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Lawinengefahr: Wie kann ich mich schützen?

Sie kommen scheinbar aus dem Nichts: Vor allem jetzt in der Wintersportsaison lösen sich in den Bergen immer wieder Lawinen und reißen Skifahrer und Wanderer in den Tod. Fast die Hälfte aller Todesfälle in den Bergen gehen auf solche rasenden Schneemassen zurück. Doch wie entsteht eine Lawine und woran erkennt man die Gefahr? Und wie kann man sich vor dem "weißen Tod" schützen?

Lawinenabgang in Zinal (Fêta d'Août)
Wenn Lawinen große Fallhöhen zurücklegen, können sie sich mit Luft durchmischen und sich zu sogenannten Staublawinen entwickeln, die Geschwindigkeiten 200 Stundenkilometern und mehr erreichen.

Eben noch wirkte die Schneedecke stabil und fest, dann plötzlich gerät alles ins Rutschen: Eine Lawine löst sich. Oft gleitet dabei eine ganze Schneeschicht auf einmal ab, wie ein riesiges Schneebrett. Wo vorher noch eine stille weiße Schneelandschaft war, stürzt nun donnernd und tobend eine Schneemasse zu Tal. In anderen Fällen bildet sich eine Staublawine: Der Schnee wird beim Abrutschen aufgewirbelt und rast als lockere Wolke aus Schnee und Luft den Berghang hinab.

So dramatisch solche Ereignisse sind: Lawinen sind ganz normale Prozesse der Natur – sie existieren, seit es Berge gibt. Jährlich gehen weltweit etwa 25.000 größere Lawinen zu Tal, ungezählte kleinere bleiben ganz unbemerkt. Die meisten dieser Rutschungen aus Schnee verlaufen allerdings ohne Schaden für Menschen oder Siedlungen. Zur Katastrophe kommt es erst dann, wenn Bergwanderer oder Skifahrer in den Weg einer Lawine geraten oder sie Häuser, Straßen und Ortschaften trifft.

Auf den Schneezustand kommt es an

Entscheidend für die Bildung einer Lawine ist die Struktur des Schnees: Im frisch gefallenen Pulverschnee haben die Schneekristalle die Form filigraner sechsarmiger Sternchen. Durch diese feinstrahligen Verästelungen sind die Kristalle miteinander gut verhakt – die Schneefläche ist relativ stabil.

Doch das ändert sich im Laufe der Zeit: Je älter der Schnee wird und je wärmer die Temperaturen sind, desto rundlicher und größer werden die Kristalle. Sie ähneln nun eher kleinen Körnchen als verästelten Kristallen – das macht diesen Schnee schon sehr viel weniger stabil. Noch instabiler ist der Schwimmschnee – eine Schneesorte, die durch Wiedergefrieren von Wasserdampf in der Schneedecke entsteht. Dabei bilden sich große becherförmige Kristalle, die bei zu großem Druck leicht nachgeben.

Wird nun durch frischen Neuschnee, Regen oder Erschütterungen die Schneedecke über dem Schwimmschnee plötzlich schwerer, wird es gefährlich. Die Kristalle der gesamten instabilen Schicht können nun großflächig zusammenbrechen und wirken dann wie eine Gleitflüssigkeit. Die Folge: Der darüberliegende Schnee gerät ins Rutschen. Deshalb ist die Lawinengefahr besonders hoch, wenn im Frühjahr auf alte Schneedecken frischer Neuschnee fällt. Aber auch eine plötzliche Erwärmung oder Abkühlung des Wetters kann ausreichen, um das Gleichgewicht des Schnees zu stören.

Spuren einer Schneebrettlawine
Für Wintersportler besonders gefährlich sind die sogenannten Schneebrettlawinen, die über 90 Prozent aller Lawinenopfer fordern.

Welche Hänge sind gefährlich?

Doch neben Schnee und Wetter beeinflussen auch andere Faktoren die Lawinengefahr. Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise die Hangneigung: Ist ein Berghang mit mehr als 50 Grad Neigung sehr steil, dann bleibt der Schnee ohnehin nicht lange liegen: Er rutscht immer wieder in kleinen Schüben ab, so dass sich gar nicht erst alter Schnee sammeln kann oder gefährlich instabile Schichten entstehen.

Ist ein Berghang dagegen eher flach, bleibt selbst instabiler Schnee liegen – auch hier ist eine Lawine daher meist unwahrscheinlich. Allerdings: Manchmal verbirgt sich unter dem Schnee ein weiterer Risikofaktor für eine Lawine: Liegt die Schneedecke auf einer Bergwiese mit langem Gras oder einem glatten, eisigen Felsuntergrund, dann wirken diese wie eine Rutschbahn.  Auch bei Hangneigungen unterhalb von 24 Grad kann an solchen Stellen dann Lawinengefahr bestehen.

Am größten ist das Lawinenrisiko jedoch an Hängen mit einer Neigung zwischen 35 und 50 Grad. Denn hier entstehen durch das Gewicht der Schneedecke große Zug- und Scherkräfte, die den Zusammenhalt der Schneeschichten beeinträchtigen. In einem solchen Lawinenhang genügen dann oft schon kleine zusätzliche Belastungen, zum Beispiel das Gewicht eines einzelnen Skiläufers, um das Gleichgewicht zu zerstören und eine Lawine auszulösen. Besonders heikel wird es, wenn der Wind an einem solchen Hang dicke Schneewächten angesammelt hat: Dieser Triebschnee ist oft der Ausgangspunkt von Lawinen.

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NPO, 18.01.2017
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