinnung und -verarbeitung. Der Handel scheint dagegen weniger Bedeutung gehabt zu haben.
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