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LEXIKON

Sprta

Sparte
griechische Stadt auf dem Peloponnes, Hauptstadt des Verwaltungsbezirkes Lakonien; 18 200 Einwohner; Anbau von Oliven, Wein und Südfrüchten; Museum, Ausgrabungen der antiken Stadt.

Geschichte

Bei Homer Residenz des Menelaos; im 10. Jahrhundert v. Chr. von Doriern besiedelt, im 8. Jh. v. Chr. Eingliederung von Amyklai und der südlichen Eurotasebene. Seither gliederte sich die Bevölkerung des von Sparta beherrschten Gebiets (Lakedaimonien, Lakonien) in die dorischen Spartiaten (die Einwohner der Stadt Sparta), die z. T. wohl dorischen Periöken (Bewohner der Siedlungen am Rand der Eurotas mit Selbstverwaltung, aber in polit. Abhängigkeit von Sparta), die zusammen mit den Spartiaten das Staatsvolk der Lakedaimonier bildeten, aber keine politischen Rechte in Sparta besaßen, und die vordorischen Heloten, die als Sklaven zum Gemeinbesitz aller Spartiaten wurden und einen Teil der landwirtschaftlichen Erträge abliefern mussten.
Um 700 v. Chr. erweiterte Sparta im 1. Messenischen Krieg sein Gebiet um die westlich des Gebirgszug des Taygetos liegende, bereits dorisch besiedelte Landschaft Messenien, deren Bevölkerung es nach einem Aufstand um 630/20 v. Chr. ebenfalls helotisierte.
In der Mitte des 7. Jahrhunderts hatte eine später dem Gesetzgeber Lykurgos zugeschriebene Reform der Verfassung die Spannungen zwischen den Adelshäusern und zwischen Adel und Volk beseitigt: An der Spitze Spartas stand nun das Doppelkönigtum der Agiaden u. Eurypontiden, das aber in den aristokratischen Rat der Alten (Gerusia; 30 Mitglieder einschließlich der Könige) eingebunden war; die übrigen Spartiaten bildeten die Volksversammlung (Apella), die regelmäßig tagte und ohne Diskussionsrecht über die Vorschläge des Rats abstimmte.
Im 6. Jahrhundert entwickelte sich Sparta nach Erfolgen über Argos zum führenden Staat der Peloponnes und in Griechenland und begann nach einer Niederlage gegen Tegea mit dem Aufbau des Peloponnesischen Bundes, der vor allem die Flucht von Heloten in Nachbarstaaten unterbinden sollte. Die Erfordernisse der Machtpolitik und der Unterdrückung der Heloten in Lakonien und Messenien hatten zur Folge, dass sich das im 7. Jahrhundert v. Chr. kulturell führende Sparta im 6. Jahrhundert v. Chr. in einen „Kriegerstaat“ verwandelte, in dem sportlich-militärische Erziehung der Jugend, Disziplin und dauernde Kampfbereitschaft der Männer das Leben der Spartiaten (um 500 v. Chr. über 8000, im 4. Jahrhundert v. Chr. weniger als 1500) prägten. Zugleich stiegen im 6./5. Jahrhundert v. Chr. die fünf aus allen Spartiaten jährlich gewählten Ephoren zur eigentlichen Regierungsbehörde mit Kontrollgewalt über die Könige auf.
Als Führungsmacht des Peloponnesischen Bundes hatte Sparta 480/79 v. Chr. den Oberbefehl bei der Abwehr der Perser; der durch die Gründung des 1. Attischen Seebundes 478/77 v. Chr. entstandene Dualismus mit Athen führte zum Peloponnesischen Krieg (431404 v. Chr.), in dem Sparta dank persischer Hilfsgelder schließlich Athen niederringen und eine rücksichtslose Hegemonie über Griechenland (404371 v. Chr.) errichten konnte. Durch die Niederlage bei Leuktra 371 v. Chr. und den darauf folgenden Verlust Messeniens der Großmachtstellung beraubt, war Sparta Ende des 4. Jahrhunderts und im 3. Jahrhundert v. Chr. mehrmals Vorkämpfer der Peloponnesier gegen die makedonische Herrschaft und dann seit Kleomenes III. (235221 v. Chr.), von sozialrevolutionären Krisen geschüttelt, ein erbitterter Gegner des Achäischen Bundes.
Territorial auf die Binnenebene Lakoniens beschränkt, wurde Sparta
Spartaner leben in Angst
Spartaner leben in Angst
369 v. Chr. erkämpfen die Messenier die Befreiung von der spartanischen Unterdrückung. Sie mussten als Heloten auf der Stufe von Sklaven für die Spartaner arbeiten. Der Grieche Libanios äußerte kurz zuvor Unverständnis über diese Unterdrückung eines Volkes (nicht über die Sklaverei an sich, die in Griechenland gang und gäbe war):

Die Lakedaimonier [Spartaner] nahmen sich den Heloten gegenüber das Recht, sie zu töten ... Dazu bemerkte Kritias: Aus Misstrauen gegen diese Heloten nimmt der Spartiat zuhaus ihnen den Riemen aus dem Schilde. Da er dies aber im Felde nicht tun kann, weil hier oft rasches Handeln nötig ist, so geht er immer mit dem Speer in der Hand umher, in der Meinung, auf diese Weise dem Heloten überlegen zu sein, wenn er etwa mit dem Schilde allein meutern sollte. Sie haben sich auch einen Türverschluss ersonnen, der, wie sie glauben, einen von jener Seite kommenden Einbruch abwehren kann.

Das bedeutete doch, ständig mit der Furcht als Hausgenossen zusammenzuleben, wobei man nicht aufzuatmen wagt, wegen des Schrecklichen, das man ständig erwartet. Wie können denn Menschen ... wahrhaft die Freiheit genießen, die beim Frühstücken, beim Schlafen und jeder anderen Beschäftigung die Furcht vor ihren Sklaven dazu zwingt, gewappnet zu sein? Gegen die die Sklaven bei dem Erdbeben [468 v. Chr.] einen Aufstand begannen, ein Zeichen, dass sie bei gleicher Gelegenheit ein Gleiches tun würden? So wie nun ihre Könige nicht so recht frei waren, da es den Ephoren freistand, einen König zu binden und zu töten, so waren alle Spartiaten der Freiheit beraubt, da der Hass ihrer Sklaven mit ihnen zusammen hauste."
im 2. Jahrhundert v. Chr. ein abhängiger Verbündeter Roms. In der römischen Kaiserzeit blühte es noch einmal auf und bemühte sich, Reste der auf Lykurgos zurückgeführten alten Ordnung zu konservieren. 395 von den Goten unter Alarich verwüstet, wurde das Gebiet um das byzantinische Sparta im 8. Jahrhundert von Slawen besetzt. Im 13./14. Jahrhundert schufen die Byzantiner 7 km nordwestlich von Sparta als neues Zentrum Binnenlakoniens die Stadt Mistra.
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