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Gebirgsbildung: Zu Land und zu Wasser

Können Gebirge ihre Form verändern?

Ja, sie tun es auch heute noch. Berge, Täler und Ebenen bilden das Relief der Erdoberfläche. Das, was auf den ersten Blick fest gefügt und unveränderlich erscheint, unterliegt einem ständigen Wandel.

Wo heute hohe Gebirge aufragen, erstreckten sich vor Millionen von Jahren Meeresarme. Hochebenen verschwanden in tiefen Gräben. Schöpfer der großen Formen sind Kräfte aus dem Erdinnern, die endogenen (von innen erzeugten) Kräfte. Wind, Regen und Eis nagen unaufhörlich am Relief und formen es um. Diese von außen wirkenden Kräfte bezeichnet man auch als exogene (von außen erzeugte) Kräfte.

Wie entstehen Berge und Gebirge?

Die meisten Gebirge entstehen durch die Kollision verschiedener Erdkrustenteile bzw. Platten. Gesteinsmaterial türmt sich auf. In Zonen, wo eine ozeanische unter eine kontinentale Platte abtaucht, kommt es zusätzlich zu vulkanischen Aktivitäten. Beispiele hierfür sind die amerikanischen Kordilleren mit ihren vielen Vulkanen. Auch wenn zwei kontinentale Platten aufeinanderprallen, kommt es zur Gebirgsbildung. Bekanntes Beispiel für diesen Vorgang sind die Alpen, wo die Afrikanische Platte auf die Eurasische driftet.

Der ungeheure Druck beim Zusammenschieben der Platten verformt und hebt die Gesteinsschichten der Erdkruste und des oberen Erdmantels. In der Tiefe reagiert das Gestein bei hohem Druck und hohen Temperaturen beweglicher als weiter oben. Ursprünglich horizontal geschichtete Sedimente und vulkanische Schmelzen werden unter Druck zuerst verbogen, bevor sie dann wie mehrere Lagen Stoff in viele Falten gelegt werden. Am Ende der Gebirgsbildung werden bei anhaltendem Druck die in der Tiefe gefalteten und übereinandergeschobenen Gesteinsschichten weit herausgehoben.

Übrigens: Kaum entstanden, unterliegen die Gebirge und Ebenen vielfältiger Umgestaltung. Temperaturunterschiede, Wasser, Wind und Schwerkraft formen die Landschaft durch Verwitterung, Abtragung und Ablagerung.

Gibt es Gebirge unter dem Meeresspiegel?

Ja, sogar die längsten der Erde. Auf dem Grund der Ozeane erstrecken sich in rund 4000 m Tiefe weite Ebenen. Aus ihnen erheben sich gewaltige Gebirge: die Mittelozeanischen Rücken. Diese Rücken durchziehen von Nord nach Süd mit Unterbrechungen den Atlantischen, Pazifischen und Indischen Ozean, so dass manche Forscher den Begriff nicht im Plural, sondern im Singular benutzen. Sie betrachten den Mittelozeanischen Rücken als ein zusammenhängendes Gebirgssystem, das sich über 60 000 bis 70 000 km hinweg erstreckt.

Gibt es heiße Glut im kalten Meer?

Die mittelozeanischen Rücken sind nicht nur das längste Gebirgssystem der Welt, sondern auch das vulkanisch aktivste: Sie bestehen vollständig aus vulkanischem Gestein. Ständig steigt aus dem Erdinneren Magma auf und ergießt sich als Lava auf die Meeresböden. Im Lauf des 20. Jahrhunderts brachten Wissenschaftler Beobachtungen zum Vulkanismus und Verlauf der Mittelozeanischen Rücken in Zusammenhang mit der Kontinentaldrift und entwickelten die Überlegungen weiter zur Theorie der Plattentektonik.

Übrigens: Bis ins 19. Jahrhundert hinein ahnte die Menschheit nichts von der Existenz eines riesigen Gebirgssystems unter dem Weltmeer. Erst als der Plan aufkam, ein Telegrafenkabel quer durch den Atlantischen Ozean von den USA nach Großbritannien zu verlegen, widmete man sich genauer der Erkundung des Meeresbodens der Tiefsee. Bei dem Versuch, exakte Lotungen vorzunehmen, stieß das britische Forschungsschiff »Challenger« 1873 auf den Mittelatlantischen Rücken, der auf halbem Weg zwischen Nordamerika und Europa bzw. Südamerika und Afrika verläuft.

Wussten Sie, dass …

die deutschen Mittelgebirge älter als die Alpen sind? Vor rd. 60 Mio. Jahren hoben sich die Alpen aus einem ursprünglichen Meer, ein Vorgang, der bis heute andauert. Schon vor 300 Mio. Jahren hatte das Rheinische Schiefergebirge nach der Kollision zweier Kontinentalplatten alle Stadien der Faltengebirgsbildung durchlaufen. Durch weiteren Druck zerbrachen seine Gesteine in einzelne Schollen, die übereinandergeschoben oder gegeneinander versetzt wurden.

das Tote Meer der tiefste Punkt der Erde ist? Die Landsenke bzw. Depression liegt im Jordangraben an der Grenze zwischen Israel und Jordanien. Der Wasserspiegel des Toten Meeres liegt etwa 400 m unter dem Meeresspiegel. Der See ist an seiner tiefsten Stelle rund 400 m tief, so dass die Depression insgesamt 800 m beträgt.

Ist direkt an den Plattengrenzen Leben möglich?

Zum Umfeld aller Mittelozeanischen Rücken gehören untermeerische Quellen, aus denen 300 – 400 °C heißes schwefelwasserstoffhaltiges Wasser aufsteigt, das mit vielen Mineralen gesättigt ist. Einige der im Wasser gelösten Stoffe lagern sich am Quellaustritt ab, der so eine Schlotform annimmt. Da das herausschießende heiße Wasser aussieht wie schwarzer Qualm, wurden die Gebilde Blacksmokers, »schwarze Raucher«, genannt.

Diese Umwelt haben einige Lebewesen für sich entdeckt: Bakterien, die sich von Schwefel oder Wasserstoff ernähren und die hohen Temperaturen ebenso wie den Wasserdruck in 3500 m Tiefe aushalten. Diese Bakterien leben auch im Röhrenwurm, der durch Anpassung diese ökologische Nische besetzen kann. Er nimmt aktiv keine Nahrung auf, sondern lässt sich von den Bakterien ernähren, die Schwefel und Wasserstoff sowie die Stoffe ihrer Umwelt in organische Substanzen umwandeln.

Wer »entdeckte« die Eiszeiten?

Der deutsche Geologe Albrecht Penck (1858–1945). Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildeten die Alpen- und die Eiszeitforschung, als deren führender Vertreter er berühmt wurde. Zu seinen besonderen Verdiensten zählt der erste gesicherte Nachweis der Eiszeiten: Die Unterteilung in die Günz-, Mindel-, Riß- und Würm-Eiszeit geht auf Penck und seinen Kollegen Eduard Brückner zurück.

Penck wirkte ab 1885 als Professor in Wien, ab 1906 in Berlin. In den Berliner Jahren trieb er seine Forschungen voran, 1909 erschien sein dreibändiges Werk »Die Alpen im Eiszeitalter«. Nach dem Ersten Weltkrieg äußerte sich Penck wiederholt zu politischen Fragen. Mit seiner nationalistisch gefärbten »Volks- und Kulturboden-Theorie« bereitete er der deutschen »Volkstumsforschung« der 1930er Jahre den Boden.

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