Lexikon
phönịzische Kunst
die Kunst der semitischen Phönizier im Küstenstreifen des heutigen
Libanon, mit den Zentren Tyros und Sidon. Die phönizische
Kunst vereint mesopotamische und ägyptische wie auch ägäische und hethitische Stilelemente
mit ausgezeichneter einheimischer Technik; als Höhepunkte heben sich die
Kunsterzeugnisse der Städte Ugarit und Byblos heraus. In der Architektur war vor allem der Festungsbau hoch entwickelt, in späterer Zeit
nach hethitischem Vorbild mit doppeltem Mauerring und Bastionen. An Großbauten
sind nur wenige Paläste erhalten, u. a. Ugarit und Alalach. Typisch
scheint das Verwenden großer Steinblöcke gewesen zu sein, wie z. B.
der Megalithtempel (Anfang des 2. Jahrtausends) in Byblos zeigt.
Als Zeugnisse der Großplastik erhielten sich
steinerne Löwen und Sphinxe, die nach hethitischen Vorbildern vielfach
die Eingänge zu Monumentalbauten schmückten. Ein Hauptwerk der phönizischen Steinbildnerei um 1000 v. Chr. ist der Sarg des
Königs Ahiram von Byblos.
Vollendete Meisterschaft zeigen auch Erzeugnisse der Goldschmiedekunst, z. B. zwei goldene Schalen aus Ugarit, um 1400 v. Chr.,
mit Darstellungen von Jagdszenen. Zur Verzierung glatter Oberflächen
benutzten die Phönizier die Granulation. Gleichfalls aus Metall, meist
aus Bronze oder Silber, gibt es zahlreiche kleine Götterfiguren; das
älteste Beispiel dieser Art ist eine etwa 34 cm hohe vergoldete
Bronzestatuette aus Byblos, um 1900 v. Chr. – Besondere Beachtung
verdienen die phönizischen Elfenbeinschnitzereien, die keramischen Erzeugnisse
sowie die Verarbeitung von Glas.
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