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LEXIKON

Kunsterziehung

Kunstpädagogik
die von der Bildungskraft der Kunst ausgehende Bemühung um musische Erziehung des Menschen, d. h. jede Maßnahme, die Kunstverständnis und Geschmacksbildung fördert; auf dem Gebiet der bildenden Kunst vor allem durch Ausstellungen, Museumsführungen, Vorträge, Kunstreisen und Unterricht. In diesem Sinn, als Zweig der musischen Erziehung, ist die Kunsterziehung Unterrichtsfach an allgemein bildenden Schulen; sie umfasst bildnerische und handwerkliche Gestalten, Einführung in Kunstgeschichte und Bildbetrachtung, Materialkunde, Farbenlehre.
Eine systematische Kunsterziehung für Schüler allgemein bildender Schulen begann um 1600 mit der Gründung von Kunstakademien (Nürnberg 1662) und Zeichenschulen (Breslau, Königsberg, Berlin, Weimar, Halle [Saale]). Um 1830 wurden die ersten Instruktionen für Zeichenunterricht an allgemein bildenden Schulen sowie Prüfungsordnungen für Fachlehrer herausgegeben; Zeichnen wurde selbständiges Fach an höheren Schulen.
Mit G. Kerschensteiner und G. Britsch begann die Abkehr von der Kunsterziehung älteren Stils (A. Lichtwark u. a.), die sich auf das Abzeichnen gegebener Vorlagen beschränkte, und setzte die Neubewertung der kindlichen Bildfantasie ein, deren Ursprünglichkeit und Eigenständigkeit erkannt und als erzieherischer Wert bejaht wurde. Heute geht die Kunsterziehung von der Erkenntnis aus, dass der Trieb zum Bilden jedem Menschen angeboren ist und dass durch Kunsterziehung Kräfte ausgebildet werden, die zur unmittelbaren Gestaltung der Kulturwelt befähigen und die harmonische Entfaltung geistiger Anlagen im Sinn der Menschenbildung fördern.
Seit 1900 bestehen in vielen Ländern Europas und Amerikas eigene Ausbildungsinstitute für Kunsterzieher, seit 1963 sind alle Kunsterziehungsverbände im Weltverband der International Society for Education through Art (INSEA) vereinigt.
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