Lexikon
Vergangenheitsbewältigung
sozialwissenschaftlicher Begriff, der nach neuerem Verständnis die wiederholte Auseinandersetzung mit belastender, in Gegenwart und Zukunft eines Staates hinein wirkender Vergangenheit impliziert. Zunächst unabhängig von Diskussionen über Schuld und Sühne zielt Vergangenheitsbewältigung heute darauf ab, aus vergangenen Unrechtshandlungen einer Diktatur zu lernen und als (Nachfolge-) Staat u. a. auch durch ihre Aufarbeitung die eigene Existenz zu legitimieren; eine endgültige Vergangenheitsbewältigung ist dabei ausgeschlossen. Zum steten (Erinnerungs-) Prozess gehören rechtsverbindliche Vereinbarungen des Staates mit den Geschädigten (Schuldanerkenntnis, Wiedergutmachung und Aussöhnung, auch Rückerstattung von Geld- und Vermögenswerten) genauso wie öffentliche Gedenktage (27. Januar und 8. Mai) und politische Debatten, aber auch die internen sowie öffentlichen Diskussionen interessierter wie kritischer Institutionen, der Medien, Verbände, Kirchen, Schulen und Universitäten sowie Austausch etwa über Städtepartnerschaften. Im engeren Sinn bedeutet Vergangenheitsbewältigung Aufklärung von vergangenem Unrecht und Verbrechen durch den Unrechtsstaat, nachträgliche Verurteilung und nach Möglichkeit Bestrafung noch lebender Verantwortlicher.
Der Begriff wurde im Nachkriegsdeutschland von H. Heimpel geprägt und durch den damaligen Bundespräsidenten T. Heuss in der deutschen Öffentlichkeit verbreitet. Die in den nachfolgenden Jahrzehnten teils kontrovers geführten Diskussionen über Sinn und Inhalte einer deutschen Vergangenheitsbewältigung konzentrierten sich zeitweise darauf, die Aufarbeitung der Geschichte von Tätern und Mitläufern abzuschließen. Die Weiterentwicklung des Begriffs in seiner heutigen Bedeutung geht u. a. auf Definitionen von T. W. Adorno und K. Jaspers zurück.
In Deutschland kamen u. a. mit der deutschen Vereinigung erneut Diskussionen über die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auf. Einen Prozess der Vergangenheitsbewältigung von in der jüngeren Geschichte begangenem Unrecht gibt es u. a. auch in Südafrika und Rwanda, in Argentinien und Chile, sowie teils auch im ehemaligen Jugoslawien.
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