Lexikon
Goldschmiedekunst
die künstlerische Gestaltung von Kult- und Gebrauchsgegenständen aus Gold, Silber und Platin, meist aus Legierungen. Neben der selteneren Gusstechnik wird das Edelmetall durch Treib- oder Hammerarbeit (Treibarbeit) geformt. Die Feinarbeiten werden durch Ziselierung oder Gravierung, besonders Schmuckmotive durch Filigran oder Granulation ausgeführt. Tauschierung.
Schmuckstücke und Gefäße aus Gold, als Grabbeigaben und Verwahrfunde überliefert, zeugen von einer Goldschmiedekunst seit der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Wandverkleidungen aus Goldblech, aber auch Schmuckarbeiten aus Gold mit Edelsteinen sind durch Gräberfunde in Ägypten aus dem Mittleren Reich (2040–1650 v. Chr.) nachgewiesen. Einen frühen Höhepunkt erlebte die Goldschmiedekunst in der kretisch-mykenischen Kultur (17.–12. Jahrhundert v. Chr.); Goldbleche mit feinstem Filigran und Trinkgefäße wurden hier gefunden. Zur Meisterschaft besonders in der Granulierung gelangten die Etrusker im 7. Jahrhundert v. Chr. Aus der hellenistisch-römischen Kunst sind vornehmlich Rüstungen und Tafelgeschirre aus getriebenem Silber überliefert (Funde von Boscoreale und Pompeji, Hildesheimer Silberfund).
Tutanchamun: Totenmaske
Totenmaske des Tutanchamun
Totenmaske des ägyptischen Pharaos Tutanchamun; Ägyptisches Museum, Kairo
© shutterstock.com/Julia Chernikova
Die mittelalterliche Goldschmiedekunst wurde stark von byzantinischen Techniken beeinflusst, wo die Treibarbeit mit der Emailmalerei verbunden wurde; eine Sammlung byzantinischer Goldschmiedearbeiten befindet sich in San Marco in Venedig. Während in der karolingischen Zeit vorwiegend Buchdeckel mit Gold und aufgesetzten Edelsteinen ausgestattet wurden (z. B. der Codex aureus), brachte die romanische Kunst in großen Antependien (Aachener Domschatz, Baseler Münster) und Reliquienschreinen (Kölner Domschatz, Heribertschrein in Köln-Deutz) eine neue Blüte der Goldschmiedekunst hervor. – In der Gotik bereicherten die differenzierten Formen der Monstranz die Goldschmiedekunst; bedeutend war auch die Bearbeitung von Rüstungen und Waffen. In der Renaissance rückten profane Goldschmiedearbeiten in den Vordergrund. Meister der Goldschmiedekunst in Renaissance und Barock waren B. Cellini, W. Jamnitzer und M. Dinglinger. Barock und Rokoko in Frankreich und Deutschland zeichneten sich durch prunkendes Tafelgeschirr aus, während in England schlichte Formen dominierten, die für die Moderne vorbildlich wurden. – Auch in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts waren bedeutende Künstler in der Goldschmiedekunst tätig (H. van de Velde, J. Hoffmann). Sie bemühten sich um die Verbindung von zweckmäßiger Form und moderner Herstellungsweise mit alten Techniken.
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