Lexikon

Athesmus

[
griechisch atheos, „ohne Gott“, „Gott leugnend“
]
Weltanschauung ohne Gott, Verneinung der Existenz Gottes. In seiner heutigen Bedeutung ist der Begriff seit dem 17. Jahrhundert in Gebrauch. Der Atheismus als Leugnung des personalen christlichen Gottes ist eine Frucht der Aufklärung. Im Vorfeld der Französischen Revolution verabschiedeten Philosophen wie P. T. Holbach und J. O. de Lamettrie den Gottesgedanken und setzten an seine Stelle ein physikalisch-mechanisches Weltbild. Als eigentlicher Begründer des modernen Atheismus gilt jedoch L. Feuerbach, der Gott als bloße Projektion des Menschen zu erweisen versuchte. Der Mensch verehre in Gott nur sein eigenes Wesen und schaffe sich mit ihm ein Gegenüber, das er zur Befriedigung seiner Sehnsüchte und Wünsche benötige. Feuerbachs Thesen wurden von K. Marx und F. Engels aufgegriffen und beeinflussten den von ihnen ausgearbeiteten dialektischen Materialismus nachhaltig. Im 19. Jahrhundert war es vor allem F. Nietzsche, der gegen die Kategorien „Gott“ und „Jenseits“ polemisierte und sie als Machtinstrumente einer von Ressentiments erfüllten Priesterklasse zu entlarven suchte. Neue theoretische Grundlegungen des Atheismus entwickelten im 20. Jahrhundert S. Freud, der Gott im Rahmen seiner Psychoanalyse für eine infantile Wunschfantasie erklärte, und die französischen Existenzialisten, u. a. J. P. Sartre, die in der Verabschiedung des Gottesbegriffs die Bedingung für einen wahren Humanismus erblickten.
Der heute in der westlichen Welt verbreitete Atheismus bedeutet vielfach nicht die radikale Negation der Existenz Gottes, sondern nur den Verzicht auf das Sprechen über Gott als eine Größe, deren Prädikate empirisch weder beweisbar noch widerlegbar sind (Agnostizismus).
Atheismus bedeutet nicht in jedem Fall den Verzicht auf Religiosität oder ethische Prinzipien. Zahlreiche erklärte Atheisten, z. B. Freidenker und konfessionslose Humanisten, vertreten eine auf Idealen wie Toleranz, Demokratie und Solidarität fußende Ethik im Sinne der Aufklärung.
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