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April, April! Warum wir uns am 1. April so gerne veräppeln lassen (Podcast 182 )

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Willkommen zu einer neuen Folge von Ohrensausen. Schon gehört: Die FDP will sich nach der Wahlschlappe im Saarland mit der Piratenpartei zusammenschließen. FDP – das steht künftig für Freie Deutsche Piratenpartei. Zusammen könne man schließlich locker die 5-Prozent-Hürde entern. Das glauben Sie nicht? Müssen sie auch nicht. Es ist ein Aprilscherz: Pünktlich zum 1.4. tüfteln Witzbolde weltweit an verblüffenden Storys und listigen Gags, die arglose Mitmenschen "in den April schicken“ sollen. wissen.de-Autorin Marie Schäfers hat für uns untersucht, woher der kuriose Brauch eigentlich kommt, was den April so närrisch macht und welche Witze die größten Wellen schlugen.

 

Der 1. April - Der Tag des Teufels

Warum ist der 1. April so ein besonderer Tag? Kein Scherz: Das weiß man heute nicht mehr so genau. Fakt ist: Der 01.04. ist seit der Antike als Unglückstag verschrien. Im Christentum gilt er – je nach Überlieferung – als Geburts- oder Todestag von Judas Ischariot, dem Verräter Jesu Christi. Zudem soll der 1. April den Tag des Einzugs Luzifers in die Hölle markieren. Ein Tag, an dem man sich besonders vorsichtig verhalten soll, weil einem von allen Seiten das Unglück droht – oder zumindest Ungemach. Über die ersten "Aprilnarren“ gibt es gleich mehrere Legenden:

Wir schreiben das Jahr 1530: Auf dem Augsburger Reichstag soll das Münzwesen geregelt werden. Für den 1. April wird ein besonderer "Münztag“ ausgeschrieben, auf den die Spekulanten gebannt warten. Sie setzen ihr gesamtes Geld auf die Entscheidung des Münztages, der aber nie stattfindet. Die Spekulanten verlieren ihr Vermögen und werden dafür auch noch ausgelacht. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Eine noch amüsantere Geschichte stammt aus Frankreich: Im 16. Jahrhundert bittet eine sechzehnjährige Schönheit den französischen König Heinrich IV. schriftlich um ein heimliches Rendezvous in seinem Lustschloss. Heinrich, geschmeichelt von der Offerte der jungen Dame und alles andere als abgeneigt, erscheint, nur um dort den versammelten Hofstaat unter Führung seiner Gattin Maria von Medici vorzufinden. Die dankt ihm vor versammelter Mannschaft dafür, dass er ihrer Einladung zum Narrenball gefolgt sei. April, April!

Die erste Erwähnung darüber, dass Menschen als Brauchtum in Deutschland „in den April geschickt“ wurden, ist für das Jahr 1618 in Bayern belegt. Häufig wurden Lehrlinge oder Schüler von ihren Lehrmeistern veräppelt, die sich die Unwissenheit ihrer Schützlinge für einen guten Lacher zu Nutze machten. Im Angelsächsischen heißt der 1. April "All fools’s day“, also Tag aller Narren.

 

Der Aprilscherz in seiner einfachsten Form

Aprilscherze gibt es viele – doch viele Worte braucht man nicht. Der einfachste, aber immer noch sehr effektvolle Gag, einen leeren Punkt anzustarren und so lange zu warten, bis sich Schaulustige hinzugesellen, funktioniert heute wie vor 200 Jahren. Genauso wie der Trick, eine mit Senf gefüllte Praline anzubieten und auf den ersten genussvollen Biss des Gegenübers zu warten. Wer nichts vorbereiten mag, der fährt mit falschen Hinweisen am besten. "Du, Dein Hosenstall steht offen!“ führt garantiert zum prüfenden Blick nach unten. Oder schicken Sie den Kollegen einfach in den Supermarkt zum Gänsemilch kaufen. Oder zum Besorgen schwarzer Kreide. Mal schauen, was er mitbringt.

 

Die Medien als größte Witzbolde

Weil sie besonders viele Menschen erreichen, sind die Medien besonders effektive Scherzbolde. Der älteste Aprilscherz wurde am 1. April 1774 in einer Berliner Zeitung veröffentlicht. Die Meldung: Nicht nur Ostereier lassen sich färben, auch Hühner können in allen möglichen Farbschlägen gezüchtet werden. Wie? Ganz einfach: Man braucht nur die Umgebung der Hühner in der jeweils gewünschten Farbe anzustreichen und die Hühner passen sich an. Das Chamäleon-Huhn war geboren und tatsächlich sollen einige Bauern zum Farbeimer gegriffen haben.

Die britische BBC, eigentlich der Inbegriff des seriösen Journalismus, vermeldete 1957, dass die Schweizer Spaghetti-Ernte alle Rekorde gebrochen habe. Der Sender zeigte Pasta-Bauern und blühende Plantagen mit von Bäumen herabhängenden Nudeln. Viele Zuschauer freuten sich auf die Pasta vom Acker. Noch mehr Resonanz bekam der BBC-Beitrag von 1976, in dem der renommierte Astronom Patrick More erklärte, dass um 9.47 Uhr aufgrund einer Planetenkonstellation die Erdanziehung sinke. Sein Rat: Genau in dieser Minute hochspringen und man werde für einige Augenblicke schweben. Hunderte von Anrufer bestätigten ihren Erfolg. Die begeisterten Anrufe ließen erst nach, nachdem der Sender auf den Aprilscherz hingewiesen hatte.

2007 wurde sogar in der alterwürdigen Tagesschau geulkt. Die Titelmelodie werde künftig nicht mehr live vom Orchester eingespielt, sondern nur noch vom Band. Allein der Gong solle weiterhin live vom zuständigen Chef vom Dienst geschlagen werden. Auf der Webseite der ARD gab es dazu sogar eine Umfrage: Und die meisten Zuschauer begrüßten die Sparmaßnahme.

 

Wenn "in den April schicken“ teuer wird

Aprilscherze können durchaus Folgen haben – auch finanzieller Natur, im positiven wie im negativen Sinne. April 1985: Das Magazin "Sports Illustrated“ berichtet in den USA von einem unglaublichen Baseball-Talent. Sein Name: Sidd Finch. Das Wurf-Genie soll zu den New York Mets wechseln. Er könne Bälle auf bis zu 270 Stundenkilometer beschleunigen. Alles erlogen – und trotzdem ist das nächste Spiel der Mannschaft restlos ausverkauft und die Teamkasse klingelt.

2003 verkündet ein Basler Radiosender, dass das Basler Fußballstadion bis zur EM 2008 um 10.000 Plätze erweitert wird. Das hört auch der Stadionmieter des FC Basel. Er besteht auch nach der Entlarvung des Aprilscherzes auf dem Umbau. Und findet zahlreiche Befürworter. Das Stadion wird für Millionen erweitert, später sogar zum Schweizer Nationalstadion ernannt. Die Fußballfans freut es.

 

Der Scherz als Werbegag

Immer mehr Firmen nutzen den Aprilscherz als Werbeplattform. In den USA warb die Hamburgerkette Burger-King 1998 mit einem speziellen Burger für Linkshänder mit seitenverkehrter Belegung. Der Ansturm auf die Filialen war gigantisch, obwohl es den Burger nicht gab. Die Deutsche Post bewies im gleichen Jahr Humor. Sie ließ vermelden, dass sie 100.000 Postboten mit Dienstwürstchen ausstatten lassen werde – zum Schutz vor bissigen Hunden. Die Supermarktkette REWE kündigte 2010 an, ihre Eigenmarke von "Ja!“ in "Nö!“ umzubenennen – und alle Medien berichteten. Aprilscherze garantieren Aufmerksamkeit.

 

Und jährlich grüßt der gleiche Spaß

So mancher Ulk kehrt gar jedes Jahr wieder. Das sagenumwobene Bernsteinzimmer des Preußenkönigs Friedrichs I., das seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges als verschollen gilt, taucht jedes Jahr zum 1. April spektakulär wieder in den Medien auf. Die CDU-Fraktion im Kieler Landtag fand es vor einem Jahr in ihren Büros, kurze Zeit später meldete eine Zeitung aus Mainz, das Bernsteinzimmer sei in einem Weinhaus aufgetaucht. Ein Archäologe habe es zufällig entdeckt, als er bei einem Gläschen Wein an die Decke der Kneipe schaute. Wo taucht es 2012 auf?

Die beliebteste Dauerente ist aber eine andere: Jedes Jahr warnen unzählige internationale Nachrichtenagenturen am 1. April vor dem Umweltgift Dihydrogen-Monoxid. Es ist in Tumoren und Kernkraftwerken zu finden und wirkt beim Einatmen tödlich. Das geniale an diesem Scherz: Er stimmt. Das Gift gibt es, es kann tatsächlich tödlich sein. Es handelt sich um: Wasser. April, April ...

 

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