Lexikon

Bühnenbild

die künstlerische Gestaltung der Bühne, um den Zuschauer über den Ort der Handlung zu informieren und den Eindruck des Spiels zu vertiefen; seit der Renaissance eine eigene Kunstgattung. Schon die Antike kannte eine architektonische Ausgestaltung der Szene; auch die mittelalterliche Simultanbühne reihte Bauten aneinander. Die Entwicklung des perspektivischen Bühnenbilds begann im 16. Jahrhundert in Italien mit der Winkelrahmenbühne, wobei zwei mit bemalter Leinwand bespannte Holzrahmen, die im stumpfen Winkel zueinander standen, in der Mitte den Blick auf einen perspektivisch bemalten Prospekt freigaben. Ende des 16. Jahrhunderts wurde durch die Verwendung von Drehprismen erstmalig eine Verwandlung des Bühnenbilds während der Aufführung möglich. Vielfach ändern konnte man das Bühnenbild jedoch erst seit der Einführung der Kulisse 1620 durch Giovanni B. Aleotti. Illusionistische Erweiterung durch Tiefenstaffelung (Giacomo Torelli), Übereckstellung perspektivischer Bühnenbilder (Ferdinando Galli-Bibiena, * 1657,  1743) sowie eine umfangreiche Bühnenmaschinerie (Flugmaschine, Wasserfälle, Gewitter- und Wolkeneffekte) brachten im 17. und 18. Jahrhundert steigenden Ausstattungsprunk, so dass die Dekoration manchmal zum Selbstzweck wurde. Der Klassizismus sah wieder von solchen Effekten ab und beanspruchte vornehmlich den perspektivisch behandelten Hintergrundprospekt für die illusionistische Tiefenwirkung. G. Fuentes (* 1756,  1821) und K. F. Schinkel bevorzugten reine Architektur. Mit den Meiningern kamen Ende des 19. Jahrhunderts historisch echte, realistische, detailbestimmte Bühnenbilder auf, die im Naturalismus zu einer fast fotografisch exakten Wiedergabe der Wirklichkeit wurden. Neue Möglichkeiten zeigten Anfang des 20. Jahrhunderts A. Appia und G. E. Craig, die die Bühne mit plastischen Gebilden als Formelementen und mit Licht gestalteten. Im Expressionismus ging man diesen Weg zur Abstraktion weiter; man arbeitete nun auch mit Projektionen. Das moderne Bühnenbild hat keinen einheitlichen Stil, doch sucht es unter weit gehendem Verzicht auf illusionistische Raumwirkung strenge, akzentuierende Einfachheit: bewusste Einbeziehung der Architektur des Bühnenraums, Fehlen der illustrierenden Dekoration, Arbeiten mit Licht, aber auch barocke Szenerie mit großer Spielfläche, dekorativer Einfassung und Prospektabschluss (C. Neher, T. Otto, L. Damiani).
Fast 50 schwimmende Häuser liegen am Pier in einem Amsterdamer Kanal. Seit Anfang 2019 sind die ersten Gebäude des ungewöhnlichen Stadtviertels Schoonship bewohnt. ©Isabel Nabuurs (isabelnabuurs.nl)
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