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Polare Breiten: Karge, baumlose Tundra

Wie viel Tundra gibt es auf der Erde?

Tundrenvegetation bedeckt nur knapp 4 % der gesamten Festlandfläche. Im Eiszeitalter lagen weite Teile dieses Gebietes unter einer dicken Eisschicht – die Tundra ist also eine relativ junge Landschaft.

Die Tundra liegt in den Subpolar- und Polarzonen mit kalten Sommern und eisigen Wintern auf der Nord- und der Südhalbkugel. Das Klima dort ist generell geprägt von der Lage hoch im Norden, in der Tageslicht und Sonnenenergie auf einen kurzen Sommer begrenzt sind. Nördlich des Polarkreises beginnt die winterliche Polarnacht.

Die subpolare Klimazone erstreckt sich im nördlichen Nordamerika als etwa 2000 km breiter Streifen quer über den Norden des Kontinents. In Eurasien zieht sie sich als 100 bis 1000 km breiter Gürtel über den Nordrand der Landmasse. Subpolares Klima ozeanischen Typs herrscht auch auf Island, dem Alëuten-Bogen zwischen Asien und Amerika sowie auf der Südhalbkugel auf den Falkland- und Kergueleninseln.

Fällt in der Tundra viel Schnee?

Nein. Bei einer mittleren Temperatur im Winter von weniger als –8 °C ist es zwar sehr kalt, doch da bei dieser Kälte nur wenig Wasser verdunsten kann, fällt auch wenig Schnee.

In den ozeanisch geprägten Bereichen liegen die kältesten Monatsmitteltemperaturen bei –8 °C bis +2 °C, die wärmsten bei 5–12 °C. Im Innern der Kontinente sind die Sommer noch kühler – das wärmste Monatsmittel beträgt hier 6–10 °C. In den Regionen mit polarem Eisklima, der Antarktis und Grönland, ist es noch kälter; hier fallen alle Niederschläge als Schnee.

Wo wachsen auch Bäume?

In der Waldtundra, der »Kampfzone« zwischen Tundra und der südlich anschließenden Taiga, dem Reich der dunklen Nadelbäume. Wie in einem Mosaik wechseln hier Waldflecken mit baumlosen Inseln ab. Allerdings ist das Pflanzenwachstum in den kalten subpolaren Zonen sehr eingeschränkt, da Bäume eine Vegetationszeit von mindestens 30 Tagen brauchen.

Bei der eigentlichen Tundra lässt sich von Süden nach Norden grob eine Zonierung in die Strauchtundra, die Grastundra und die Moos- und Flechtentundra erkennen. In der Strauchtundra wachsen vor allem Zwergsträucher wie Preiselbeeren oder Heidekrautgewächse. Man findet auch Zwergbäume, die sich nur kriechend an der windgeschützten Bodenschicht halten können. Zwergbirken und Krautweiden werden etwa 50 cm hoch – so hoch liegt im Winter auch der Schnee – und wachsen extrem langsam. Weiter nördlich werden die winzigen Sträucher von büschelartig wachsenden Gräsern verdrängt.

Welche sind die Charakterpflanzen der arktischen Tundra?

In der arktischen Tundra gedeihen fast nur noch Moose und Flechten, die die frostharten Böden und Felsen überziehen.

Dichte Moospolster breiten sich auf den kargen, im Sommer feuchten Böden aus. Von Flechten dominierte Tundra gibt es besonders dort, wo Trockenheit die meisten Blütenpflanzen scheitern lässt. Flechten sind Doppelorganismen aus einem Pilz und einer oder zwei Arten von Algen. Manche Flechten können sogar auf blankem Fels wachsen. Besonders artenreich ist die Gattung der Rentierflechten (Cladonia). Die graugrünen bis fahlgelben Gewächse sind im Winter eine wichtige Nahrung für Rentiere.

Übrigens: Als »arktische Wüste« bezeichnet man die nördlichsten Regionen der Tundrazone und die Inseln des Arktischen Ozeans mit extremer Kälte und Trockenheit.

Ist Leben nur im Sommer möglich?

Große Kälte, Trockenheit und ein Winter, der mehr als sechs Monate dauert und noch dazu dunkel ist, machen die Tundra zu einem unwirtlichen Lebensraum. Aber im kurzen Sommer sprießen Gräser und krautige Binsengewächse, treiben Zwergsträucher aus.

Karibu- und Rentierherden, die in südlicheren Regionen überwintert haben, finden jetzt reichlich Futter. Der Dauerfrostboden taut oberflächlich auf und aus den entstehenden Wasserläufen, Tümpeln und Pfützen schlüpfen zahllose Insekten. Sie bilden die Nahrungsgrundlage für die aus ihren Winterquartieren zurückkehrenden Zugvögel. Reptilien und Amphibien fehlen, da ihr Stoffwechsel in der Kälte zum Erliegen kommt. Viele Vögel wie das Moorschneehuhn und Säugetiere wie der Polarfuchs verfärben sich zu Beginn des Winters weiß und legen sich im Sommer eine braune Schutzfärbung an.

Wussten Sie, dass …

die beliebte Steingartenpflanze Silberwurz die Landschaftsblume von Lappland ist? Das immergrüne Rosengewächs wächst häufig in der Tundra und war während des Eiszeitalters auch in Mitteleuropa weit verbreitet.

die Küstenseeschwalbe den Streckenrekord bei Zugvögeln hält? Im Sommer lebt sie in der arktischen Tundra, im Winter hält sie sich in der Nähe der Antarktis auf. Jährlich bewältigt sie eine Strecke von 40 000 km.

der Massenselbstmord der Lemminge eine Legende ist? Bei ihren durch Nahrungsknappheit ausgelösten Wanderungen sterben zwar viele Tiere, aber im Disney-Film »Abenteuer in der weißen Wildnis« mussten sie auf Regieanweisung von der Klippe springen.

Wie kam die Tundra zu ihrem Namen?

Der Name »Tundra« für die nördliche Kältesteppe, die sich als relativ schmaler Saum rings um das Nordpolarmeer zieht, stammt aus dem Finnischen und bedeutet »hoch gelegener, trockener Ort«. In Lappland bezeichnen die Samen damit die baumlosen Hügel und Hochebenen oberhalb der Nadelwälder. Der Begriff wurde für alle Regionen übernommen, die auf der Nordhalbkugel nördlich der Waldgrenze und südlich der Zone des ewigen Eises liegen.

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