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Wann trat in China der Ahnenkult auf?
Er ist wohl ziemlich alt, gewann aber im Lauf der Shang-Zeit merklich an Bedeutung. Damals hatte die patrilineare (um die Vaterlinie organisierte) Gesellschaft die matrilineare (um die Mutter organisierte) abgelöst. Als Folge kam es zur inhaltlichen Erweiterung des Ahnenkults, den die Herrscherklasse für ihre Interessen nutzte. Die Vergöttlichung der Ahnen hatte sich aus der Auffassung entwickelt, dass der Mensch aus »Körperseele« und »Geistseele« besteht, die Emanationen einer Leben einhauchenden Energie (qi) sind. Während die Körperseele nach dem Tod zerfällt, existiert die Geistseele weiter. Durch die Versorgung mit Opfergaben suchte man sich des Beistands besonders der für die Gemeinschaft wichtigen Seelen der Stammesführer zu versichern, damit sie kein Unheil anrichteten.
Die als »Korrespondenz« mit den Ahnengöttern zu verstehenden Orakelinschriften auf Schildkrötenpanzern und Knochen besagen, dass die über die Welt herrschende Gottheit Di oder Shangdi, der »oberste vergottete Ahn«, als entfernter Vorfahr des Shang-Volks galt. Die Könige sahen sich jedoch nicht als direkte Abkömmlinge; sie wurden nach ihrem Tod lediglich als Gäste von Shangdi aufgenommen.
Unter den auf die Shang folgenden Zhou verschmolz Shangdi mit Tian, dem Himmel. Die Zhou-Könige verstanden sich als Söhne des Himmels, als von der obersten Gottheit gesandte Vertreter auf Erden, denen das »Mandat des Himmels« verliehen worden war. Diese Idee stellte für die Herrschenden der Zhou und der nachfolgenden Dynastien die Legitimation ihrer Macht dar.
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