Lexikon
Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr
- Erscheinungsjahr: 1961
- Veröffentlicht: Österreich
- Verfasser:
- Deutscher Titel: Das dreißigste Jahr
- Genre: Erzählungen
In ihrem ersten Prosawerk, sieben zum Teil stark autobiografisch gefärbten Erzählungen, die unter dem symbolhaften Titel »Das dreißigste Jahr« bei Piper in München erscheinen, beschäftigt sich die bis dahin als Lyrikerin und Hörspielautorin hervorgetretene und mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnete österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann (* 1926, † 1973) mit dem Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der ihn verstümmelnden Gesellschaft. In der den Band eröffnenden Erzählung »Eine Kindheit in Österreich« verarbeitet die Autorin ihre Jugend in Klagenfurt, die Schule, in der sie sich ducken musste, den Zweiten Weltkrieg, der ihr Vertrauen in den Menschen zerstörte. »Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer!« ruft sie zu Beginn des Anti-Märchens »Undine geht« aus, in dem sie die Sache der Frauen gegenüber den Männern vertritt. Als »sprachloses Geschöpf« versinkt Undine im Wasser und klagt Feigheit und Verrat der Männer an, bekundet jedoch gleichzeitig ihre Sehnsucht nach ihnen. In der Titelgeschichte »Das dreißigste Jahr« versucht Ingeborg Bachmann mit Hilfe einer fiktiven Biografie eine Bilanz ihrer Vergangenheit zu ziehen und sich gleichzeitig vor ihr zu distanzieren, um einen neuen Aufbruch wagen zu können: »Ich sage dir: Steh auf und geh! Es ist dir kein Knochen gebrochen«, lautet der beschwörende letzte Satz dieser Erzählung. Nach dem Preis der Gruppe 47 1953, dem Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen 1957, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 1958 erhielt Ingeborg Bachmann im Jahr 1961 den Kritikerpreis. Danach schwieg sie für fast zehn Jahre – sieht man von der 1965 veröffentlichten Büchnerpreis-Rede »Ein Ort für Zufälle« ab –, erst 1971 bricht sie dieses Schweigen mit dem Roman »Malina«.
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