Lexikon
Indien
Die Entwicklung seit den 1990er Jahren
Während des Wahlkampfs 1991 wurde R. Gandhi durch einen Bombenanschlag getötet. Die Parlamentswahlen gewann die Kongresspartei. Narasimha Rao wurde neuer Premierminister (bis 1996). Sezessionistische Bestrebungen in Assam, Punjab und Tamil Nadu sowie das weiterhin ungelöste Kaschmir-Problem belasteten das innen- und außenpolitische Klima. Der religiöse Dauerkonflikt zwischen Hindus und Muslimen entlud sich 1992/93 in blutigen Unruhen (Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodhya).
1997 gelangte mit Kocheril Raman Narayanan erstmals ein Kastenloser in das Amt des Staatspräsidenten. Nach den Parlamentswahlen 1998 wurde der Führer der rechtsnationalen Hindu-Partei Bharatiya Janata Party (BJP) Atal Bihari Vajpayee Premierminister an der Spitze einer Mehrparteienkoalition. Die von der neuen Regierung veranlassten Atomwaffenversuche riefen internationale Proteste hervor. 1999 kam es in Kaschmir zu militärischen Auseinandersetzungen mit muslimischen Separatisten. Nach einem Terroranschlag auf das indische Parlament 2001 verstärkten sich die Spannungen mit Pakistan. 2002 wurde der muslimische Atomwissenschaftler Abdul Kalam neuer indischer Staatspräsident. 2003/04 setzte in den Beziehungen zu Pakistan ein Entspannungsprozess ein. Vorgezogene Wahlen 2004 gewann überraschend die Kongresspartei unter Führung von Sonia Gandhi. Der Wirtschaftsfachmann Manmohan Singh (Kongresspartei) bildete eine von den Kommunisten gestützte Minderheitsregierung, die sich bemühte, den langjährigen wirtschaftlichen Aufschwung zu verstetigen. 2007 wurde mit Pratibha Devisingh Patil erstmals eine Frau ins Präsidentenamt gewählt. Zum schwerwiegenden Problem der inneren Sicherheit entwickelte sich die zunehmende Anzahl terroristischer Anschläge islamistischer Provenienz, so kamen bei Anschlägen in Mumbai 2006 und 2008 insgesamt mehr als 370 Menschen ums Leben. Die regierende Kongresspartei, die sich in der Innenpolitik vor allem um die Bekämpfung der Armut bemüht hatte, gewann an der Spitze des Wahlbündnisses United Progressive Alliance die Parlamentswahlen 2009 mit deutlicher Mehrheit. Dagegen mussten die BJP sowie die regional ausgerichteten Parteien Stimmenverluste hinnehmen.
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