Lexikon

Mehrchörigkeit

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im weiteren Sinne eine Musizierpraxis, bei der zwei und mehr Chöre räumlich und nach Stimmen getrennt singen (zugleich oder abwechselnd). Nach biblischen Motiven entstand im frühen Mittelalter eine Tradition der Mehrchörigkeit, die durch das ganze Mittelalter hindurch anhielt (antiphonaler Gesang). Mehrchörigkeit im engeren Sinne bezeichnet venezianische Musizierpraktiken am Ende des 16. Jahrhunderts (A. Willaert, A. und G. Gabrieli, später auch C. Monteverdi), bei denen zusätzlich Instrumentalgruppen herangezogen wurden. Diese Form von Mehrchörigkeit beeinflusste die Entstehung von Sonate und Konzert. In Deutschland verbreitete sie sich durch H. L. Haßler, M. Praetorius und H. Schütz. Das Prinzip der Mehrchörigkeit wird auch noch in späteren Epochen angewandt, u. a. bei H. Berlioz (Te Deum, 1855) und G. Mahler (8. Symphonie, 1907).
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