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WAHRIG HERKUNFTSWöRTERBUCH

Riemen

Streifen aus Leder
mhd.
rieme,
ahd.
riomo; geht zusammen mit
altengl.
reoma auf
westgerm.
*reumon „Riemen“ zurück; Grundlage ist wahrscheinlich die unter raufen und rau dargestellte indogermanische Wurzel *reu „reißen“; gemeint war wohl ein „ausgerissener Fell oder Hautstreifen“
[Info]
Riemen: sich am Riemen reißen
Aus dem soldatischen Bereich stammt die Redensart sich am Riemen reißen „Haltung, Disziplin, Mut zeigen“, die seit dem Ersten Weltkrieg belegt, also vergleichsweise jung ist. Mit dem Riemen ist hier der Gürtel gemeint, an dem der Soldat zieht oder reißt, um ihn in eine Lage zu bringen, die der Vorschrift entspricht. Es gibt jedoch auch andere Deutungen, die die Wendung auf das Geschirr der Zugtiere beziehen, an dem man zum Zweck der Richtungsänderung reißt. Eine untergegangene Fügung ist dagegen Riemen schneiden „Vorteil aus etwas ziehen“, die auch dem alten Sprichwort aus fremder Leute Leder ist trefflich Riemen schneiden „auf anderer Leute Kosten lässt es sich gut leben“ zugrunde liegt. Wer aus einem Stück Leder zweifach Riemen schnitt, der machte sich in alter Zeit strafbar. Zwar sind die Wendungen heute nicht mehr gebräuchlich, doch das Riemenschneiden klingt noch im Nachnamen des großen Bildschnitzers und Bildhauers Tilman Riemenschneider (um 1460 bis 1531) an. Während man die zu den Weißgerbern gehörenden ehrbaren Riemenschneider auch Riemer nannte, war mit dem bereits im 13. Jh. belegten Wort Riemenstecher kein Handwerker, sondern ein über Jahrmärkte ziehender, betrügerischer Taschenspieler gemeint. Die heute seltene Wendung ein alter Riemenstecher sein bedeutet daher „hinterhältig, trickreich sein“.
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