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Marie Curie: Pionierin der Strahlenforschung

Entdeckte das Ehepaar Curie die Radioaktivität?

Nein, das nicht. Aber Marie und Pierre Curie führten den Begriff »Radioaktivität« in die Wissenschaft ein. Ausgehend von Henri Becquerels Entdeckung, dass Uran Strahlen aussendet, begannen sie die Natur dieses Strahlungsphänomens zu ergründen, wobei im Lauf der Arbeit Marie die chemischen, Pierre die physikalischen Prozesse untersuchte – er hatte als Entdecker der Piezoelektrizität der Kristalle schon einen Namen. Es gelang den beiden, aus dem Mineral Pechblende, das ja auch das Uran hergibt, zwei Substanzen von weitaus stärkerer Strahlungsaktivität als Uran zu extrahieren, die sich als noch unbekannte Elemente entpuppten. Sie nannten sie »Polonium« und »Radium«.

Woher stammte die Nobelpreisträgerin?

Aus Polen. Die spätere Marie Curie wurde als Maria Sklodowska 1867 in Warschau geboren. Damals war Polen dreigeteilt, und in Warschau herrschten die Russen mit einem System der Unterdrückung, zu dem auch das Verbot des Frauenstudiums gehörte. So arbeitete Maria zunächst in der Heimat als Gouvernante, um ihrer älteren Schwester Bronia das Medizinstudium in Paris zu finanzieren, die ihr danach ihrerseits das Physikstudium, ebenfalls in Paris, ermöglichte.

Hochbegabt und seit je lernbegierig, studierte Maria, jetzt Marie, von 1891 an nicht nur Physik, sondern auch Mathematik und Chemie an der Sorbonne, und als sie später mit dem Physiker Pierre Curie verheiratet und Mutter zweier Töchter war, dachte sie nicht daran, ihren Beruf aufzugeben. Sie setzte sich energisch über alle Hindernisse hinweg, denen Frauen mit wissenschaftlichem Ehrgeiz ausgesetzt waren.

Wenn Polen nun die Ehre hat, namentlich in der Tabelle der chemischen Elemente zu erscheinen, so ist das Marie Sklodowska-Curie zu verdanken, die eines der beiden von ihr entdeckten Elemente aus Patriotismus »Polonium« nannte.

Waren die Forschungen der Curies ein Beitrag zur Atomphysik?

Ja. Marie und Pierre Curie gingen der Frage nach, wie die Strahlungen entstanden beziehungsweise ob sie durch äußere oder innere Kräfte bewirkt wurden. Nach endlosen Versuchen und der Knochenarbeit der Isolierung – mehr als eine Tonne Pechblende ergibt nur 0,1 Gramm Radium – konnten sie die These erhärten, dass aus dem Inneren der Elemente durch gewaltige Eigenbewegung kleinste Teilchen herausgeschleudert werden. Damit war die bis dato vorherrschende Meinung von der Unteilbarkeit der Atome widerlegt, der erste, ungemein folgenreiche Blick in die Atomstruktur getan.

Wofür setzten die beiden Wissenschaftler den Nobelpreis ein?

Im Dezember 1903 erhielten Marie und Pierre Curie gemeinsam mit Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik – Marie Curie war die erste Preisträgerin. Der mit der Auszeichnung verbundene Geldsegen war hoch willkommen, denn da die Curies eine Patentierung ihrer Entdeckungen ablehnten, mussten sie von Lehraufträgen an Instituten und Gymnasien leben.

Zudem war das »Laboratorium«, in dem das Ehepaar Curie neun Jahre lang gemeinsam seine bahnbrechenden Entdeckungen gemacht hatte, ein unwirtlicher Schuppen, vollgestellt mit Apparaten und Tonnen von Pechblende, im Sommer unerträglich schwül, im Winter eisig. An seinem Physik-Lehrstuhl an der Sorbonne jedoch, auf den Pierre dann 1904 berufen wurde, konnte er sich nicht lang erfreuen: 1906 wurde er überfahren.

Wie machte Marie Curie nach dem Tod ihres Mannes weiter?

Die Forschung und die Fürsorge für ihre Kinder bewahrte Marie Curie vor der Verzweiflung. An der Sorbonne trat sie die Nachfolge ihres Mannes an, publizierte in erstaunlichem Ausmaß, hatte Erfolg bei den Versuchen, elementares Radium zu isolieren und erarbeitete die Definition für den internationalen Radiumstandard, der den Namen »Einheit Curie« bekam. 1911 nahm sie in Stockholm den Nobelpreis für Chemie entgegen, 1914 zog sie in das für sie eingerichtete Radium-Institut in der Rue Pierre Curie ein, das zum Vorbild des Warschauer Radium-Instituts wurde.

Woran starb die Forscherin?

An einer schweren Blutkrankheit, die auf die Strahlenbelastung zurückzuführen war. So hatte der besessene Forscherdrang, der Marie Curie trieb, die Radioaktivität zu ergründen, seinen Preis gefordert. Tagtäglich hatten sie und ihr Mann sich den Strahlen ausgesetzt und hatten gar durch Selbstexperimente deren Wirkung erprobt. 1903 hatte Marie Curie eine Fehlgeburt erlitten; von den 1920er Jahren an häuften sich Hör- und Sehstörungen, es folgten Augenoperationen. 1934 starb sie in einem Schweizer Sanatorium an perniziöser Anämie. Die Erfolge ihrer Tochter Irène als Physikerin durfte sie allerdings noch erleben.

Wussten Sie, dass …

Marie Curie auch an den medizinischen Möglichkeiten der Radioaktivität interessiert war? So organisierte sie im Ersten Weltkrieg den gesamten Röntgendienst und bildete Röntgenologen aus.

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