Lexikon

Handwerk

ein Berufsstand und eine Organisationsform der gewerblichen Wirtschaft; rechtlich alle in die Handwerksrolle der Handwerkskammer eingetragenen Betriebe. Die wichtigsten Merkmale des Handwerks sind: 1. der Handwerksmeister ist Unternehmer, Kapitalgeber und erster Arbeiter zugleich; 2. geringer Kapitalbedarf, weil arbeitsintensiv (Maschinenverwendung relativ unbedeutend); 3. keine Massen-, sondern in der Regel Einzelproduktion auf Bestellung (deswegen nur geringe Arbeitsteilung); 4. auf den Ort beschränkter Kundenkreis (meist Kleinbetrieb). Eine Sonderstellung nimmt das Großhandwerk (Bau- und Zimmerhandwerk) ein: Neben Gesellen und Auszubildenden wird eine große Zahl von Hilfsarbeitern beschäftigt.
Die Organisation des Handwerks in Deutschland ist in der Handwerksordnung festgelegt. Zur Vertretung der gewerblichen Interessen gleicher oder verwandter Handwerke eines Kreises (Landes, Bundes) dienen die Innungen (Landes-, Bundesinnungsverbände). Die Innungen eines Kreises bilden die Kreishandwerkerschaft; Interessenvertretungs- und Selbstverwaltungsinstitution eines Bezirks ist die Handwerkskammer. Spitzenorganisation des Gesamthandwerks in der Bundesrepublik Deutschland ist der Zentralverband des Deutschen Handwerks (Abkürzung ZDH), Sitz: Berlin.

Geschichte

Handwerk: Zimmermann
Zimmermann
Holzschnitt eines Zimmermanns, um 1500
Handwerk: Schmied
Schmied
Holzschnitt eines Schmieds, um 1500
Das Handwerk ist die älteste Form gewerblicher Tätigkeit. Schon sehr früh wurden gewerbliche Fertigkeiten innerhalb der Familie oder Sippe vererbt, die Fremden gegenüber geheim gehalten wurden. In den Hochkulturen des Altertums war die handwerkliche Tätigkeit meist Sache der Unfreien. Große Bedeutung erlangte das Handwerk in den Städten des Mittelalters; in dieser Zeit entstanden nicht nur noch heute bewunderte handwerkliche Kunstwerke, sondern der Handwerker (Meister) war überhaupt die tragende wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft der Stadtkultur mit eigenen Organisationen (Zünfte, Gilden) und Bräuchen. Mit dem Aufkommen von Fabrikbetrieben in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts und mit der fortschreitenden Industrialisierung schien der Untergang des Handwerks bestimmt. Tatsächlich vollzog sich aber ein Strukturwandel der Art, dass alle besser serienmäßig herzustellenden Produkte der Industrie zufielen, während alle Güter, die eine individuelle und hochwertige Handarbeit verlangen, dem Handwerk verblieben (z. B. das gesamte Kunsthandwerk). Ganz neu entstand das Reparaturhandwerk, das heute z. T. modernste Maschinen verwendet.
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