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LEXIKON

Kschmir

Flagge von Kaschmir (Indischer Teil)
Flagge von Kaschmir (Pakistanischer Teil)
ehemaliges Himalayafürstentum, seit 1947 zwischen der Indischen Union und Pakistan umstritten und aufgeteilt. Zum indisch besetzten Gebiet (amtlich Jammu and Kashmir) gehören 101 387 km2 mit rund 8,4 Mio. Einwohnern; zum pakistanisch besetzten Teil (Azad Kashmir) 83 888 km2, 1,3 Mio. Einwohner. Ein kleineres Gebiet im Osten (rund 37 000 km2) wird von China verwaltet. Als Hauptstadt für das gesamte Kaschmir gilt das auf indischem Gebiet liegende Srinagar.
Kaschmir besteht aus den Gebieten von Punch und Jammu im Himalayavorland, dem Vorgebirgszug Pir Panjal, dem Tal von Kaschmir am Jhelum, der Kernlandschaft, Indus-Kohistan mit Gilgit, dem Haupthimalaya mit dem Nanga Parbat, dem Karakorum und den zwischengelagerten Landschaften Baltistan und Ladakh. Die Region ist stark erdbebengefährdet. Die überwiegend muslimische Bevölkerung besteht aus dem Hinduvolk der Kaschmiri und afghanischen und mongolischen Stämmen. In den fruchtbaren, klimatisch geschützten Tälern werden Reis, Mais, Weizen, Ölfrüchte, Obst, Gewürze angebaut; in höheren Lagen werden Viehzucht und Waldwirtschaft betrieben. Berühmt sind die Schals und Teppiche aus Ziegenwolle. Neuerdings werden Uhren und Telefone hergestellt; der Tourismus hat durch die Unruhen in den 1990er Jahren und durch das Erdbeben 2005 stark gelitten.

Geschichte

Als ursprünglich buddhistisches Land wurde Kaschmir bis 1346 von Hindukönigen, dann von islamischen Herrschern regiert und 1586 dem Mogul-Reich eingegliedert. 1846 kam es unter britische Oberhoheit. Bei der Teilung Britisch-Indiens 1947, die nach Religionszugehörigkeit erfolgte, wurde Kaschmir zum Streitobjekt, weil der hinduistische Raja Hari Singh den Anschluss des überwiegend islamischen Landes an die Indische Union erklärte; im darauf folgenden Kaschmir-Konflikt besetzte Indien 60%, Pakistan 40% des Landes. 1949 wurde von den UN eine Demarkationslinie ausgehandelt. Die von den UN vorgesehene Volksabstimmung über die Zugehörigkeit des Gebietes fand nicht statt. Eine Verhandlungslösung kam nicht zustande. 1965 brach zwischen Indien und Pakistan erneut ein bewaffneter Konflikt um Kaschmir aus. Nach sowjetischer Vermittlung unterzeichneten beide Parteien im Januar 1966 ein Waffenstillstandsabkommen. 1971 kam es im Rahmen des indisch-pakistanischen Kriegs um Bangladesch auch zu Kampfhandlungen an der Waffenstillstandslinie in Kaschmir. Seit den 1980er Jahren häuften sich im indischen Teil Kaschmirs Auseinandersetzungen zwischen Widerstandsgruppen unterschiedlicher Ausrichtung und der indischen Armee. Nach Massendemonstrationen verhängte die indische Regierung 1990 den Ausnahmezustand. Nachdem im Mai 1999 von Pakistan unterstützte muslimische Separatisten Gebiete im indischen Teil Kaschmirs besetzten, eskalierte der Konflikt erneut. Erst auf US-amerikanischen Druck hin veranlasste die pakistanische Regierung im Juli 1999 den Rückzug der Rebellen. Das erfolglose indisch-pakistanische Gipfeltreffen im Juli 2001 offenbarte die prinzipiellen Differenzen der beiden Atommächte im Kaschmirkonflikt, in dem Indien der pakistanischen Seite Unterstützung für die grenzüberschreitenden Aktionen islamistischer Terroristen anlastete und sich gegen die von Pakistan angestrebte Internationalisierung einer Konfliktlösung wandte. Das Kaschmirproblem blieb angesichts der zunehmenden Aktivitäten islamistischer Rebellen und der fortgesetzten militärischen Spannungen zwischen Indien und Pakistan (wiederum 2002/03) stark belastet. Im November 2003 einigten sich die beiden Staaten auf eine Waffenruhe in Kaschmir; darüber hinaus kam es im Januar 2004 zu einer indisch-pakistanischen Annäherung und der gemeinsamen Erklärung, den Kaschmirkonflikt friedlich lösen zu wollen. Ein sichtbarer Erfolg war im April 2005 die Öffnung der Line of Contro für die Einweihung einer Busverbindung zwischen den beiden Teilen Kaschmirs. Weitere diplomatische Initiativen zur Beilegung des Konflikts wurden seither jedoch immer wieder durch Terroranschläge gestört. - Am 8.10. 2005 wurde Kaschmir, v.a. der pakistanische Teil, von einem schweren Erdbeben erschüttert, das Zehntausende Tote forderte.
Kaschmir-Konflikt (1965)
Kaschmir-Konflikt (1965)
Zahlreiche Menschen fielen dem Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan im September 1965 zum Opfer.
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