Längst nicht mehr nur Spielwiese für Müslifreunde und Fans von Kringelpullis: Wer bei Ökoreisen an Freizeit ohne Fun und Action denkt, der irrt gewaltig. Waren in den Neunzigern Umwelt- und Sozialverträglichkeit noch ausreichend für eine Entscheidung zum “Öko-Urlaub”, muss heute eine sanfte Reise auch Aussicht auf Spaß und gute Laune bieten. Qualitätsbewusstsein und die Suche nach attraktiven Urlaubserlebnissen drängen in den Vordergrund – auch und gerade im grünen Tourismussegment.
Ökologie und Wirtschaft im Einklang

Ökoreisen: Im Einklang mit der Natur.
Dem Ökotourismus geht es vorrangig um die Finanzierung von Naturschutzgebieten, die Schaffung von lokalem Einkommen sowie die Verbesserung des Naturschutzes – sagen unisono World Wildlife Found (WWF) und die Internationale Ökotourismusgesellschaft. Rücksicht nehmen, heißt die Devise: So viel Ökologie wie möglich, so viel Wirtschaft wie nötig. Natürliche Ressourcen sollen geschont, umweltschonende Verkehrsmittel wie Bahn und Bus bevorzugt genutzt und Müll weitgehend vermieden werden. Ziel ist das harmonische Miteinander von Tourismuswirtschaft, Naturschutzorganisationen, Regierungen und der Bevölkerung in der jeweiligen Reiseregion. Damit auch die Einheimischen vom Tourismus profitieren, sollen in der Regel regionaltypische Herbergen und Gastronomien bevorzugt werden.
Jahr des Ökotourismus
Ökotourismus ist inzwischen ein weltweites Anliegen. Und so verwundert es nicht, dass die vereinten Nationen das Jahr 2002 zum “Jahr des Ökotourismus” erklärten. Allerdings: Verbindliche Parameter für die Vergabe des Gütesiegels “Ökotourismus” gibt es bis heute nicht. Nationale wie internationale Verbände verweisen seit den späten Sechzigerjahren wechselseitig auf ihre Zuständigkeit. Kritiker bemängeln, dass es sich heutzutage beim Ökotourismus in vielen Fällen um kaum mehr als ein Marketingkonzept handele. Unverbindliche Etiketten gibt es derzeit wie Sand am Meer: Ökotourismus, Ecotourism, sanfter, grüner oder nachhaltiger, umwelt- und sozialverträglicher Tourismus – die Zahl der Titel ist so groß wie die der Reiseveranstalter.
Nichtsdestotrotz: Einen ersten Überblick geben beispielsweise die Internetdatenbank Eco-Tour (http://www.eco-tour.org) oder “Andere Reisewelten“ (http://www.anderereisewelten.de). Strengen Kriterien verpflichtet sich nach eigenen Angaben “Anders Reisen”, ein Netzwerk kleiner Veranstalter. Bei jedem Reiseangebot werden die Auswirkungen auf Natur und Umwelt geprüft. Umwelt- und Sozialverträglichkeit sind ebenso ein Muss wie Qualität und Freizeitspaß. Die Richtlinien sind verbindlich, die insgesamt 90 Mitglieder werden regelmäßig kontrolliert.
Vielfältiges Angebot

Expeditionen: Abseits ausgetretener Pfade.
Öko-Touren führen in alle Ecken der Welt – von der Algarve bis zu den Azoren, von der Provence bis nach Transsylvanien, vom australischen Outback bis zu den Galapagos-Inseln. Und da neben ökologischer Verantwortung auch der Urlaubswert stimmen muss: Künstlerisches wie Aquarell-Kurse oder Fotografie, Wellness-Angebote von Yoga bis Qui Gong, Abenteuerreisen oder Floßfahrten stehen ebenso zur Wahl wie sportliche Herausforderungen – sei es Drachenfliegen am Mittelmeer oder Wüsten-Trekking in Nordafrika. Aktivreisen mit dem Rad, zu Fuß, mit dem Segelboot oder im Kanu, Studienreisen, Seminarreisen, Familienreisen, Ferienhäuser – das Angebot ist vielfältig.
Dabei kann nicht nur auf allseits bekannten, sondern auch mitunter auf weitgehend noch unentdeckten Pfaden wandeln: Öko-Reisen führen mitunter auch in Naturreservate, die dem Massentourismus verschlossen bleiben. Selbst an Forschungsprojekten kann teilgenommen werden: Biosphere Expeditions etwa bietet Naturschutzexpeditionen für jedermann, der Veranstalter Pangaea (http://www.pangaea-reisen.de) initiiert eigene Forschungsprojekte.
Außergewöhnliche Entdeckungsreisen
Amerik Aventure offeriert außergewöhnliche Entdeckungsreisen nach Lateinamerika, Ecotours (http://www.ecotours.de) führt in den Regenwald nach Samoa. Unter dem Label “move4nature” (http://www.move4nature.de) macht der Veranstalter One World Naturschutz zum Abenteuer – und so kann man im Urwald Brüllaffen erleben oder Buckelwal-Forscher in Brasilien begleiten. In Delfin-Camps (http://www.schwimmen-mit-delfinen.de) kann man mit Flipper um die Wette schwimmen. Von Riesenschildkröten bis Berggorillas: Colibri (http://www.colibri-berlin.de) ist auf Tierreisen rund um den Globus spezialisiert.
Auch Naturschutzverbände organisieren ihre eigenen umweltverträglichen Reisen: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) tourt in Cornwall und im Kaukasus. Und mit dem BUND-Naturschutz Verein (http://service.bund-naturschutz.de) geht es in die ungarische Puszta, nach Lappland – oder auf Abenteuerfahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Auf den Philippinnen fördert der WWF seit den späten Neunzigerjahren ein Gemeindeprojekt, mit dem ehemalige Walfänger vom sanften Tourismus profitieren sollen. In umgebauten Fangbooten geht es heutzutage hinaus aufs Meer zum Beobachten von Walen, Tümmlern und Delfinen.
Claudia Haese H&A medien






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