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Schwangerschaft – das Wunder Mensch entsteht

Mit einer Schwangerschaft gehen erstaunliche Entwicklungen in einer Frau vor. Bereits die Befruchtung ist ein bemerkenswerter Vorgang, bei dem sich Millionen von Spermien auf den Weg machen, von denen in der Regel jedoch nur eins die Eizelle für sich erobern kann. Nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle finden die ersten Zellteilungen statt. Wenn sich diese Zellkugel spätestens am siebten Tag in der Gebärmutter einnistet, sieht sie einer Maulbeere ähnlich.

In den folgenden acht Wochen wird sie sich weiter teilen, in verschiedene Zellen und Gewebe differenzieren und Organe und Körpersysteme ausbilden. Am Ende des dritten Monats trägt der Fetus deutlich menschliche Züge und beginnt nun, vor allem an Länge und Gewicht zuzunehmen, bis gegen Ende der 40. Woche die ersten regelmäßigen Kontraktionen der Gebärmutter die bevorstehende Geburt des Kindes ankündigen.

Der Weg des Fetus ans Licht der Welt ist sowohl für die Mutter als auch für das Kind ein anstrengender, aber bedeutender Akt. Mit der Geburt verlässt das Kind den schützenden Körper der Mutter und aktiviert alle Körpersysteme, die ihm das Überleben in der neuen Umgebung sichern. Eine Geburt verläuft in drei charakteristischen Phasen, die vor allem an der Häufigkeit und Stärke der Wehen abzulesen sind. Um eine Geburt zu unterstützen oder zu beschleunigen, sind mitunter geburtshilfliche Maßnahmen wie ein Kaiserschnitt erforderlich. Ist eine Frau körperlich fit und wird sie medizinisch gut betreut, verlaufen Schwangerschaft und Geburt in den meisten Fällen ohne Komplikationen.

Zeugung: Verschmelzung mit Zukunft

Welche Voraussetzung erfordert die Zeugung?

Damit es überhaupt zur Befruchtung (Konzeption) – also zur Verschmelzung einer väterlichen mit einer mütterlichen Geschlechtszelle – kommen kann, müssen Samenzelle und Eizelle zum exakt richtigen Zeitpunkt während des Menstruationszyklus aufeinandertreffen. Eine unbefruchtete Eizelle kann nach Verlassen des Eierstocks – bei einem regelmäßigen 28-Tage-Zyklus kommt es etwa in der Mitte zwischen zwei Regelblutungen zum Eisprung – nur etwa 24 Stunden überleben. Samenzellen (Spermien) sind nur bis zu drei Tage lebensfähig. Ihre Befruchtungsfähigkeit hält aber meist nur 12 bis 48 Stunden nach der Ejakulation an. Damit eine Befruchtung stattfinden kann, sollte der Geschlechtsverkehr höchstens drei Tage vor und nicht später als zwei Tage nach dem Eisprung stattfinden.

Welchen Weg nimmt die Reise der Samenzelle?

Bei jeder Ejakulation verlassen Millionen Spermien den männlichen Körper, aber nur einige wenige überleben die »gefährliche« Reise durch Scheide, Gebärmutter und Eileiter. Schon unmittelbar nach der Ejakulation fließen Millionen von Spermien wieder aus der Scheide, andere werden durch das saure Scheidenmilieu vernichtet. Millionen von Spermien müssen vor dem schützenden Schleimpfropf am Gebärmutterhals kapitulieren. Diejenigen, die den Durchbruch schaffen, werden durch die starken Gebärmutterkontraktionen hinaufgezogen und in der Gebärmutterhöhle verteilt. Dort fallen noch einmal Tausende dem weiblichen Immunsystem zum Opfer. Wenige Tausend nur schaffen es bis zum Eileiter und vielleicht nur ein paar Hundert erreichen dessen oberes Ende, wo die aus dem Eierstock aufgenommene Eizelle ihre Wanderung in die Gebärmutter hinab beginnt.

Wo trifft die Samenzelle auf die letzte Barriere?

An der äußeren Zellschicht der Eizelle und der darunterliegenden inneren Glashaut. Obwohl mindestens 100 Spermien versuchen, diese beiden Zellschichten aufzubrechen, gelingt es nur einer einzigen Samenzelle, in die Eizelle einzudringen und sie zu befruchten. Spezielle Eiweiße verursachen eine Verschmelzung der Eizelle mit der Samenzelle zur Bildung der so genannten Zygote, die etwa die Größe einer Nadelspitze besitzt. Danach kommt es in der befruchteten Eizelle zu chemischen Reaktionen, die das Eindringen weiterer Samenzellen verhindern.

Wie entwickelt sich die befruchtete Eizelle weiter?

Die befruchtete Eizelle (Zygote) setzt ihre Wanderung durch den Eileiter in die Gebärmutter fort. Dabei beginnt sie mit der Zellteilung. Etwa 72 Stunden nach der Befruchtung hat sie das Stadium der einer Maulbeere ähnelnden Morula erreicht. Am vierten Tag hat sich die befruchtete Eizelle in einen aus etwa 100 Zellen bestehenden Zellball – die Keimblase (Blastozyste) – verwandelt und die Gebärmutter erreicht. Dort schwimmt sie noch zwei bis drei Tage in der Gebärmutterflüssigkeit.

Wann beginnt die Einnistung?

Etwa sieben Tage nach dem Eisprung lagert sich die Keimblase an die dicke und schwammige Gebärmutterschleimhaut an. Die Keimblase beginnt mit der Bildung von Enzymen, die die obere Zellschicht durchlässiger machen, und dringt tiefer in die Schleimhaut ein. Dieser Vorgang, der als Einnistung oder Nidation bezeichnet wird, zieht sich über etwa eine Woche hin.

Wie wirkt sich die Befruchtung auf den Zyklus aus?

Nach der Zeugung schüttet ein Teil der Keimblase das Schwangerschaftshormon HCG (Humanchoriongonadotropin) aus, das die Tätigkeit des Gelbkörpers im Eierstock aufrechterhält und dadurch die Ausschüttung der Hormone Progesteron und Östrogen kontinuierlich erhöht. Diese Hormone wirken erhaltend auf die Gebärmutterschleimhaut, so dass es nicht zur Abstoßung kommt. Außerdem veranlassen sie die Hirnanhangsdrüse, die Produktion derjenigen Hormone zu unterdrücken, die den Eisprung auslösen.

Gene und Vererbung: Code der Einzigartigkeit

Wo sitzen unsere Gene?

In jeder einzelnen menschlichen Körperzelle. Jede Zelle enthält in ihrem Kern 23 Chromosomenpaare, von denen jedes aus einem langen, spiraligen DNA-Molekül besteht. Innerhalb der DNA (Desoxyribonukleinsäure) gibt es Tausende von Genen, die zusammen den genetischen Code bilden. Geschlecht, Haar- und Augenfarbe, Blutgruppe und sogar die Bereitschaft zu bestimmten Erbkrankheiten sind in diesem Code verpackt. Bei jeder Zellteilung erfolgt eine Kopie der DNA, so dass eine identische Nachbildung der Gene an die neue Zelle übergeht.

22 Chromosomenpaare, als Autosomen bezeichnet, tragen alle Anweisungen für die Merkmale und Eigenschaften des Individuums. Das 23. Paar besitzt zusätzlich noch eine geschlechtsbestimmende Funktion. Frauen besitzen als 23. Paar zwei X-Chromosomen, Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Die Bezeichnungen dieser Geschlechtschromosomen mit X und Y leiten sich dabei von der Form der beiden Chromosomen ab.

Jedes Gen innerhalb eines Chromosomenpaars bildet ein Paar, das als Allel bezeichnet wird und aus je einem Gen aus der mütterlichen Eizelle und der väterlichen Samenzelle besteht. Dies gilt jedoch nicht für das männliche 23. Chromosomenpaar, das aus einem X- und einem Y-Chromosom besteht.

Wie findet die Vererbung bestimmter Merkmale statt?

Gewöhnlich ist es die Interaktion verschiedener Genpaare, die die Weitergabe von Merkmalen bestimmt. Manchmal ist sie allerdings auch das Ergebnis eines einzelnen Genpaars. Gelegentlich unterdrückt oder maskiert der eine Genpartner den anderen. Er wird dann als dominant, der unterdrückte Partner als rezessiv bezeichnet.

Was ist der dominante Erbgang?

Bei einem dominanten Erbgang hat ein Kind eine Chance von 50 Prozent, ein bestimmtes Gen zu erben, da das Kind die Hälfte seiner Gene von der Mutter und die andere Hälfte vom Vater erbt. Ein dominantes Gen wird weitergegeben, wenn es im Genmaterial der Eizelle oder der Samenzelle enthalten ist. Dominante Merkmale sind z. B. Grübchen, Sommersprossen und Weitsichtigkeit.

Wie äußert sich der rezessive Erbgang?

Der rezessive Erbgang ist komplizierter als der dominante, da ein Mensch ein Paar mit zwei rezessiven Genen erben muss, damit das Merkmal oder die Krankheit erscheint. Wird nur eine Kopie weitergegeben, kommt das Gen nicht zur Ausprägung, da der Partner ja immer dominant ist. Der Mensch, der dieses Gen hat, ist jedoch ein Merkmalsträger und kann es unter Umständen an seine Nachkommen weitergeben. Tragen beide Elternteile dasselbe rezessive Gen, so liegt die Wahrscheinlichkeit bei 25 Prozent, dass die Nachkommenschaft das Merkmal erhält. Rezessive Merkmale sind z. B. blaue Augen und blonde Haare.

Wann ist ein Erbgang geschlechtsgebunden?

Wenn die Gene für die vererbten Merkmale auf den Geschlechtschromosomen weitergegeben werden. Da das Y-Chromosom kleiner ist, kann es weniger Gene als das X-Chromosom tragen. Ein ausschließlich auf dem X-Chromosom vorkommendes Gen wird als X-chromosomal, ein auf dem Y-Chromosom vorkommendes Gen als Y-chromosomal bezeichnet. Beispiele für den X-chromosomalen Erbgang sind die Rot-Grün-Blindheit und die Bluterkrankheit (Hämophilie). Behaarte Ohren sind ein Beispiel für einen Y-chromosomalen Erbgang und können nur vom Vater auf den Sohn weitergegeben werden. Wenn das fehlerhafte Gen auf dem X-Chromosom erscheint, ist die Frau zwar Trägerin, die Krankheit kommt jedoch nur bei Männern zum Ausbruch. Dies liegt daran, dass Frauen, die zwei X-Chromosomen haben, die Krankheit nur bekommen, wenn sie zwei fehlerhafte Gene erben, und zwar eines auf jedem X-Chromosom. Dem Mann, der nur ein X-Chromosom hat, fehlt das gesunde Gegenstück.

Wodurch wird das Geschlecht des Kindes bestimmt?

Durch die Geschlechtschromosomen, die bei der Befruchtung zusammenkommen. Die weibliche Eizelle enthält ein X-Chromosom, die männliche Samenzelle entweder ein X- oder ein Y-Chromosom. Wenn bei der Zeugung eine Samenzelle mit einem X-Chromosom die Eizelle befruchtet, besteht das 23. Chromosomenpaar aus zwei X-Chromosomen und das Geschlecht des Kindes wird somit weiblich sein. Wird das Ei jedoch von einer Samenzelle mit einem Y-Chromosom befruchtet, besteht das 23. Chromosomenpaar aus einem X- und einem Y-Chromosom und es wird sich ein Junge entwickeln.

Was bezeichnet der Arzt als …

Down-Syndrom? Der auch Trisomie 21 genannte Symptomenkomplex beruht auf einer »Chromosomenanomalie« (die Körperzellen enthalten ein überzähliges Chromosom 21) und geht mit einer geistigen Behinderung einher. Die betroffenen Kinder haben schräg geschnittene Augen, eine große Zunge, tief sitzende Ohren und oft einen Herzfehler. Auch Seh- und Hörstörungen gehören zu den häufigen Komplikationen.

Cheilognathoschisis? Bei der »Lippen-Kiefer-Spalte« liegt eine angeborene Fehlbildung im Bereich der oberen Mundlippe (so genannte Hasenscharte) und des Oberkiefers vor, bei der eine Spalte im Gesicht verblieben ist.

Spina bifida? Hier besteht eine angeborene »Spaltmissbildung der unteren Wirbelsäule«. Meist bleibt das Nervensystem intakt. Schwerere Formen führen zu einer Lähmung der Beine, Blasenentleerungsstörungen und Fußdeformitäten.

Hydrocephalus? Diese angeborene oder erworbene Erweiterung der Liquorräume im Gehirn wird auch »Wasserkopf« genannt. Eine vermehrte Liquorproduktion (z. B. durch entzündliche Prozesse) oder verminderte Liquorresorption (z. B. nach Hirnhautentzündungen) kann zu einer Drucksteigerung im Gehirn führen.

Erstes Schwangerschaftsdrittel: Zeit der Entwicklung

Was geschieht im ersten Schwangerschaftsdrittel?

Im ersten Trimenon, wie das erste Drittel der etwa 40 Wochen dauernden Schwangerschaft genannt wird, verwandelt sich eine einzige Zelle – die durch die Befruchtung entstandene Zygote – in einen Embryo. Der Embryo macht in diesen ersten zwölf Schwangerschaftswochen einen so riesigen Entwicklungssprung wie zu keiner anderen Zeit mehr in seinem weiteren Leben. Auch der Körper der werdenden Mutter durchläuft dramatische Veränderungen, da er sich vollständig auf die Erfordernisse der Schwangerschaft und des ungeborenen Kindes einstellt. Die Berechnung der Schwangerschaftsdauer beginnt ab der letzten Regelblutung, obwohl die Befruchtung tatsächlich zwei Wochen danach stattgefunden hat.

Wann wird der Embryo zum Fetus?

In einigen Ländern werden nur die ersten acht, in anderen Staaten – so auch in Deutschland – die ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft als Embryonalstadium bezeichnet. Die darauffolgenden Entwicklungsperioden der Leibesfrucht gehören dann zum Fetalstadium. Mit dem Ablauf des zweiten Monats sind alle wichtigen menschlichen Organe und Körpersysteme angelegt. Am Ende des dritten Monats trägt der Fetus menschliche Züge.

Was passiert in den ersten Wochen?

Etwa zwei Wochen nach der Befruchtung hat sich die Keimblase vollständig in der Gebärmutter eingenistet. Etwa in der vierten Schwangerschaftswoche setzt die Entwicklung der Keimblase zu dem mit bloßem Auge gerade erkennbaren Embryo ein. Die äußere Zellschicht, der Trophoblast, entwickelt sich zum Chorion, einer den Keim umgebenden Membran, die sich schließlich zum Mutterkuchen, der Plazenta umformt. Etwa zur selben Zeit bildet der innere Zellverband eine flache Scheibe aus, die Keimscheibe, aus der sich später der Embryo entwickelt.

In der fünften Schwangerschaftswoche bildet die Keimscheibe drei unterschiedliche Zellschichten, aus denen in den folgenden Wochen alle Körperorgane hervorgehen. Am Ende dieser Woche ist der Embryo zwei Millimeter lang. Er verfügt bereits über ein ausgeklügeltes System paarig angelegter Blutgefäße.

Wie sieht der Embryo in der sechsten Woche aus?

Zu Beginn dieses Zeitabschnitts ist der Embryo etwa fünf Millimeter lang, besitzt Kopf und Hals sowie primitiv ausgebildete Augen und Ohren. Das Herz schlägt und kann über Ultraschall sichtbar gemacht werden, der embryonale Kreislauf sowie Verdauungsorgane, Leber und Nieren entwickeln sich. In der siebten Woche bilden sich die Anlagen für Nasenlöcher, Lippen, Zunge, Zähne und Kiefer sowie die Arm- und Beinknospen.

Wie groß ist der Embryo in der achten Woche?

Der Embryo misst mittlerweile drei Zentimeter und wiegt etwa 2,7 Gramm. Er trägt nun erkennbar menschliche Züge. Sein Kopf ist etwa so groß wie sein Körper. Alle wichtigen Gehirnabschnitte sind vorhanden. Die Leber beginnt mit der Bildung von Blutzellen. Die Augen sind durch Pigmenteinlagerungen sichtbar, sind aber noch von einer Hautschicht überzogen, die sich später zu den Augenlidern entwickelt. Die Ohranlagen sind gebildet.

Arme und Beine sind vorhanden, Hände und Füße jedoch noch nicht ausdifferenziert. Finger und Zehen beginnen sich zu entwickeln. Auch Knie- und Ellenbogengelenke haben sich gebildet, so dass Arme und Beine angewinkelt werden können. Der Verknöcherungsprozess hat eingesetzt, die Muskeln beginnen mit spontanen Kontraktionen und werden dadurch immer kräftiger.

Was ereignet sich zwischen der neunten und zwölften Woche?

Alle wesentlichen Organe sind angelegt. Nun setzt das Längenwachstum des Körpers ein. Die Beine wachsen weiter und es kommt zur Trennung der bisher miteinander verschmolzenen Finger. Die Ohrmuschel entwickelt sich weiter, die Augen bleiben jedoch fest geschlossen. Oberhaut und Lederhaut sind erkennbar und das Knochenmark hat mit der Produktion von Blutzellen begonnen. Der Gaumen schließt sich und in den inneren Organen kommt es zur Ausbildung der glatten Muskulatur. Die Geschlechtsorgane bilden sich. Das Herz pumpt das Blut durch das Kreislaufsystem und durch die Nabelschnur zur Plazenta. Der Fetus ist jetzt bis zu neun Zentimeter lang und wiegt etwa 30 Gramm.

Wie bildet sich die Plazenta aus?

Sobald es zur Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut kommt, bilden sich aus Blutgefäßen im Chorion, der die Keimzelle umgebenden Membran, so genannten Chorionzotten. Diese werden von mütterlichem Blut aus Blutgefäßen der tiefsten Schicht der Gebärmutterschleimhaut umspült. Mütterlicher und kindlicher Kreislauf sind zwar immer getrennt, dennoch können Nährstoffe und Sauerstoff aus dem mütterlichen Organismus und Abfallprodukte aus dem kindlichen Organismus die Plazentaschranke überwinden. Die Passage des Bluts führt dabei über die Nabelschnur, deren eine Vene das nährstoffreiche Blut von der Mutter zum Fetus und deren zwei Arterien das nähr- und sauerstoffarme Blut des Fetus zur Mutter bringen.

Welche zusätzlichen Aufgaben übernimmt die Plazenta?

Sie dient auch als Nährstoffspeicher für Proteine, Eisen und Kalzium und gibt diese Stoffe bei Bedarf an den Fetus ab. Die Plazenta schützt das Ungeborene auch vor Mikroorganismen. Einige Viren jedoch, beispielsweise die Erreger von Windpocken oder Röteln, können mit dem mütterlichen Blut die Plazentaschranke überwinden und das Ungeborene schädigen. Ebenso wenig bietet die Plazenta Schutz vor bestimmten Drogen wie Alkohol und Nikotin, die auf den fetalen Kreislauf übergehen und die Entwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen können.

Wie stellt sich der Körper der Schwangeren um?

In dieser frühen Phase der Schwangerschaft wird der weibliche Körper auf die Versorgung des ungeborenen Kindes und die bevorstehende Geburt eingestimmt. Die Veränderungen betreffen fast alle Körpersysteme.

Aufgrund der allgemeinen Stoffwechselbeschleunigung wachsen auch Haare und Nägel schneller. Das von der Plazenta ausgeschüttete Hormon Relaxin führt zu einer Erweichung und Dehnung der Bänder, das Becken kann sich ausdehnen und wird beweglicher.

Auch die willkürliche Muskulatur dehnt sich aus. Gleichzeitig verringert sich der Muskeltonus der glatten Muskulatur im Magen-Darm-Trakt, in der Gebärmutter und den Harnleitern unter der Wirkung von Progesteron, das durch die Plazenta ausgeschüttet wird.

Die Erhöhung des Blutvolumens führt zu einer Verbesserung des Blutflusses durch Gebärmutter und Plazenta, aber auch durch Nieren und Lungen.

Wie entwickelt sich die Gebärmutter?

Im Lauf des ersten Trimenons vergrößert sich die ursprünglich faustgroße Gebärmutter allmählich in die Beckenhöhle hinein und verändert ihre ursprünglich birnenähnliche Form zu der einer Kugel. Die Gebärmutterschleimhaut wird dicker. Durch die vermehrte Blutzufuhr und die Wirkung des Östrogens erweitert sich der Gebärmutterhals und wird geschmeidiger. In der 13. Woche ragt die Gebärmutter über den Beckeneingang hinaus und kann am oberen Rand der Schambeinfuge ertastet werden.

Wie verändern sich die Brüste?

Durch die erhöhte Blutzufuhr vergrößern sich die Brüste und werden berührungsempfindlich. Ihre Struktur wird ungleichmäßig und oberflächliche Venen treten stärker hervor. Zwischen der zehnten und zwölften Schwangerschaftswoche erweitern sich die Öffnungen der Talgdrüsen der Warzenhöfe (Montgomery-Drüsen). Ihre Talgabsonderungen machen die Brustwarzen geschmeidig. Außerdem wird das Fettgewebe der Brüste kontinuierlich durch ein System von Milchgängen ersetzt.

Warum beschleunigen sich die Stoffwechselprozesse?

Die Beschleunigung sämtlicher Stoffwechselvorgänge dient der optimalen Versorgung von kindlichem und mütterlichem Gewebe während der ganzen Schwangerschaft. Der erhöhte Stoffwechsel bewirkt in der Frühschwangerschaft einen kontinuierlichen Anstieg des Körpergewichts um durchschnittlich zwei bis drei Kilogramm im ersten Trimenon. Ab den ersten Wochen der Schwangerschaft bildet die Plazenta das Hormon HCS (Humanchorionsomatotropin). Zusammen mit Östrogen und Progesteron stimuliert HCS Wachstum und Entwicklung der Brustdrüsen. HCT (Humanchorionthyreotropin), ein weiteres in der Plazenta gebildetes Hormon, erhöht den Energieumsatz um etwa 20 bis 25 Prozent. Aus diesem Grund schwitzen Schwangere stärker als normal. Die vermehrte Konzentration des Parathormons aus den Nebenschilddrüsen erhöht auch die Blutkonzentration von Vitamin D und Kalzium, so dass beide Substanzen zur Knochenbildung des Fetus zur Verfügung stehen.

Wussten Sie, dass …

der Mensch größer wäre als der höchste Berg der Erde, würde er nach der Geburt in der Geschwindigkeit weiterwachsen wie im Mutterleib?

zu Beginn der embryonalen Entwicklung die Arme länger sind als die Beine? Dazu passt, dass wir erst greifen und dann laufen lernen.

mehr als die Hälfte der in der Gebärmutterschleimhaut eingenisteten Keimblasen nicht zu einer Schwangerschaft führen? Meist sind Chromosomenanomalien die Ursache, dass sie zugrunde gehen.

Warum bleibt die Regelblutung aus?

Nach der Einnistung der befruchteten Eizelle verändert sich die Gebärmutterschleimhaut und entwickelt sich unter der Wirkung der jetzt aktiven Hormone zur idealen Umgebung für den Embryo. Die Menstruation wird unterdrückt. Zu Beginn der Schwangerschaft leiden manche Frauen an leichten Unterleibsschmerzen oder an Symptomen, die denen des prämenstruellen Syndroms ähneln. Manchmal kommt es trotz bestehender Schwangerschaft in den ersten zwei bis drei Monaten weiterhin zu periodenähnlichen Blutungen. Sie werden durch die ungenügende Ausschüttung von Progesteron ausgelöst, dessen Konzentration für die vollständige Unterbrechung des Menstruationszyklus noch nicht ausreicht. Die Blutungen sind jedoch schwächer und kürzer als die normale Menstruation.

Worauf sind Schwangerschaftsbeschwerden zurückzuführen?

Müdigkeit, Schwindel und Erschöpfung resultieren aus Veränderungen des Hormonstatus und aus dem niedrigen Blutdruck in den ersten Schwangerschaftsmonaten. Die Müdigkeit lässt normalerweise im zweiten Trimenon nach, kann aber im letzten Schwangerschaftsdrittel wieder verstärkt auftreten.

Auch Übelkeit und Erbrechen, Ekelgefühle bei bestimmten Gerüchen und Nahrungsmitteln haben ihre Ursache in den hormonellen Veränderungen. Bis zu 50 Prozent aller Schwangeren leiden im ersten Drittel der Schwangerschaft an diesen unangenehmen Begleiterscheinungen. Dabei kann die Übelkeit auch mit Völlegefühl einhergehen und durch bestimmte Gerüche noch verstärkt werden. Auch wenn man oft von »Morgenübelkeit« spricht, ist diese keinesfalls auf die Zeit nach dem Aufstehen beschränkt, sondern kann während des ganzen Tages auftreten. Erbrechen kommt häufiger bei Mehrlingsschwangerschaften vor. Die Symptome klingen nach der zwölften Woche jedoch meist ab; nur in seltenen Fällen halten sie während der gesamten Schwangerschaft an.

Wodurch kommt es zum häufigeren Harndrang?

Der verstärkte Drang zur Blasenentleerung wird wahrscheinlich durch den Druck der wachsenden Gebärmutter auf die Blase sowie durch die verstärkte Blasendurchblutung verursacht. Im Lauf des vierten Schwangerschaftsmonats lässt die Häufigkeit des Harndrangs etwas nach, kann sich aber in der Spätschwangerschaft wieder verstärken, wenn der Kopf des Kindes vor der Geburt auf die Blase drückt.

Wie verändert sich die Haut?

Die erhöhte Ausschüttung von MSH (Melanozyten-stimulierendes-Hormon) durch die Hirnanhangsdrüse beeinflusst die Hautpigmentierung. Dadurch werden bestehende Muttermale und Sommersprossen dunkler. In der zehnten bis zwölften Woche verändern Brustwarzen und Warzenhöfe ihre Farbe von rosa zu braun. Talg- und Schweißdrüsen erhöhen ebenfalls ihre Aktivität; eine latente oder bestehende Akne kann sich verschlimmern.

Wie vermeiden Sie Risiken für das ungeborene Kind?

Kaum eine Frau lebt in einer perfekt an die Bedürfnisse des Ungeborenen angepassten Umgebung. Aber mit der Befolgung einiger Vorsichtsmaßnahmen können die bestehenden Risiken reduziert werden.

  • Vermeiden Sie während der Schwangerschaft jeden Kontakt mit gefährlichen Substanzen sowie mit Tieren; ebenso körperliche Anstrengungen wie schweres Heben oder Klettern.
  • Besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel sollten beim Baden zu hohe Wassertemperaturen vermieden werden.
  • Ernähren Sie sich gesund. Verzichten Sie auf Pasteten, nicht pasteurisierte Milchprodukte, nicht durchgegartes Fleisch sowie auf rohen Fisch und rohe Eier.
  • Freiverkäufliche Arzneimittel, einschließlich Schmerzmittel, Antazida (Magensäure bindende Medikamente), Antihistaminika (antiallergisch wirkende Mittel) und Antitussiva (Hustenmittel) sollten nur bei strenger Indikationsstellung und in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.
  • Informieren Sie Ihren Arzt, Zahnarzt sowie Röntgenologen über die Schwangerschaft, damit Sie nur im äußersten Notfall und unter Verwendung einer geringeren Strahlendosis geröntgt werden.
  • Vermeiden Sie besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel Kontakte mit Menschen, die an fiebrigen oder infektiösen Erkrankungen leiden. Vermeiden Sie den Aufenthalt in einer Umgebung, in der viel geraucht wird.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff …

Tubargravidität? Bei der »Eileiterschwangerschaft« findet die Einnistung der befruchteten Eizelle im Eileiter statt; in den ersten vier Wochen treten dann periodisch einseitige Unterbauchschmerzen auf. Es kommt bei zunehmendem Wachstum zu gefährlichen Komplikationen: Entweder wird die Frucht in die freie Bauchhöhle ausgestoßen oder es kommt zu einem Riss des Eileiters mit heftigen Schmerzen und starken, z. T. lebensbedrohlichen Blutungen.

Gestose? Dies ist eine hormonell bedingte Erkrankung, die bei etwa zehn Prozent aller Schwangerschaften auftritt. Sie äußert sich im ersten Drittel der Schwangerschaft mit verstärktem Erbrechen oder später als so genannte Spätgestose mit Wassereinlagerungen, Eiweiß im Urin, Bluthochdruck und Gerinnungsstörungen. Treten zusätzlich Krämpfe auf, spricht man von Eklampsie.

Rötelnembryopathie? Aufgrund einer Infektion des ungeborenen Kindes mit dem Rötelnvirus während der ersten drei Schwangerschaftsmonate können schwere Missbildungen entstehen. Bei Infektion im ersten Schwangerschaftsmonat sterben 60 Prozent der Embryonen ab. Hat die Mutter schon vor der Schwangerschaft Röteln durchgemacht bzw. ist sie gegen Röteln geimpft, ist diese Gefahr ausgeschlossen.

Zweites Schwangerschaftsdrittel: Zeit des Wachstums

Welchen Zeitraum umfasst das zweite Schwangerschaftsdrittel?

Das zweite Drittel der Schwangerschaft reicht vom Ende der 13. Woche bis zur 28. Woche. In dieser Zeit wächst der Fetus am stärksten, sämtliche Organe und Körpersysteme bilden sich vollständig aus und reifen heran. Die Plazenta nimmt die Aufgaben einer endokrinen Drüse wahr und bildet die Hormone HCG (Humanchoriongonadotropin), Östrogen und Progesteron, welche die Schwangerschaft aufrechterhalten. Die Schwangere fühlt sich in dieser Zeit meist am wohlsten, da die Frühsymptome der Schwangerschaft wie Übelkeit und Erbrechen langsam nachlassen und die werdende Mutter große Energien mobilisiert.

Wie zeigt sich der Fetus in der 14. Woche?

Der Fetus ist nun voll ausgebildet und schwebt in der Fruchtblase, die etwa 100 Milliliter Fruchtwasser enthält. Sein Gesicht ist entwickelt und zeigt mit hoher Stirn, Stupsnase und ausgeprägtem Kinn ein charakteristisches Babyprofil. Er kann bereits die Lippen bewegen, die Stirn runzeln und den Kopf wenden. Er bewegt die Muskeln, die nach der Geburt zum Atmen und Schlucken benötigt werden. Alle inneren Organe sind vorhanden; Lunge, Leber, Nieren und Darm müssen jedoch noch weiterwachsen und reifen. Die Bewegungen des Fetus werden kräftiger und koordinierter, können aber von der Schwangeren noch nicht wahrgenommen werden. Der Fetus ist jetzt etwa zwölf Zentimeter lang und wiegt ca. 110 Gramm.

Was geschieht bis zur 16. Woche?

Der Fetus wächst weiterhin sehr schnell. In der 16. Woche hat sich das Volumen des Fruchtwassers auf etwa 180 Milliliter erhöht. Es entwickeln sich Finger- und Zehennägel; Augen, Ohren und Nase sind gut ausgebildet. Der nun einsetzende Verknöcherungsprozess beginnt an den drei winzigen Knöchelchen im Mittelohr, so dass der Fetus auch hören kann. Die Hörzentren im Gehirn, wo die Töne verarbeitet werden, haben sich jedoch noch nicht entwickelt. Auch die Fortpflanzungsorgane bilden sich weiter heran und auf dem Ultraschallbild kann bei Jungen der Penis schon deutlich wahrgenommen werden.

Wie beweglich ist der Fetus in der 17. Woche?

Es sind alle Gelenke beweglich und der Fetus ist zu komplexeren Bewegungen fähig. Das Ungeborene kann greifen, am Daumen lutschen, mit den Augenlidern zucken und Grimassen schneiden. Die Schwangere fühlt nun langsam die kindlichen Bewegungen. Beim Kind stellt sich der Atemreflex ein und beim Ein- oder Ausatmen von Fruchtwasser bewegen sich die Brustmuskeln ähnlich wie bei der Atmung. Im Darm sammelt sich langsam das so genannte Kindspech (Mekonium) an. Diese Masse ähnelt dem Stuhl und wird vom Organismus des Fetus gebildet. Auf der Zunge entwickeln sich die Geschmacksknospen. Am Ende der 18. Woche misst das Ungeborene ca. 18,5 Zentimeter und wiegt etwa 170 Gramm.

Welche Entwicklungen finden bis zur 22. Woche statt?

Der Fetus wächst weiter und nimmt die klassische fetale Position ein, da der Raum in der Gebärmutter immer knapper wird. Die Gliedmaßen haben nun fast ihre endgültigen Proportionen erreicht. Der Fetus ist mit Wimpern und Augenbrauen ausgestattet und etwa in der 20. Woche beginnt das Wachstum des Kopfhaars. In der Zahnleiste entwickeln sich die Anlagen für das bleibende Gebiss unter den Anlagen für die Milchzähne. Die Muskeln nehmen an Stärke zu und jetzt können Erstgebärende auch erstmalig die Kindsbewegungen wahrnehmen.

Um die 21. Woche herum verliert die fetale Haut ihre Durchsichtigkeit. Die Talgdrüsen in der Haut bilden fettige Absonderungen, die größtenteils aus Talg und Hautzellen bestehen. Diese Absonderungen werden als Frucht- oder Käseschmiere (Vernix caseosa) bezeichnet und schützen die Haut des ungeborenen Kindes vor Beschädigungen. Der größte Teil dieser Käseschmiere ist bis zur Geburt verschwunden, der Rest erleichtert das Herausgleiten aus dem Geburtskanal. Das Hörvermögen ist nun voll ausgebildet, die Augenlider sind jedoch noch fest geschlossen. Jetzt ist der Fetus durchschnittlich 25 Zentimeter lang und etwa 350 Gramm schwer.

Wie entwickelt sich der Fetus bis zur 27. Woche?

Der Fetus ist immer noch sehr dünn, beginnt jetzt aber in Vorbereitung auf die Geburt mit der Einlagerung von Fettdepots. Seine Bewegungen werden kräftiger und erfolgen meistens als Reaktion auf Berührung oder Geräusche. Auf plötzlichen Lärm reagiert er oft mit Zusammenzucken und heftigen Tritten. Er bekommt Schluckauf, der von der Mutter deutlich wahrgenommen werden kann. Auf Handflächen und Fingerspitzen erscheinen feine Linien.

Etwa in der 24. Woche trennen sich Ober- und Unterlid und das Ungeborene kann die Augen öffnen. Die Zellen der Hirnrinde, die für das bewusste Denken zuständig sind, reifen langsam heran. Es bildet sich ein deutlicher Schlaf-Wach-Rhythmus aus. Mit den Bronchien entwickeln sich langsam die größeren Atemwege, die Lunge ist aber erst bei der Geburt vollständig ausgereift. Der Fetus misst am Ende dieses Trimenons durchschnittlich 27 Zentimeter und wiegt 800 Gramm.

Wie groß ist nun der Bauch?

Bis zum Ende dieses Schwangerschaftsdrittels hat sich die Größe der Gebärmutter bis auf die Mitte zwischen Nabel und Brustkorb ausgedehnt. Mit dem Wachsen der Gebärmutter wird die Schwangerschaft nun nach außen sichtbar und die Frau beginnt, sich auch seelisch auf das neue Leben einzustellen.

Was beobachtet die Schwangere an ihrer Haut?

Alle Hautstellen, die normalerweise bereits eine etwas intensivere Pigmentierung aufweisen, werden in der Schwangerschaft noch etwas dunkler. Vulva, Brustwarzen und Warzenhof sowie die Linea fusca, die vom Nabel auf der Körpermittellinie direkt nach unten zum Schambein verläuft, sind deutlicher pigmentiert. Zusätzlich kann auf der Stirn und den oberen Wangen ein schmetterlingsförmiger Pigmentfleck erscheinen, der als Chloasma oder Schwangerschaftsmaske bezeichnet wird. Er wird durch die erhöhte Melaninproduktion verursacht und verschwindet nach der Geburt. Sonnenlicht kann die Hyperpigmentierung noch verstärken.

Viele Frauen spüren eine deutliche Verbesserung des Hautzustands. Aufgrund der stärkeren Durchblutung sieht die Haut rosiger aus und fühlt sich wärmer an. Manchmal kommt es aus nicht erkennbarem Grund zu Juckreiz.

Woher kommen die Schwangerschaftsstreifen?

Durch die im zweiten Trimenon wachsende Gebärmutter wird die Haut am Unterleib stark gedehnt. So entstehen die so genannten Schwangerschaftsstreifen (Striae gravidarum): unregelmäßige, bläulich-rosa bis purpurfarbene Linien in der Haut. Außerdem verursacht die hohe Konzentration an Schwangerschaftshormonen einen Eiweißabbau in der Haut und trägt zusätzlich zur Bildung der Streifen auch an der Außenseite der Oberschenkel und an den Brüsten bei.

Gegen Schwangerschaftsstreifen gibt es kein eigentlich wirksames Mittel. Prophylaktisch können Hautmassagen z. B. mit Johanniskrautöl durchgeführt und besondere Hautcremes angewendet werden. Die Schwangerschaftsstreifen verblassen jedoch allmählich nach der Schwangerschaft. Obwohl sie nie mehr ganz verschwinden, sind sie in den meisten Fällen später kaum noch sichtbar.

Wie stellt sich das mütterliche Herz auf den Fetus ein?

Es erhöht seine Leistung. Die Plazenta, die ab der zwölften Woche die Ernährung des Fetus übernimmt, bezieht die dazu notwendigen Nährstoffe sowie den Sauerstoff aus dem mütterlichen Blut. Als Reaktion auf die wachsenden Bedürfnisse der mütterlichen und kindlichen Organe vergrößert sich das Herz der Mutter und erhöht seine Pumpleistung. In der 15. Woche hat sich die Herzleistung um 20 Prozent gesteigert. In der 20. Woche hat sich das Volumen des durch den Körper gepumpten Bluts von ungefähr 5,25 Litern pro Minute vor der Schwangerschaft auf etwa 6 Liter pro Minute erhöht. Das erhöhte Blutvolumen fließt durch alle mütterlichen Blutgefäße und ist der Grund dafür, dass Schwangere zu Nasenbluten neigen.

Wie passt sich das Blut an?

Die Vergrößerung des Blutvolumens führt auch zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Bluts. Der Plasmaanteil erhöht sich um 50 Prozent. Unter dem Einfluss des Hormons Erythropoetin steigt der Anteil der roten Blutkörperchen um 25 Prozent. Als Ergebnis des stark erhöhten Plasmaanteils verdünnt sich die Hämoglobinkonzentration um etwa 20 Prozent. Die Gerinnungsfähigkeit des Bluts verbessert sich als Folge der erhöhten Bildung von Gerinnungsfaktoren und Blutplättchen. Auf diese Weise wappnet sich der Körper gegen einen eventuell zu starken Blutverlust unter der Geburt.

Wussten Sie, dass …

trotz der munteren Bewegungen des Ungeborenen die Nabelschnur keine Schleifen oder Knoten bilden kann? Der kräftige Blutstrom in den Nabelgefäßen verstärkt und stützt die Nabelschnurwand.

das Kind bereits in seiner Fruchthöhle Saugübungen macht? Sobald dessen Daumen in die Nähe des Mundes gerät, beginnen Lippen und Zunge mit den typischen Saugbewegungen.

ein Kind heutzutage überlebensfähig ist, wenn es bereits in der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt? Es muss allerdings mit großer Sorgfalt betreut werden, da vor allem das Atemsystem und die Wärmeregulation noch nicht voll ausgebildet sind.

Bis wohin dehnt sich die Gebärmutter aus?

Zu Beginn des zweiten Trimenons hat sich die Gebärmutter bis in die Bauchhöhle ausgedehnt und ihre obere Begrenzung, der Fundus, ist oberhalb des Beckenrands tastbar. Zur groben Größenbestimmung der Gebärmutter werden die quer auf den Bauch gelegten Finger zu Hilfe genommen. In der 16. Woche befindet sich die Gebärmutter etwa zwei Querfinger oberhalb der Schambeinfuge (Symphyse), in der 20. Woche zwei bis drei Querfinger unterhalb des Bauchnabels und in der 24. Woche etwa in Nabelhöhe. Bis zum Ende des zweiten Trimenons steht der Gebärmutterfundus etwa zwischen Nabel und Rippenbogen.

Wie verändert sich die Gebärmutter?

Während die Gebärmutter expandiert, um dem wachsenden Fetus Platz zu bieten, dehnt sich auch die Gebärmutterwand und wird dabei dünner. Zu Beginn kugelförmig, ähnelt der Uterus jetzt mehr einem Ei. Seine oberen zwei Drittel bestehen aus Muskelgewebe, im unteren Drittel, nach unten durch die Uterusenge (Isthmus) begrenzt, wird der Muskelanteil nach und nach durch kräftiges Bindegewebe ersetzt. Damit der Fetus mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden kann und damit Kohlendioxid und Abfallprodukte zurück in den mütterlichen Kreislauf geleitet werden können, ist die Blutzufuhr zur Gebärmutter stark erhöht. Die im ersten Trimenon einsetzenden Schwangerschaftswehen setzen sich auch im zweiten Trimenon unregelmäßig fort und können von der Schwangeren ab der 23. Woche als schmerzlose Kontraktionen oder Verhärtung wahrgenommen werden.

Wann kann die Schwangere die Bewegungen des Kindes spüren?

Irgendwann zwischen der 16. und 20. Woche, wenn die wachsende Gebärmutter in Kontakt mit der Bauchdecke kommt, spürt die Schwangere das in ihr entstehende Leben. Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft werden die Kindsbewegungen dann stärker. Der Fetus entwickelt Muskelkraft und die Gebärmutter wird für das wachsende Kind immer enger.

Wie bereiten sich die Brüste auf die kommenden Aufgaben vor?

Ab der 16. Woche beginnen die Brustdrüsen mit der Bildung und Sekretion einer farblosen Flüssigkeit, der Kolostralmilch. Dieses Sekret ist die erste Nahrung des Neugeborenen nach der Geburt und enthält zahlreiche mütterliche Antikörper. Außerdem ist sie äußerst gehaltvoll und perfekt auf die Bedürfnisse des Kindes in den ersten Lebenstagen eingestellt.

Welche Beschwerden können auftreten?

Geringfügige gesundheitliche Probleme im zweiten Trimenon sind oft auf die Wirkung der Schwangerschaftshormone und die Veränderungen in den Organen und Geweben zurückzuführen. Schwangerschaftsbeschwerden wie Rückenschmerzen und Kurzatmigkeit sind meist harmlos.

Rückenschmerzen: Aufgrund des starken Gebärmutterwachstums im zweiten Trimenon kann es bei der Schwangeren zu Rückenschmerzen kommen. Die Schmerzen sind eine Folge der Verlagerung des mütterlichen Schwerpunkts und des gleichzeitigen Erschlaffens und Nachgebens der Bänder und Gelenke unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone. Dadurch ändert sich auch die Form der Wirbelsäule. Zum Ausgleich der Schwerpunktsverlagerung neigen die meisten Schwangeren dazu, sich nach hinten zu lehnen. Dies belastet beim Stehen und Gehen die Muskeln und Bänder im Lendenwirbelbereich und führt zu Rückenschmerzen. Daher ist eine korrekte Körperhaltung besonders wichtig.

Kurzatmigkeit: Im Lauf der Schwangerschaft steigt der Sauerstoffbedarf um rund 20 Prozent. Dadurch erhöht sich auch die Atemfrequenz. Kurzatmigkeit tritt oft zwischen der 16. und 20. Woche auf, wenn die Schwangere sich noch nicht an die höhere Atemfrequenz gewöhnt hat.

Krämpfe: Krämpfe in Oberschenkel, Wade oder Fuß setzen oft gegen Ende des zweiten Trimenons ein. Die Ursachen sind noch nicht vollständig bekannt, vermutet wird aber ein Mangel an Vitamin B, Kalzium und Salzen. Nächtliche Krämpfe können die Folge schlecht durchbluteter Beine sein, da die Gebärmutter oft auf die Blutgefäße drückt.

Krampfadern: Krampfadern sind verformte, erweiterte Venen, die sich in der Schwangerschaft entwickeln oder, wenn schon vorhanden, vergrößern können. Sie sind das Ergebnis von Flüssigkeitsansammlungen, erhöhtem Venendruck und Gewichtszunahme.

Welche Störungen oder Beschwerden müssen ärztlich abgeklärt werden?

Einige Symptome können Hinweise auf ernstere gesundheitliche Störungen geben. Konsultieren Sie auf jeden Fall Ihre Ärztin bei:

Starkem Erbrechen über die 13. Woche hinaus

Vaginalblutungen oder Austritt von klarer Flüssigkeit sowie eitrigem, hautreizendem oder übel riechendem Ausfluss

Stürzen oder Verletzungen, besonders bei Stößen und Schlägen auf den Bauchbereich

Schwellungen an Füßen, Fingern, Knöcheln oder im Gesicht

Außergewöhnlicher Kurzatmigkeit

Starkem Schwindel oder Kopfschmerzen

Bauchkrämpfen

Fieber

Symptomen, die auf eine Harnwegsinfektion hinweisen, z. B. Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.

Drittes Schwangerschaftsdrittel: Zeit der Reifung

Über welchen Zeitraum geht das dritte Schwangerschaftsdrittel?

Das letzte Drittel der Schwangerschaft reicht von der 28. Woche bis zum Ende der Schwangerschaft – normalerweise in der 40. Woche – und findet seinen Höhepunkt mit der Geburt des Kindes. Für die Mutter ist die Spätschwangerschaft der körperlich anstrengendste Zeitabschnitt, da der Fetus bis zur Geburtsgröße heranwächst und sich in die für die Geburt günstigste Position manövriert.

Was geschieht beim Fetus zwischen der 28. und der 31. Woche?

Am Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Trimenons füllt der Fetus fast die gesamte Gebärmutter aus. Er hat mittlerweile die typische zusammengerollte fetale Stellung eingenommen. Die Größe des Kopfes steht nun praktisch in der richtigen Proportion zum übrigen Körper. Die Lunge ist fast ausgereift. Der Fetus bewegt sich häufig, Atem- und Schluckfunktion sind gut ausgeprägt. Die Fruchtblase enthält etwa 750 Milliliter Fruchtwasser. In der 28. Woche misst das Ungeborene durchschnittlich 30 Zentimeter und wiegt 1500 Gramm. Diese Maße erhöhen sich bis zur 31. Woche auf durchschnittlich 33 Zentimeter und bis zu 2275 Gramm.

Welche Veränderungen sind im neunten Monat zu erwarten?

Der Fetus ist vollständig ausgebildet, wenn auch noch etwas mager. Er dreht sich, so dass er mit dem Kopf nach unten in der geburtsbereiten Position liegt. Er kann zwischen Helligkeit und Dunkelheit unterscheiden und hat einen deutlichen Schlaf-Wach-Zyklus.

Die Proportionen der Gliedmaßen zum Rumpf entsprechen praktisch denen bei der Geburt. Es sind weiche Finger- und Zehennägel gewachsen, die mit den Fingerkuppen abschließen. Beim männlichen Fetus wandern die Hoden von der Leistengegend in den Hodensack.

Ab der 32. Woche werden die Bewegungen des Kindes außergewöhnlich kräftig und können für die Mutter ziemlich unangenehm sein. In der Gebärmutter herrscht nun zusehends Platzmangel, der die Bewegungsfreiheit des Fetus noch weiter einschränkt.

In der 34. Woche ist der Reifeprozess der Lunge so weit fortgeschritten, dass die Lungenbläschen durch den Stoff Surfactant vor dem Zusammenfallen bewahrt und beim Einsetzen der Atemtätigkeit unterstützt werden. In diesem Zeitabschnitt nimmt der Fetus rasch an Gewicht zu, und zwar durchschnittlich etwa 200 Gramm pro Woche.

Wofür benötigt das Ungeborene Fettpolster?

Die im dritten Trimenon stattfindende vermehrte Einlagerung von Fett ins Unterhautgewebe dient zum einen als Schutz beim Geburtsvorgang; zum anderen gewährleisten die Fettpolster, dass nach der Geburt Energie bereitgestellt werden kann und der kindliche Körper bei der Wärmeregulation unterstützt wird. Die Haut des Fetus wird durch die Fetteinlagerungen fülliger und rosig und verliert ihr faltiges Aussehen. Bis zur Geburt lagert sich hauptsächlich im Bereich des Schultergürtels noch mehr Fett ein.

Wie verläuft der Endspurt bis zur Geburt?

In den letzten Wochen der Schwangerschaft sind sämtliche fetalen Organe praktisch vollständig ausgereift. Der Fetus ist wohlgeformt. Der Raum in der Gebärmutter wird jedoch immer enger und behindert die Drehung des Kindes. Bei einer Erstgebärenden senkt sich jetzt der Kopf des Kindes in das mütterliche kleine Becken, bei Mehrgebärenden geschieht dies meist erst kurz vor der Geburt.

Während der letzten zwei Wochen bewegt sich das Kind weniger und nimmt nur noch etwa 100 Gramm pro Woche zu. Die Plazenta stellt ihr Wachstum ein, bleibt aber noch funktionstüchtig.

Etwa in der 38. Woche verschwindet langsam die Lanugobehaarung des Körpers, Reste können noch auf den Schultern oder in den Körperfalten verbleiben. Der Körper des Kindes ist jedoch immer noch von der Käseschmiere bedeckt. Brustkorb und Gliedmaßen sind kräftig entwickelt und der Fetus ist nun bereit für die Geburt. In seinem Darm hat sich das Kindspech (Mekonium) angesammelt, das nach der Geburt ausgeschieden wird.

Was ist der Unterschied zwischen Fetusstellung und Kindslage?

Als Fetusstellung bezeichnet man die typische Körperhaltung des Fetus im Mutterleib mit eingedrehtem Kopf, dem auf der Brust ruhenden Kinn, gekreuzten Armen und angewinkelten Beinen. Die Ausrichtung des Kindes in der Gebärmutter gegen Ende der Schwangerschaft – die geburtsbereite Position also – wird als Kindslage bezeichnet.

Welche Lage bevorzugt das Ungeborene?

98 Prozent der Kinder liegen in Längslage, d. h., die Wirbelsäule des Kindes verläuft nahezu parallel zur Wirbelsäule der Mutter. Zu dieser Form gehören die Schädel- und die Beckenendlage. Sehr selten sind Querlage und Schräglage. Zu diesen Anomalien kommt es eher bei einer Mehrgebärenden, bei der die geschwächten Bauchmuskeln das Kind nicht in der richtigen Position halten können.

Wie kommt das Kind in die Schädellage?

In den meisten Fällen dreht sich der Fetus von selbst in die Schädellage. Bei Erstgebärenden geschieht dies etwa in der 32., bei Mehrgebärenden in der 34. Woche. Die ideale Lage für eine natürliche, normal verlaufende Geburt ist ein nach unten zeigender Kopf, ein gegen die Brust gedrücktes Kinn und ein gegen die mütterliche Bauchdecke gepresster Rücken des Kindes. In dieser Lage muss der Fetus bei der Drehung im Geburtskanal eine geringere Entfernung zurücklegen und der schmalste Teil des Kopfes tritt als erster in den Geburtskanal ein. Diese Lage wird als vordere Hinterhauptslage bezeichnet.

Etwas weniger häufig ist die hintere Hinterhauptslage, wobei der Kopf zwar auch nach unten, der Rücken des Kindes jedoch in Richtung mütterlicher Wirbelsäule zeigt. Der Fetus kann sich so nicht vollständig beugen. Diese Lage kann zu einem verlängerten zweiten Geburtsstadium führen, da das Kind bei der Drehung eine weitere Entfernung im Geburtskanal zurückzulegen hat.

Welche Maßnahme erfordert eine Beckenendlage?

Befindet sich der Fetus in der 37. Woche noch in der Beckenendlage – hier zeigt nicht der Schädel, sondern das Gesäß des Kindes nach unten –, so wird der Geburtshelfer, besonders bei einer Erstgebärenden, wohl eine Entbindung durch Kaiserschnitt vorschlagen. Der Kopf, normalerweise der bei der Geburt führende Körperteil, ist der größte Körperteil des Fetus. Sind Hüften und Körper geboren, der Kopf jedoch nicht, kann es beim Kind durch Abdrücken der Nabelschnur und Sauerstoffmangel im Gehirn zu einer Hirnschädigung kommen.

Was geschieht bei der Schwangeren im dritten Trimenon?

Die Spätschwangerschaft ist meistens körperlich sehr anstrengend. Die Gewichtszunahme bis zur Geburt beträgt 11 bis 13 Kilogramm. Die Hyperpigmentierungen der Haut sind in diesem Stadium meist besonders auffällig. Der Fetus nimmt nun praktisch den ganzen vorhandenen Raum in der Gebärmutter ein und drückt dabei auf andere Organe. Der bloße Umfang der Gebärmutter macht es für die Schwangere schwer, eine bequeme Position einzunehmen.

Welche Veränderungen zeigt die Haut?

Die Pigmentveränderungen sind jetzt besonders sichtbar. Die Linea fusca, die sich vom Nabel nach unten zieht, markiert die Teilung der Bauchmuskeln, die nun gedehnt werden, um der wachsenden Gebärmutter Platz zu bieten. Die Hyperpigmentierung bildet sich nach der Geburt zurück, obwohl dies bei Frauen mit dunkler Hautfarbe einige Wochen bis Monate dauern kann.

Welche Größe erreicht die Gebärmutter?

Die Gebärmutter dehnt sich weiter in die Bauchhöhle aus, bis der Gebärmutterfundus das untere Ende des Brustbeins erreicht hat. Dies ist etwa in der 36. Woche der Fall. Die Gebärmutter nimmt nun fast die gesamte Bauchhöhle ein. Die komprimierten Bauchorgane drücken auf das Zwerchfell, die kräftige Muskelplatte, die die Bauchhöhle gegen den Brustkorb abschließt. Dies wiederum führt dazu, dass sich der Abstand zwischen den Rippen weitet und der Brustkorb sich ausdehnen kann. Etwa ab der 36. Woche drückt die Gebärmutter auf die hinter ihr verlaufenden großen Blutgefäße. Die Blutzufuhr zum Herzen wird so besonders im Liegen verlangsamt.

Wenn sich der Kopf des Fetus in Vorbereitung auf die Geburt in der 36. bis 40. Woche in das kleine Becken begibt, senkt sich auch der Fundus der Gebärmutter bis etwa zwei Finger breit unterhalb des Rippenbogens ab.

Die äußere Wendung

Es ist einfacher und sicherer für die Mutter, ein Kind in Schädellage zu gebären. Die Hebamme oder die Ärztin, die die Schwangere betreuen, überprüfen die Lage des Kindes in regelmäßigen Abständen. Hat sich der Fetus bis zur 36. Woche noch nicht gedreht, wird manchmal versucht, von außen das Kind in die normale Schädellage zu drehen. Bei dieser so genannten äußeren Wendung besteht ein kleines Risiko, dass es zu Plazentablutungen kommt. Diese Maßnahme darf daher nur durch eine in dieser Technik erfahrene Person durchgeführt werden.

Ab der 32. Woche wird bei jedem Besuch in der gynäkologischen Praxis überprüft, ob das Kind schon eine für die Geburt günstige Lage eingenommen hat. Wenn dies bis zur Geburt nicht geschieht, ist eine Entbindung durch Kaiserschnitt notwendig.

Treten im dritten Trimenon schon Geburtswehen auf?

Normalerweise nicht. Aber die Schwangerschaftswehen werden deutlicher. Drückt die Schwangere mit der Hand gegen den Bauch, spürt sie, wie die Muskeln sich anspannen und hart werden. Diese Kontraktionen unterscheiden sich von den eigentlichen Geburtswehen dadurch, dass sie zwar gelegentlich unangenehm, niemals aber schmerzhaft sind und sich weder verstärken noch verlängern. Während die Schwangerschaftswehen nicht mit Blutverlust verbunden sind, sind die richtigen Wehen oft von etwas blutigem Schleim begleitet. Dieser Schleim stammt aus dem Schleimpfropf im Gebärmutterhals (Zervix), der die Gebärmutter während der Schwangerschaft nach unten abschließt.

Wie bereiten sich die Brüste auf das Stillen vor?

Die Brüste sind jetzt sehr voll und müssen von einem geeigneten Büstenhalter gestützt werden. Die knötchenförmigen Erhebungen auf den Warzenhöfen produzieren ein Feuchtigkeit spendendes Talggemisch, das die Brustwarzen geschmeidig hält.

Welche Beschwerden belasten die Schwangere?

Die meisten Schwangerschaftsbeschwerden und gesundheitlichen Störungen im letzten Trimenon entstehen dadurch, dass die wachsende Gebärmutter auf andere Organe drückt.

Rückenschmerzen: Der in der Schwangerschaft erhöhte Progesteronspiegel führt dazu, dass die Straffheit der Bänder allgemein nachlässt. Es kommt daher zu Rückenschmerzen, die besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel größere Beschwerden verursachen können. Sie haben ihren Ursprung in den Veränderungen im Bereich des Beckengürtels. Der oft starke Schmerz verläuft vom oberen Gesäßbereich über das ganze Gesäß nach unten. Jede Beckenbewegung und sogar eine Drehung im Bett kann den Schmerz verstärken. Bei diesem Problem kann eine feste Matratze etwas Erleichterung verschaffen.

Kurzatmigkeit: Dieses Problem tritt etwa in der 30. Woche wieder verstärkt auf, da die wachsende Gebärmutter auf das Zwerchfell drückt. Kurzatmigkeit wird oft als besonders schlimm empfunden, wenn man auf dem Rücken liegt. Meist hilft es, so aufrecht wie möglich zu sitzen und zu stehen oder im Bett den Oberkörper mit ein paar Kissen abzustützen. Hat sich zum Ende der Schwangerschaft hin der Kopf des Kindes erst einmal in das kleine Becken abgesenkt, geht es der Mutter meist wieder besser.

Sodbrennen: Das unangenehm brennende Gefühl in der Speiseröhre entsteht dadurch, dass die durch die Schwangerschaft bedingten Änderungen im Bauch zum Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre führen. Der Verzicht auf stark gewürzte und fettige Nahrungsmittel kann zu einer Besserung führen. Außerdem empfiehlt es sich, kleinere und häufigere Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Harndrang: Mit dem Absenken des Kopfes lässt der Druck auf die Lungen nach. Durch die neue Lage entsteht jetzt jedoch ein Druck auf die Harnblase, so dass es ab der 36. Woche wieder zu häufigem Harndrang kommt. Bei vielen Schwangeren kommt es auch zu Stressinkontinenz, d. h., beim Husten, Niesen, Lachen oder bei körperlichen Anstrengungen kann es zum Abgang von geringen Mengen von Urin kommen. Dies wird einerseits durch die vergrößerte Gebärmutter verursacht, die auf die Blase drückt, und andererseits durch die geschwächten Beckenbodenmuskeln. Es ist immens wichtig, dass die Schwangere diese Muskeln regelmäßig trainiert.

Stuhlentleerungsstörungen: Der verminderte Muskeltonus auch des Darms und seine Verdrängung innerhalb des eng gewordenen Bauchraums kann zu Verstopfung, d. h. hartem Stuhl bei selteneren Entleerungen führen. Um daraus resultierende Beschwerden und stärkeres und längeres Pressen bei der Entleerung zu vermeiden, sollte die Schwangere für eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, genügende Trinkmenge und ausreichende Bewegung sorgen.

Was ist Ursache der zunehmenden Erschöpfung?

Sie ist meist eine Folge von Schlafmangel, da der Umfang der Gebärmutter, das Gewicht und die heftigen Kindsbewegungen die Mutter oft am Ein- oder Durchschlafen hindern. Auch mütterliche Befürchtungen im Hinblick auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kindes und Ängste vor der Geburt selbst können Schlaflosigkeit verursachen. Die Mutter sollte sich nun viel Zeit für sich nehmen, möglichst früh zu Bett gehen oder den verlorenen Schlaf tagsüber nachholen.

Was bezeichnet man als …

Schwangerschaftsdiabetes? Dies ist ein »Diabetes mellitus, der erstmals während der Schwangerschaft auftritt«. Schwangerschaftsbedingte Stoffwechselbelastungen begünstigen bei entsprechender Veranlagung den Ausbruch einer Zuckerkrankheit. Die Erkrankung muss besonders sorgfältig überwacht und behandelt werden, um eine Gefährdung der Mutter und Entwicklungsstörungen des Kindes zu vermeiden.

Schwangerschaftsbluthochdruck? Ein zu »hoher Blutdruck in der Spätschwangerschaft« führt zur Mangeldurchblutung der Plazenta und birgt die Gefahr, dass das Kind nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Der Bluthochdruck muss daher dringend medizinisch behandelt werden.

Abort? Von einer »Fehlgeburt« spricht man bei einem Ende der Schwangerschaft vor der 29. Woche. Meist ist eine Schädigung oder Erkrankung des Ungeborenen die Ursache.

Partus praematurus? Bei einer »Frühgeburt« kommt das Kind bereits vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Dies tritt häufig bei Frauen auf, die stark rauchen oder sehr stressbelastet sind.

Geburt: Der Weg ans Licht

Was bedeutet die Geburt eines Kindes?

Die Geburt gehört zu den größten körperlichen und seelischen Herausforderungen, mit denen eine Frau konfrontiert wird. Mit Geburt bezeichnet man den Prozess, durch den das Kind die schützende Gebärmutter verlässt und in die Außenwelt eintritt. Drei Stadien kennzeichnen den Verlauf einer normalen Geburt. Die Wehen sind hierbei die treibende Kraft. Die Dauer einer Geburt kann sehr unterschiedlich sein.

Womit beginnt die Geburt?

Die Eröffnungsphase ist das erste Stadium der Geburt und dauert vom Einsetzen der ersten regelmäßigen Wehen bis zur vollständigen Öffnung des Muttermunds. In dieser Phase tritt der Kopf des Kindes tiefer in das Becken der Mutter hinein. Bei den ersten Wehen kann es durch das Reißen des Schleimpfropfes am Muttermund zu einer leichten Blutung kommen (»Zeichnen«). In diesem ersten Wehenstadium kommt es zur Zurückziehung und Erweiterung des Gebärmutterhalses, bis Gebärmutter und Vagina eine Art durchgehenden Trichter formen, der als Geburtskanal bezeichnet wird. Aufgrund von zu schwachen oder ungenügenden Wehen kann sich die Eröffnungsphase über eine beträchtliche Zeit hinziehen.

Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Frauen beginnt die Geburt mit dem vorzeitigen Blasensprung. In diesem Fall stellen sich die Wehen erst nach dem Abgang des Fruchtwassers ein. Gegen Ende der Eröffnungsphase werden die Wehen stärker und folgen rascher aufeinander. Schließlich dauern sie etwa 45 bis 60 Sekunden und folgen im Abstand von zwei bis drei Minuten aufeinander. In diesem Stadium erscheinen sie schon fast als kontinuierliche Wehen.

Was genau sind Wehen?

Als Wehen bezeichnet man die regelmäßigen Kontraktionen der Gebärmutter, die im oberen Teil der Gebärmutter beginnen und sich nach unten fortsetzen. Sie werden von der Frau oft als Wellen empfunden, die sich allmählich aufbauen und schließlich wieder abebben. Manche Frauen vergleichen die Wehen auch mit sehr starken Menstruationskrämpfen.

Die Intensität der Kontraktionen ist in dem starken, muskulären oberen Abschnitt der Gebärmutter am größten. Bei jeder Kontraktion dieses Abschnittes werden die Muskelfasern kürzer und dicker, ein einzigartiger Vorgang, der als Retraktion bezeichnet wird und bei keinem anderen Körpermuskel vorkommt. Die Retraktion verstärkt die Kraft, die auf den unteren Abschnitt der Gebärmutter ausgeübt wird. Dieser hat weniger Muskeln, kontrahiert weniger stark und retrahiert nicht. Zwischen den einzelnen Kontraktionen kommt es wieder zur vollständigen Entspannung der Gebärmutter.

Was ist am Muttermund abzulesen?

Der Muttermund öffnet sich in dem Maß, wie das Kind tiefertritt und den Gebärmutterhals weitet. Der Grad der Öffnung gibt Hinweis auf das Fortschreiten des Geburtsvorgangs und wird in Zentimetern ausgedrückt. Er beträgt, je nach Größe des kindlichen Kopfes, bei vollständiger Öffnung etwa zehn Zentimeter. Bei Erstgebärenden zieht sich der Muttermund vor der Eröffnung zurück, weshalb die Eröffnungsphase etwas länger dauert. Bei Zweit- und Mehrgebärenden kommt es meist gleichzeitig zum Zurückziehen und zur Erweiterung.

Wodurch kann sich die Eröffnungsphase verlängern?

Zu schwache oder ungenügend wirksame Gebärmutterkontraktionen können dazu führen, dass sich die Eröffnungsphase verlängert. Geht die Mutter etwas herum, werden die Kontraktionen meist stärker. Eine Verzögerung kann auch aus der Größe oder Stellung des Kindes resultieren. Dazu kommt es häufig, wenn der Kopf des Kindes nicht stark genug gebeugt ist. Dadurch ergibt sich ein größerer Kopfdurchmesser, was seine Passage durch das Becken erschwert und infolgedessen die Wehen verlängert. Verzögerungen können sich auch durch ein zu schmales oder ungewöhnlich geformtes Becken ergeben; beispielsweise kann der Kopf des Kindes im Verhältnis zum Becken zu groß oder nicht optimal im Becken platziert sein.

Was passiert im Übergangsstadium der Geburt?

Das Übergangsstadium bildet das Ende der Eröffnungsphase, wenn der Muttermund fast vollständig erweitert ist. Während sich das Kind in den unteren Abschnitt der Gebärmutter absenkt, fühlt die Mutter den Drang zu pressen. Zu diesem Zeitpunkt platzt normalerweise die Fruchtblase, wenn dies nicht bereits zuvor die Eröffnungsphase eingeleitet hat. Danach verursacht der Druck des kindlichen Kopfes auf den Muttermund die reflexartige Ausschüttung von Oxytocin, das für die Gebärmutterkontraktionen verantwortliche Hormon. In diesem Stadium sind die Kontraktionen deshalb oft lang, stark und sehr schmerzhaft. Für die Mutter ist das Übergangsstadium meist der anstrengendste Geburtsabschnitt.

Welche Vorgänge umfasst die Austreibungsphase?

Die Austreibungsphase dauert von der vollständigen Öffnung des Muttermunds bis zum Austritt des Kindes. In diesem zweiten Geburtsstadium ändern sich Art und Heftigkeit der Wehen. Die Kontraktionen erfolgen nun nicht mehr so häufig, sind aber sehr viel intensiver. Die Gebärende empfindet einen überwältigenden Drang, nach unten zu pressen und das Kind durch den Geburtskanal zu schieben. Dabei senkt sich das Zwerchfell ab und die Bauchmuskeln kontrahieren, so dass sich die gesamten Anstrengungen der Gebärenden auf das Herauspressen des Kindes konzentrieren. Die so genannten Presswehen erfolgen nun im Abstand von zwei bis drei Minuten und dauern etwa 60 bis 70 Sekunden.

Die Retraktion der Gebärmutter und die Wirkung der Kontraktionen, die über die kindliche Wirbelsäule auf den Kopf übertragen werden, unterstützen den Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal. Dieser Vorgang, kombiniert mit dem Pressen der Gebärenden, findet seinen Höhepunkt in dem Austritt des Kindes. Bei einer normalen Geburt wird jetzt langsam der Kopf des Kindes am Eingang der Vagina sichtbar. Anfänglich rutscht er möglicherweise zwischen den einzelnen Wehen wieder ins Körperinnere zurück, bleibt jedoch dann auf Dauer sichtbar. In diesem Stadium ist die mütterliche Scheide vollständig gedehnt. Nach Sichtbarwerden des Kopfes sind nur noch wenige Wehen erforderlich, bis das ganze Kind durch den Geburtskanal hindurchgetreten ist und seinen ersten Atemzug tut. Die ausgeprägte Gebärmutterretraktion, die die Austreibung des Fetus begleitet, verursacht auch die Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand und bereitet den Übergang in das dritte Geburtsstadium vor.

Wie wirken die Wehen auf den Fetus?

Im Verlauf der Wehen sorgen die starken Gebärmutterkontraktionen zunächst dafür, dass der Fetus auf den kleinstmöglichen Körperumfang reduziert wird, so dass er mit dicht am Körper angewinkelten Armen und Beinen die Passage durch den Geburtskanal antritt. Die Kontraktionen und das Pressen der Mutter in der Austreibungsphase veranlassen den Fetus zu bestimmten Drehungen und Bewegungen, die ihm den Durchtritt durch das mütterliche Becken erleichtern.

Auf welche Weise passiert der Fetus den Geburtskanal?

Zu Beginn der Geburt stellt sich der Kopf des Fetus ein und drückt gegen den Gebärmutterhals. In der Austreibungsphase kommt es dann durch die starken Kontraktionen zu einem Tiefertreten des Kopfes. Mit einer Kopfdrehung manövriert sich der Fetus an Becken und Steißbein vorbei und dreht sich, so dass er nun mit dem Gesicht dem mütterlichen After gegenübersteht. Diese Positionen werden als Beugung und erste Drehung des Kopfes bezeichnet. Tritt der Kopf aus der Vagina aus, biegt er sich im Hals nach hinten ab.

Bleibt er endgültig im Eingangsbereich der Vagina sichtbar, so wird dieses Stadium als Sichtbarwerden des Kopfes bezeichnet und signalisiert die in Kürze erfolgende vollständige Geburt, bei der nach einer nochmaligen Drehung des Kopfes der ganze Körper des Kindes aus der Mutter austritt.

Wie wird das Kind überwacht?

Unter der Geburt können die kindlichen Herztöne in Intervallen oder fortlaufend mit einem Monitor oder in bestimmten Abständen mit dem Stethoskop oder einem Ultraschallgerät abgehört werden. Bei normalem Wehenverlauf genügt die Überwachung in regelmäßigen Abständen. In manchen Fällen besteht für das Kind ein erhöhtes Risiko während der Geburt, z. B. bei einem Schwangerschaftsbluthochdruck, einer Herzkrankheit der Mutter oder einer Plazentastörung. Hier wird sich die Geburtshelferin immer für eine durchgehende Überwachung des Kindes entscheiden. Auch bei einer Periduralanästhesie oder dem Risiko eines kindlichen Sauerstoffmangels werden die Herztöne des Ungeborenen ununterbrochen überwacht. Das kindliche Herz kann dabei von außen über ein auf der Bauchdecke der Mutter aufgesetztes Mikrophon oder – nach dem Blasensprung – auch direkt durch eine auf dem Kopf des Kindes angebrachte Elektrode abgehört werden.

Welche Bedeutung hat der erste Atemzug des Kindes?

Bis zur Geburt hängt die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen von der Blutzufuhr aus der Plazenta ab. Mit der Geburt übernehmen die Lungen des Kindes diese lebensnotwendige Aufgabe. Sobald sich die Plazenta von der Gebärmutterwand abtrennt und die Blutgefäße in der Nabelschnur sich zusammenziehen, reichert sich das Blut des Kindes mit Kohlendioxid an. Diese Anreicherung stimuliert das Atemsteuerzentrum in seinem Gehirn und löst den ersten Atemzug aus. Dabei öffnen sich die Blutgefäße in der Lunge, das Blut durchströmt das Lungengewebe und nimmt den Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft auf. Der Kreislauf hat sich umgestellt. Fällt dem Kind das Atmen noch schwer, so kann der Geburtshelfer mit einem kleinen Absaugrohr Schleim und andere Flüssigkeit aus dem Mund und der Nase des Neugeborenen entfernen.

Wann wird die Nabelschnur durchtrennt?

Sobald das Kind atmet, werden die Blutgefäße der Nabelschnur nicht mehr benötigt. Sie ziehen sich zusammen und die Nabelschnur wird weißlich und schlaff. Jetzt oder auch nach dem Ausstoß der Plazenta klemmt der Geburtshelfer die Nabelschnur etwa sieben bis zwölf Zentimeter vom Nabel entfernt an zwei Stellen ab und durchtrennt sie anschließend. Da die Nabelschnur nicht mit Nerven ausgestattet ist, fühlt das Kind dabei keinen Schmerz. Hat sich die Nabelschnur um den Hals des Kindes gewickelt, muss die Durchtrennung vor der Nachgeburt erfolgen.

Was ist die Nachgeburt?

Das ist die nach der Geburt nicht mehr benötigte Plazenta, die zusammen mit den Eihäuten ausgestoßen wird. Dies geschieht in der Nachgeburtsphase, dem dritten Stadium der Geburt.

Die kurz nach der Geburt einsetzenden Nachgeburtswehen führen zur Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand. Durch den Geburtskanal nach außen folgen die Eihäute. Daraufhin zieht sich die Gebärmutter durch Kontraktionen zusammen. Die Blutgefäße verengen sich, ein größerer Blutverlust wird dadurch vermieden. Bei normalem Verlauf erfolgt die Nachgeburt innerhalb von 15 Minuten bis zwei Stunden nach der Geburt.

Die Plazenta wird danach vom Geburtshelfer auf Vollständigkeit überprüft. Sollten nämlich noch Plazentareste in der Gebärmutter verbleiben, können diese Blutungen auslösen. Sie müssen deshalb entfernt werden. Der Geburtshelfer überprüft auch die Anzahl der Blutgefäße in der Nabelschnur. Fehlt eine der Nabelarterien, kann dies auf eine Missbildung im Herz-Kreislauf-System des Kindes hinweisen.

Was ist ein Dammschnitt?

Ein Dammschnitt (Episiotomie) ist ein chirurgischer Einschnitt in das Gewebe des Damms (Perineum), der zwischen Vagina und After liegt. Er ist gelegentlich zur Erleichterung einer vaginalen Geburt erforderlich. Dadurch wird dem Kind der Durchtritt erleichtert. Bei einer normalen Entbindung benötigen nur sehr wenige Frauen einen Dammschnitt. Ein absoluter Grund für diesen Eingriff ist eine Zangengeburt.

Der Dammschnitt erfolgt meist unter örtlicher Betäubung des Damms durch Einspritzung eines Betäubungsmittels. Da das Betäubungsmittel einige Zeit braucht, um seine Wirkung zu entfalten, muss in besonders dringenden Fällen auf die Betäubung verzichtet werden. Der Schnitt wird dann auf dem Höhepunkt der Presswehe durchgeführt. Auf diese Weise werden Schmerzen und Blutverlust minimiert, da die Dammhaut vollständig gedehnt ist. Die Entbindung erfolgt direkt nach dem Dammschnitt. Da hierbei sowohl Haut- als auch Muskelgewebe durchtrennt werden, muss der Schnitt hinterher sehr sorgfältig vernäht werden. Die Dammnaht wird in den Tagen nach der Geburt besonders beobachtet und versorgt.

Wie lange dauert eine Geburt?

Die exakte Geburtsdauer ist schwierig zu ermitteln, da der genaue Zeitpunkt des Geburtsbeginns oft schwer zu erkennen ist. Bei einer Erstgebärenden dauert die Geburt im Allgemeinen länger, bei Zweit- und Mehrgebärenden ist sie meist kürzer und nicht mehr so anstrengend. Bei Erstgebärenden öffnet sich der Muttermund etwa um einen Zentimeter pro Stunde, bei nachfolgenden Schwangerschaften jedoch meist schneller. Bei einer Erstgebärenden rechnet man mit einer durchschnittlichen Geburtsdauer von zwölf Stunden. Diese Zeit kann aber auch beträchtlich unter- oder überschritten werden und von zwei bis drei Stunden bis zu 18 bis 24 Stunden dauern. Bei Mehrfachgebärenden dauert die Geburt durchschnittlich etwa sechs Stunden, aber auch diese Zeit kann unter- oder überschritten werden.

Was bedeutet die Bezeichnung …

Vorzeitiger Blasensprung? Dies ist das spontane »Zerreißen der Fruchtblase vor Ende der Eröffnungsphase«. Je nach Zeitpunkt unterscheidet man den frühzeitigen (während der Eröffnungsperiode) und den vorzeitigen Blasensprung (vor Beginn der ersten Geburtswehen). Beim vorzeitigen Blasensprung besteht ein erhöhtes Risiko für eine aufsteigende Infektion der Gebärmutter und des ungeborenen Kindes. Die Entbindung sollte daher innerhalb von zwei Stunden erfolgen.

Vorzeitige Plazentalösung? Wenn sich die Plazenta vor oder unter der Geburt von der Gebärmutterwand löst, kann eine für Mutter und Kind lebensbedrohliche Blutung auftreten. In diesem Fall wird sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Wehenschwäche? Bei manchen Frauen sind die Wehen ungleichmäßig lang und stark oder kurz und schwach und bleiben manchmal sogar ganz aus. Kommt es durch die Wehenschwäche zu keinem Fortschritt im Geburtsverlauf, ist das Kind gefährdet und die Geburtshelferin muss eingreifen.

Nabelschnurvorfall? Bei dieser Komplikation im Verlauf des Geburtsvorgangs fallen nach dem Blasensprung Schlingen der Nabelschnur vor den kindlichen Kopf und werden durch das Kind in dem engen Geburtskanal komprimiert. Diese Situation ist lebensgefährlich für das Kind, weil es dadurch von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten ist.

Operative Entbindung: Geburtshelfer in Aktion

Wann muss eine Geburt ärztlich unterstützt werden?

Wenn die Gefahr besteht, dass das Kind nicht sicher und unversehrt auf die Welt kommen kann, ist ein ärztliches Eingreifen erforderlich. Gründe für eine operative Entbindung können sowohl bei der Mutter als auch beim Kind liegen. Die häufigsten sind Wehenschwäche oder ein zu großer oder schlecht eingestellter Kopf des Ungeborenen, Sauerstoffmangel des Kindes (beispielsweise durch Plazentastörungen oder eine Nabelschnurumschlingung) und Erschöpfung der Mutter.

Wie verläuft eine Zangenentbindung?

Die vaginale Entbindung mithilfe der geburtshilflichen Zange (Forzepsextraktion) wird normalerweise unter einer regionalen Betäubung (Periduralanästhesie) durchgeführt. Bei dieser Methode kommen verschiedene Geburtszangen zum Einsatz. Bei dem Eingriff werden beide Zangenblätter vorsichtig um den Kopf des Kindes gelegt. Zeitgleich mit einer Wehe wird behutsamer Zug ausgeübt und der Kopf des Kindes langsam durch den Geburtskanal nach unten gezogen. Sobald der Kopf den Damm erreicht, wird ein Dammschnitt durchgeführt und der Kopf des Kindes geboren. Die Zangen werden entfernt und der Körper des Kindes gleitet wie bei einer normalen Geburt heraus. Nach diesem Eingriff werden sowohl das Neugeborene als auch die Mutter gründlich auf möglicherweise entstandene Verletzungen hin untersucht. Gründe für eine Zangengeburt sind fetaler Sauerstoffmangel, eine stark verzögerte Austreibungsphase oder große Erschöpfung der Gebärenden.

Wann wird die Saugglocke eingesetzt?

Kommt es bei einer normalen vaginalen Entbindung zu einer Verzögerung in der Austreibungsphase, kann eine Entbindung mithilfe einer Saugglocke (Vakuumextraktion) durchgeführt werden. Eine Saugglocke aus Nylon oder Metall wird in den Geburtskanal eingeführt, an den Kopf des Kindes angelegt und durch ein Schlauchsystem mit einer Vakuumpumpe verbunden. Nach Einschalten der Pumpe wird die Luft in der Saugglocke langsam herausgepumpt, bis sie fest am Kopf des Kindes haftet. Danach wird mit jeder Wehe vorsichtig Zug ausgeübt, so dass der Kopf des Kindes durch den Geburtskanal nach unten gezogen wird. Durch die Sogwirkung entsteht am Kopf des Kindes eine Schwellung und bläuliche Verfärbung der Haut, die so genannte Geburtsgeschwulst. Sie heilt nach der Geburt rasch ab.

Wann wird ein Kaiserschnitt erforderlich?

Für den Kaiserschnitt (Sectio caesarea), der Entbindung des Kindes durch einen Schnitt durch Bauchdecke und Gebärmutter, gibt es zahlreiche Gründe: ein verzögerter Geburtsablauf oder Geburtsstillstand, Nabelschnurvorfall oder Lageanomalien des Kindes, aber auch ein Schwangerschaftsbluthochdruck der Mutter. Ist aus ärztlicher Sicht eine vaginale Entbindung nicht möglich, so kann im Voraus eine Schnittentbindung eingeplant werden. Dies wird als geplanter Kaiserschnitt (primäre Schnittentbindung) bezeichnet. Ergibt sich die Notwendigkeit einer Schnittentbindung erst unter der Geburt, spricht man von einem Notkaiserschnitt (sekundäre Schnittentbindung).

Wie wird der Kaiserschnitt durchgeführt?

Ein Kaiserschnitt wird in der Regel unter regionaler Betäubung vorgenommen. Nach der Entleerung der mütterlichen Harnblase über einen Katheter, wird die Bauchdecke horizontal oberhalb der Schambeinfuge aufgeschnitten. Dann werden die Muskeln der unteren Bauchdecke vorsichtig getrennt und die Bauchhöhle geöffnet. Anschließend wird die Gebärmutter durch einen horizontalen Schnitt im unteren Gebärmutterabschnitt eröffnet, die Fruchtblase aufgeschnitten und das Fruchtwasser abgesaugt. Nun können Kopf und Körper des Kindes herausgehoben werden. Nach einer Injektion mit dem Hormon Oxytocin löst sich die Plazenta von der Gebärmutter und kann durch die Bauchöffnung entfernt werden. Der erste Teil des Eingriffs dauert etwa zehn Minuten. Schließlich werden die Wunden und der Hautschnitt mit Nähten oder Klammern versorgt. Dies dauert noch einmal etwa 35 bis 50 Minuten.

Welche Vor- und Nachteile hat der Kaiserschnitt?

Heutzutage ist ein Kaiserschnitt sicherer als je zuvor. Für die Gesundheit des Kindes ist er auf alle Fälle besser als eine schwierige Geburt. Der Zeitpunkt der Geburt kann ziemlich exakt geplant werden. Andererseits ist ein Kaiserschnitt eine größere Operation mit dem Risiko von Blutungen oder Infektionen. Ein Kaiserschnitt stellt eine größere Wunde dar und die Frau benötigt eine längere Erholungsphase.

Ein durch Kaiserschnitt entbundenes Kind tritt recht plötzlich in die Außenwelt ein. Der Durchtritt durch den Geburtskanal stimuliert normalerweise den Kreislauf und befreit die Lungen vom Fruchtwasser. Nach einer Schnittentbindung ist die Anpassungsphase deshalb länger als bei vaginal entbundenen Kindern.

Die Zeit nach der Geburt: Behutsamer Rückwärtsgang

Wodurch werden die Rückbildungsprozesse ausgelöst?

Durch die hormonellen Veränderungen. Während der Schwangerschaft sorgten Progesteron, Östrogen und Thyroxin für konstant hohe Hormonspiegel. Nach der Geburt kommt es jedoch zu einem drastischen Abfall dieser Hormonspiegel, der zu den notwendigen Rückbildungsprozessen beiträgt und zu zahlreichen körperlichen und auch seelischen Veränderungen führt.

Die Zeit zwischen der Geburt des Kindes bis zur Rückbildung der Fortpflanzungsorgane in den Zustand, wie er vor der Schwangerschaft bestand, wird als Wochenbett (Puerperium) bezeichnet und dauert etwa sechs bis acht Wochen.

Wie lange dauert die Rückbildung der Gebärmutter?

Innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt bildet sich die Gebärmutter zu ihrer früheren Form und Größe zurück. Der Hauptteil dieses Prozesses findet innerhalb von zehn Tagen statt. Nach diesen zehn Tagen sollte der Fundus der Gebärmutter oberhalb der Schambeinfuge liegen, eine Höhe, die etwa dem Ende des dritten Schwangerschaftsmonats entspricht. Durch den Gewebsabbau in der Gebärmutterschleimhaut kommt es zum Wochenfluss (Lochien). Diese Sekrete sind in den ersten drei bis vier Tagen blutigrot, danach nur noch rosa und schließlich gelblichbraun. Etwa sechs Wochen nach der Geburt hat sich bereits eine neue Gebärmutterschleimhaut gebildet.

Die Vagina, der Bandapparat der Gebärmutter und die Beckenbodenmuskeln kehren allmählich zu ihrem normalen, vorschwangerschaftlichen Zustand zurück. Durch eine besondere Gymnastik sollte die Mutter die Rückbildungsprozesse unterstützen – sie beugt damit späteren Senkungserkrankungen vor.

Wie stellen sich die Brüste auf das Stillen um?

Direkt nach der Geburt kommt es zur Freisetzung von Hormonen, die zunächst die Bildung der Kolostralmilch und nach drei bis vier Tagen von reifer Muttermilch anregen. Wenn die Milch »einschießt«, schwellen die Brüste an und scheinen aufgedunsen. Dies bessert sich, sobald sich Mutter und Kind an das regelmäßige Stillen gewöhnt haben. Das Stillen führt außerdem zur Ausschüttung von Hormonen, die einige Monate lang das Einsetzen eines regelmäßigen Menstruationszyklus verhindern. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass eine stillende Mutter nicht schwanger werden kann. Wird das Kind voll gestillt und hat der mütterliche Menstruationszyklus noch nicht wieder eingesetzt, so besteht in den ersten sechs Monaten nach der Geburt ein zweiprozentiges Risiko einer Schwangerschaft. Nach teilweisem oder vollständigem Abstillen steigt die Möglichkeit einer Schwangerschaft steil an.

Was geschieht in den anderen Körpersystemen?

Auch hier führt der Abfall der in der Schwangerschaft wirksamen Hormone zu Veränderungen an den Organen, z. B. im Kreislaufsystem oder Magen-Darm-Trakt.

Herz-Kreislauf-System: Innerhalb von zwei bis drei Tagen nach der Geburt reduziert sich das Blutvolumen wieder auf den Normalwert von etwa fünf Litern. Dies wird über die Abgabe großer Urinmengen erreicht. Die Auswurfleistung des Herzens und der Blutdruck gelangen wieder zu vorschwangerschaftlichen Werten.

Muskeln und Skelett: Der Einfluss der Schwangerschaftshormone hatte zum Nachgeben der Bänder und Gelenke im Beckengürtel geführt. Nun tritt allmählich wieder der vorschwangerschaftliche Zustand ein. Der ganze Prozess nimmt etwa drei Monate in Anspruch.

Atemsystem: Sobald die Lunge nicht mehr durch die vergrößerte Gebärmutter zusammengepresst wird, fällt das Atmen wieder leichter. Das Ein- und Ausatemvolumen verringert sich, da weniger Sauerstoff benötigt und weniger Kohlendioxid ausgeatmet wird.

Magen-Darm-Trakt: Der fallende Progesteronspiegel im Körper der Mutter führt zu einer Verbesserung im Tonus der glatten Muskulatur. Sodbrennen und andere Verdauungsprobleme bessern sich.

Warum habe viele Frauen »Heultage«?

Die auf einige Tage begrenzte Traurigkeit hat hormonelle und seelische Gründe. Für die Mütter ist diese Zeit mit starken Gefühlsumschwüngen verbunden, die von Euphorie und Hochstimmung bis zu tiefer Niedergeschlagenheit reichen können. Schlafmangel oder eventuelle Befürchtungen, den Bedürfnissen des Kindes nicht gewachsen zu sein, können den Zustand noch verschlimmern. Hält die Niedergeschlagenheit mehr als zwei bis drei Wochen an (so genannte »Wochenbettdepression«), sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

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