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LEXIKON

Agnostizsmus

[
griechisch a, „nicht“ + gnosis, „Wissen“
]
Sammelbezeichnung für philosophische oder religiöse Lehren, welche die Möglichkeit einer (sicheren) Erkenntnis des Überweltlichen bestreiten. Der Begriff Agnostizismus wurde 1869 vom Darwinisten T. H. Huxley eingeführt, der dem sicheren Tatsachenwissen der empirischen Wissenschaften das Nichtwissen bezüglich metaphysischer Fragen entgegenstellte. Als philosophische Position ist der Agnostizismus schon bei Protagoras anzutreffen, der die Möglichkeit bezweifelte, Aussagen über Existenz und Eigenschaften der Götter machen zu können. Auch die Philosophie I. Kants enthält agnostizistische Elemente: die Unerkennbarkeit des „Dinges an sich“, die Unmöglichkeit vernunftmäßiger Gottesbeweise und zugleich der Versuch, durch Verneinung rationaler Gotteserkenntnis Platz für den Glauben zu schaffen. Auch im außereuropäischen Raum sind Lehren verbreitet, die als Agnostizismus bezeichnet werden können, etwa im Buddhismus, im Taoismus oder bei Konfuzius.
Anders als der Atheismus verneint der Agnostizismus nicht die Existenz Gottes. Er kann zu einer Enthaltung in religösen Fragen führen, aber auch andere als vernunftmäßige Begründungen des Glaubens heranziehen (Gefühl, moralische Bedürfnisse), oder sich gerade aus Misstrauen gegenüber der Vernunft in den Glauben stürzen (Fideismus).
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