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Großer Auftritt für Merkur, Ostervollmond und das "goldene Tor"

In der Nacht zum Karfreitag leuchtet der erste Frühlingsvollmond des Jahres und leitet damit das Osterfest ein. Doch Anfang April hat auch der innerste Planeten den größten Auftritt des Jahres: Der Merkur ist in diesen Tagen so hell zu sehen wie selten – er strahlt für kurze Zeit sogar heller als der hellste Stern. Die Venus hat im April gleich zwei Rendezvous: Erst mit dem Mond, dann mit dem "Goldenen Tor" der Ekliptik, den Sternhaufen der Hyaden und Plejaden im Sternbild Stier.
NPO / Planetarium Hamburg, 03.04.2023

NASA / Joel Kowsky

Mit dem Wechsel der Jahreszeiten ist auch am Sternenhimmel der Frühling eingekehrt. Zur Prime-Time sehen wir nun die Sternbilder des Frühlings: den Löwen, die Jungfrau und den Bärenhüter. Ihre drei Hauptsterne bilden gemeinsam das sogenannte „Frühlingsdreieck“. Um sie zu finden, bietet der Große Wagen eine gute Orientierungshilfe. Folgen wir dem Schwung seiner Deichsel, entdecken wir Arktur im Bärenhüter. Unterhalb von ihm funkelt Spica, der bläulich leuchtende Hauptstern der Jungfrau. Regulus im Löwen finden wir schließlich weit rechts oberhalb von Spica, direkt unterhalb der vorderen Deichsel des Großen Wagens.

Im April steht der Löwe hoch im Süden und der Große Bär im Zenith.

SkyObserver

Großer Auftritt für den Merkur

Merkur ist ein seltener Anblick unter den mit bloßem Auge sichtbaren Planeten. Er zeigt sich uns während seiner Sonnenumrundung immer nur kurz, wenn er auf seiner Bahn um die Sonne von uns aus gesehen weit seitlich von ihr steht. Doch jetzt, in der ersten Aprilhälfte, erreicht der innerste Planet des Sonnensystems die beste Sichtbarkeit des ganzen Jahres. In den ersten Apriltagen leuchtet er über dem nordwestlichen Horizont stehend fast so hell wie Sirius, der hellste Stern am Himmel.

„Wer einen Blick auf ihn erhaschen möchte, schaut in der ersten Monatshälfte etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang, gegen 21 Uhr, bei möglichst freier Horizontsicht Richtung Westen", erklärt Björn Voss, Direktor des Planetariums Hamburg. "Dort sehen wir ihn gemeinsam mit dem recht unscheinbaren Mars und der hell leuchtenden Venus: Der rote Planet steht oben links, die Venus bildet die Mitte und Merkur versteckt sich rechts unterhalb der Venus eine gute Handbreit über dem Horizont."

Die besten Beobachtungstage für den Merkur sind rund um den 7. April – passend zu Ostern. Denn dann steht der Merkur noch hoch genug über dem Horizont und ist auch noch gerade hell genug. In den Tagen danach wird der Planet dann allmählich dunkler und sinkt weiter zum Horizont hinab.

Venus und Merkur am Abendhimmel
Seltener Anblick: Die besten Beobachtungstage für den Merkur sind rund um den 7. April – passend zu Ostern.

© Stellarium / Planetarium Hamburg

Der Oster-Vollmond

In der Nacht zum Karfreitag leuchtet der Vollmond am Himmel – es ist der erste offizielle Frühlingsvollmond des Jahres. Nach ihm richtet sich traditionell das Datum für das christliche Osterfest: Es wird am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Dadurch wandert das Osterdatum im Laufe der Jahre zwischen dem 22. März und dem 25. April.

Für die nordamerikanischen Ureinwohner vom Volk der Algonkin war der Aprilvollmond dagegen der "Pink Moon". "Wer nun aber in freudiger Erwartung eines rosa Mondes zum Himmel blickt, wird enttäuscht", sagt Voss. „Der Ostermond sieht nämlich aus wie immer. Die Algonkin benannten diesen Vollmond nach einer zu dieser Zeit auffällig blühenden Pflanze, dem Phlox – auch Flammenblume genannt. Hätte der Frühlingsvollmond noch im März stattgefunden, würde er einen deutlich weniger attraktiven Namen tragen – nämlich Wurmmond.“

Ein Rendezvous und das "Goldene Tor" der Ekliptik

Am 23. April ist der Erdmond zwar schon zur schmalen Sichel geschrumpft, dafür hat er an diesem Abend ein Rendezvous mit der Venus. „Die schmale Sichel unseres Trabanten prangt nah oberhalb des hellstrahlenden ‚Abendsterns‘“, erklärt Voss. „Wer aufmerksam hinschaut, erblickt zusätzlich zur Sichel auch die restliche Mondkugel, die im fahlen Erdschein leuchtet – dem von der Erde abstrahlenden Licht. Wir können dieses Phänomen am besten im Frühjahr und Herbst erleben, da der Mond zu dieser Zeit bei uns steiler auf- und untergeht.“

Schon vom 10. bis 15. April bietet die Venus ein weiteres schönes Schauspiel. Denn dann zieht sie durch das „Goldene Tor der Ekliptik“, das aus zwei prächtigen Sternhaufen gebildet wird: den Hyaden und dem Siebengestirn der Plejaden. Beide Sternenhaufen sind mit bloßem Auge sichtbar und liegen im Sternbild Stier. Die Hyaden bilden ein großes V, das sich an den rötlichen "Augenstern" des Stieres, den Aldebaran, anzuschließen scheint. Die Plejaden liegen rechts von den Hyaden und dem Stierkopf - quasi auf dem Rücken des Stieres. Sie spielten schon vor Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen eine wichtige Rolle als Frühlingsanzeiger.

Mond-Venus-Rendezvous am 23. April 2023
Am 23. April finden Sie die schmale Mondsichel ganz knapp über der Venus, mit nur gut einem Fingerbreit Abstand zwischen den beiden.

© Stellarium / Planetarium Hamburg

Sonnenfinsternis am anderen Ende der Welt

Am 20. April 2023 ereignet sich eine totale Sonnenfinsternis auf der Südhalbkugel. Dabei schiebt sich der Mond so vor die Sonne, dass er sie vollständig verdeckt. Zu sehen ist diese Totalität allerdings nur auf einem schmalen Streifen, der sich von der Nordwestküste Australiens aus über Neuguinea und andere Teile Südostasiens bis in die Mitte des Pazifiks erstreckt. Zu Beginn und Ende dieser totalen Sonnenfinsternis ist noch der ringförmige Außenrand der Sonnenscheibe zu sehen. Daher handelt es sich bei diesem Ereignis um eine Mischung aus ringförmiger und totaler Sonnenfinsternis. In weiten Teilen Australiens und Südostasiens wird die Sonne aber nur zum Teil verdeckt, die Menschen dort sehen dadurch eine partielle Sonnenfinsternis.

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