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Sträucher – zierend und nährend

Sträucher könnte man in gewisser Weise als Bäume ohne Stamm bezeichnen, denn ihre Triebe verzweigen sich gleich über dem Erdboden und bilden so die buschige Gestalt. Die kompakte Wuchsform und ihre eher bescheidene Höhe von meist weniger als fünf Metern macht sie deutlich unempfindlicher gegen Wind und Sturm als Bäume. Ihre Lebensdauer aber ist kürzer – sie liegt gewöhnlich im Bereich von Jahrzehnten.

Besonders winzig, teils nicht mehr als zehn Zentimeter hoch, bleiben Zwergsträucher. Weil sie oft nur ihre Blätter präsentieren, erkennt man sie auf den ersten Blick kaum als Holzgewächse. Erst bei näherem Hinsehen lassen sich die verholzten Triebe entdecken. Solche Zwergsträucher wie z. B. die Krautweide (Salix herbacea) oder verschiedene Arten der Erikagewächse kann man oft im Gebirge oberhalb der Baumgrenze oder in den baumlosen Zonen der Arktis antreffen.

Halbsträucher kommen dagegen vor allem in den warmgemäßigten Klimazonen der Erde vor. Bei ihnen verholzen nur die nahe am Erdboden liegenden Teile, während die Sprossspitzen krautig bleiben. Sie überdauern die kalte Jahreszeit oberirdisch, sind aber nicht gegen extreme Kälte gefeit. Im eher kühlgemäßigten Mitteleuropa können sie zuweilen auch einmal kalt erwischt werden, so dass überirdische Teile erfrieren und mit ihnen die ganze Pflanze zugrunde geht. Manche Pflanzenfamilien wie die an Duft- und Gewürzpflanzen reichen Lippenblütler umfassen viele mehr oder weniger stark verholzende Arten, bei denen der Übergang von Sträuchern zu Halbsträuchern und Stauden fließend sein kann. Das gilt besonders für Lavendel und Salbei, die in der warmgemäßigten Region rund um das Mittelmeer verbreitet sind.

Lässt man Sträucher ungestört wachsen, bilden sie über kurz oder lang einen der wertvollsten und zugleich am stärksten gefährdeten Lebensräume unserer Kulturlandschaft: eine Hecke. Die Hälfte aller einheimischen Säugetierarten, alle Reptilien und ein Fünftel unserer Vogelarten sind auf Hecken angewiesen. Hecken waren einst ein wichtiges Element der Landschaft. Sie dienten zur Abgrenzung von Feldern, schützten die Feldfrüchte vor Vieh und Wildtieren, lieferten Brennholz und Wildfrüchte und hielten in offenen Landschaften den Wind ab. Mit dem Aufkommen der Maschinen und der Intensivlandwirtschaft wurden die meisten jedoch gerodet und damit ging auch wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren.

Weiden: In Auen und an Bächen

Welche Weide bringt die Weidenkätzchen hervor?

Die Salweide (Salix capresa). Die bekannten, silbrig schimmernden Kätzchen erscheinen bereits im Vorfrühling und sind als eines der ersten Futterangebote bei Bienen sehr beliebt. Es sind männliche Blüten, wie an dem gelben, in Überfülle produzierten Blütenstaub unschwer zu erkennen ist. Da Weiden zweihäusige Pflanzen sind, sitzen die weiblichen Blüten an einem anderen Baum. Im Sommer entwickeln sich die reifen Samen, die einen flaumigen, weißen Haarschopf tragen und mit dem Wind verbreitet werden.

Übrigens: Die häufigste und größte heimische Weide ist die Silberweide (Salix alba). Der bis zu 25 Meter hohe Baum trägt die auch für andere Weidenarten typischen schmalen, lanzettförmigen Blätter, die auf der Unterseite dicht mit seidigen Härchen besetzt sind. Weht der Wind durch die Zweige, leuchten die Blätter silbrig auf, was der Art ihren Namen eingebracht hat.

Wie passen sich Spalierweiden an ihre Lebensräume an?

Zunächst durch ihren ungewöhnlichen Wuchs. Spalierweiden haben sich recht unwirtliche Gebiete, nämlich die Arktis und das Hochgebirge, als Standorte ausgewählt. Um sich zu schützen, kriechen ihre Äste am Erdboden entlang. Für den Laien sind die flach wachsenden, wie Sträucher aussehenden Pflanzen deshalb kaum als Weiden, geschweige denn als Bäume zu erkennen. Alle Spalierweiden wachsen zudem äußerst langsam und entwickeln in den kurzen Bergsommern nur sehr schmale Jahresringe. Die unscheinbaren Pflanzen können über 100 Jahre alt werden.

Zu den Spalierweiden gehört beispielsweise die Netzweide (Salix reticulata), deren Spross fest am Boden anliegt und nur etwa acht Zentimeter hoch wird. Die dunkelgrünen Blätter sind auf der Oberseite auffällig geädert, die Unterseite ist netzartig mit weißen Härchen bedeckt – ein perfekter Schutz vor Kälte und Wasserverlust. Noch kleiner und dichter am Boden wächst die Krautweide (Salix herbacea), die bereits einen Übergang von strauchigen Formen zum krautigen Wuchs zeigt. Ihr verholzter Spross entwickelt sich im Erdboden, oberirdisch sind lediglich die Spitzen der Seitensprosse zu sehen.

Was sind Kopfweiden?

Gestutzte Weiden, die an den Schnittstellen besonders viele Ruten hervorbringen. Mit der Zeit verdicken sich die Stammenden der Weiden kopfartig, weswegen man sie mit dem Begriff »Kopfweide« belegte. Im Prinzip lässt sich dieses Verfahren bei vielen Weidenarten anwenden, doch wurden wüchsige, baumförmige bevorzugt. Meist sind es Silberweide (Salix alba), Bruch- oder Knackweide (Salix fragilis) sowie Korbweide (Salix viminalis), die man in alten Kopfweidenbeständen antrifft. Solche inzwischen meist hohl gewordenen Baumgreise findet man in vielen Niederungstälern Hollands, Deutschlands und Englands.

Welches Schmerzmittel verdanken wir der Weide?

Das Aspirin©, denn es enthält als Wirkstoff Acetylsalicylsäure, die auf der Salicylsäure der Weidenrinde beruht. Um die Heilwirkung der Weide weiß man seit Jahrtausenden. Schon der griechische Arzt Hippokrates (460–375 v. Chr.) empfahl sie gegen Rheuma. Tee aus Weidenrinde wurde auch gegen Fieber oder Malaria, die bis zur großflächigen Trockenlegung von Sümpfen auch in Mitteleuropa häufig aufgetreten ist, verabreicht. Als Medizin gegen Sumpffieber wurde sie ab dem 18. Jahrhundert erfolgreich eingesetzt: Damals hatte man festgestellt, dass Weidenrinde ähnlich bitter schmeckt wie die peruanische Chinarinde, die den Wirkstoff Chinin enthält.

Heute werden Zubereitungen aus Weidenrinde vor allem bei chronischen Schmerzen wie etwa Rückenschmerzen oder rheumatischen Beschwerden gegeben.

Lassen sich aus allen Weidenarten Körbe flechten?

Nein, denn nur gleichmäßig gewachsene, schlanke, aber stabile und schön gefärbte Ruten, wie sie etwa die Bruchweide liefert, eignen sich zum Fertigen hochwertiger Korbwaren. Hierzu zählten früher neben Körben für alle Zwecke z. B. auch Wannen, Kinderwiegen, Geschosskörbe für das Militär oder Stühle. Teilweise wurden die Ruten vor dem Flechten geschält und zu den edleren Weißkorbwaren verarbeitet. Minderwertige Ruten wurden zum Aufbinden von Weinreben verwendet. Eine ganz andere wirtschaftliche Nutzung fanden die Weidenreiser beim Bau von Fachwerkhäusern: Gemeinsam mit Lehm und Häcksel verwendete man sie zum Füllen der Gefachwände.

Weshalb sind Kopfweiden schützenswert?

Ihre Hohlräume bieten wertvolle Unterschlupfmöglichkeiten für viele Tierarten. So ist offenbar das Schicksal des selten gewordenen Steinkauzes in einigen Teilen Europas untrennbar mit dem Vorhandensein alter Kopfweiden verbunden. In Nordrhein-Westfalen etwa beschränkt sich sein Vorkommen nur noch auf wenige Gebiete mit altem Kopfweidenbestand. Auch zahlreiche Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) siedeln sich auf den Bäumen an. Nicht selten sieht man Misteln (Viscum album) oder sogar Wildrosen wie die Feldrose (Rosa arvensis), die in luftiger Höhe auf dem Kopf einer alten Weide wachsen.

Wussten Sie, dass …

man Weidenkätzchen nicht pflücken sollte? Das ist zwar nicht mehr verboten, aber sie sind eine frühe Nahrungsquelle für Bienen.

Kopfweiden im Volksglauben mit unheimlichen Geistern und Hexen in Verbindung gebracht wurden? So sollten Hexen angeblich als junge Mädchen in den hohlen Weiden verschwinden, um später als fauchende Katzen wieder daraus hervorzuspringen.

der Gattungsname Salix auf die Wuchsfreudigkeit der Weiden hinweist? Er kommt von dem lateinischen Verb salire, das »springen« bedeutet.

Flieder und Konsorten: Beliebte Ziersträucher

Wann blüht der Winterjasmin?

Die kleinen, leuchtend gelben Blüten des Winterjasmins (Jasminum nudiflorum) erscheinen – worauf sein Name schon hindeutet – bereits in der kalten Jahreszeit und bringen so etwa ab Dezember einige Farbtupfer in das oft eintönige Grau des Winters. Der bis zu drei Meter hohe, aus Nordchina stammende Strauch ist die einzige Art der Gattung, die winterhart und zudem gegen Luftverschmutzung recht resistent ist. Er bildet lange, biegsame Triebe aus und wird daher gern zur Begrünung von Wänden und Mauern verwendet.

Was ist am »Falschen Jasmin« falsch?

Er gehört nicht zur Gattung Jasminum. Der Name »Falscher Jasmin« ist allerdings keineswegs eindeutig: Ihn tragen nämlich gleich mehrere Arten verschiedener Gattungen, z. B. die immergrüne, giftige Kletterpflanze Gelsemium sempervirens. Vorderhand jedoch bezeichnet man mit diesem Namen den Pfeifenstrauch (Philadelphus), dessen Gattung rund 60 Arten sommergrüner Sträucher aus gemäßigten Regionen umfasst, die primär in Ostasien und Nordamerika beheimatet sind.

Die meist anspruchslosen Kultursträucher werden bis zu drei Meter hoch, haben eiförmige, bis zu zehn Zentimeter lange Blätter und hübsche weiße, vierblättrige, in lockeren Büscheln stehende Blüten, deren Duft an blühende Orangen erinnert. Besonders stark riechen die Blüten der Züchtung Philadelphus ’Lemoinei‘ sowie des Mexikanischen Pfeifenstrauches (Philadelphus mexicanus).

Weshalb zählt Flieder zu den beliebtesten Gartenpflanzen?

Wegen seiner meist in aufrechten Rispen stehenden, herrlich duftenden Blüten. Die Blütenfarben des Flieders (Gattung Syringa), der zu den ältesten und beliebtesten Gartenpflanzen zählt, variieren von tiefem Violettblau über zahlreiche Rosatöne bis hin zu Weiß und Cremefarben. Bei uns wohl am bekanntesten ist der aus Südosteuropa stammende Gemeine Flieder oder Wildflieder (Syringa vulgaris), der in veredelten Sorten angeboten wird. Eine der besten Sorten für Treiberei und Freiland ist auch heute noch »Mme. Lemoine« mit ihren reinweißen, gefüllten und spät erscheinenden Einzelblüten, die in einer dichten, großen Rispe stehen. Der Gemeine Flieder wurde bereits im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa eingeführt und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch begann man mit der Fliederzüchtung, um die sich nach 1918 speziell Amerika und nach 1945 besonders Holland verdient gemacht haben.

Übrigens: Nicht verwechselt werden darf der Gemeine Flieder mit dem Gewöhnlichen Sommerflieder oder Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii). Letzterer, eine eigene Art, sieht Ersterem nicht nur in der Färbung, sondern auch von der Gestalt her sehr ähnlich; allerdings sind die Blütenrispen kleiner. Der Sommerflieder lockt Schmetterlinge und zahlreiche andere Insekten an, die sich an seinem reichlichen Nektar laben. Die Schönheit der Blüten sowie die Anspruchslosigkeit der Pflanze ließen den Sommerflieder schnell zu einer beliebten Gartenpflanze werden.

Welche Pflanze verbirgt sich hinter dem »Deutschen Flieder«?

»Deutscher Flieder« ist einer der zahlreichen volkstümlichen Namen für den weit verbreiteten Schwarzen Holunder (Sambucus nigra), der zu der eigenen Gattung der Moschuskrautgewächse gehört, die etwa 25 Arten umfasst. Die Zweige dieser z. B. auch Holler oder Holder genannten Pflanze sind mit weißem Mark gefüllt, ihre Blätter gegenständig, unpaarig gefiedert und gesägt. Von Mai bis Anfang Juni erscheinen rahmweiße, schirmförmige Blütenstände, deren eigenwilliger Duft zahlreiche Bestäuber, darunter vor allem Fliegen, anlockt. Ein Auszug aus den Blüten verleiht sommerlichen Getränken einen interessanten süßen Geschmack; ferner können die Blütenschirme in Teig ausgebacken als »Hollerkücherl« serviert werden.

Wie giftig ist Liguster?

Sehr giftig, denn fünf Beeren dieser Pflanze können bereits zu heftigem Erbrechen, Durchfällen und Krämpfen, eventuell auch zu Kreislauflähmung führen. Die Beeren, aber auch Blätter und Rinde des Ligusters enthalten verschiedene Giftstoffe, z. B. den Farbstoff Ligulin, das Glucosid Ligustrin sowie die Bitterstoffe Syringopicrin und Ligustron. Die Gifte wirken bereits, wenn man nur äußerlich mit ihnen in Kontakt gerät: Sie verursachen Hautreizungen. Am bekanntesten dürfte der in Nordafrika, aber auch bei uns heimische Gemeine oder Europäische Liguster (Ligustrum vulgare) sein: Die im Volksmund auch unter den Namen Rainweide, Hartriegel, Teufelsbeere, Tintenbeere, Vogelbeere oder Zaunweide geläufige Pflanze wächst als dichter, bis zu vier Meter hoher, winterharter Strauch. Die gegenständigen oder zu dritt stehenden, kurz gestielten lederartigen Blätter haben eine länglich lanzettliche Form und werden im Winter abgeworfen.

Übrigens: Die Gattung Ligustrum bietet rund 50 Arten robuster, anpassungsfähiger Sträucher und Bäume, die primär in Süd- und Ostasien sowie in Australien vorkommen.

Weshalb wird Liguster trotz seiner Giftigkeit sehr geschätzt?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen sind die sommer- oder immergrünen Pflanzen als Hecken gern gesehen, da sie sehr schnell wachsen und sich daher auch von einem kräftigen Rückschnitt rasch erholen. Zum anderen erscheinen im Sommer zahllose kleine, weiße, oft stark duftende Blüten, die nicht nur dem Heckenbewuchs ein attraktives Aussehen verleihen, sondern auch von Bienen gern besucht werden. Des Weiteren entwickeln sich aus den Blüten kugelige oder längliche, glänzend schwarze, bei Vögeln sehr begehrte Beeren. Früher wurde außerdem der dunkelrote Saft der Früchte zum Färben von Wein verwendet.

Wann blüht der Seidelbast?

Schon sehr früh. Bereits im Vorfrühling überziehen sich die Zweige des Gewöhnlichen Seidelbasts (Daphne mezereum) noch vor der Blattentwicklung mit Blüten, die in Gruppen zu meist je drei in den Achseln vorjähriger Blätter stehen. Bienen finden in den rosafarbenen, sehr stark duftenden Blüten reichlich von der zu dieser Jahreszeit noch sehr spärlich angebotenen Nektarnahrung. Wegen seiner hübschen und frühen Blüte gilt der Gewöhnliche Seidelbast außerdem als beliebter Gartenstrauch.

Übrigens: Auf die Bedeutung des Seidelbasts für Bienen weist bereits sein Name hin. Aus der alten Bezeichnung für Imker, »Zeidler«, hat sich zunächst der Name Zeidelbast entwickelt, der dann schließlich zu Seidelbast geworden ist.

Welche Rolle spielt Seidelbast in der Medizin?

Zurzeit kommt der Seidelbast nur in der Homöopathie zum Einsatz: Dort fungiert er unter dem Namen »Mezerum« als Mittel gegen Hauterkrankungen. In der Volksmedizin verwendete man früher die giftige Pflanze – in deren Rinde beispielsweise das Glykosid Daphnin und in deren Früchten das harzartige Mezerein enthalten ist – gegen zahlreiche Beschwerden: Man therapierte damit z. B. Kopf- und Zahnschmerzen, setzte sie gegen Syphilis, Gicht und Rheuma ein, außerdem gegen Verstopfung und Wurmbefall. Ferner wurde sie genutzt, um Hautkrankheiten wie Milchschorf oder Gürtelrose zu behandeln. In jüngster Zeit untersucht man die Wirkung von Seidelbast gegen Leukämie, nachdem sich in Tierversuchen bestimmte Formen dieser Krankheit eindämmen ließen.

Die Giftwirkung der Pflanze ist nicht zu unterschätzen: So sollen für Erwachsene etwa zehn und für Kinder bereits zwei bis drei der Früchte des Seidelbasts tödlich sein. Erste Vergiftungserscheinungen äußern sich durch brennendes Kratzen im Mund, Gesichtsschwellungen, heftige Kopfschmerzen sowie Magen- oder Darmbeschwerden. Auch homöopathisch sollte man Seidelbast deshalb immer nur unter ärztlicher Kontrolle anwenden.

Wie kam die Zaubernuss zu ihrem Namen?

Der extravagante Name lässt erahnen, dass es sich bei den Vertretern der Gattung Zaubernuss (Hamamelis) um Gewächse mit außergewöhnlichen Eigenschaften handeln muss. Am auffälligsten sind die Blüten, die bereits im Winter am kahlen Holz erscheinen; wenige Sonnenstunden am Tag reichen aus, damit sich die bandartigen, knittrigen Blütenblätter entrollen. Herrscht Frost, kringeln sie sich zusammen. So ertragen die Blüten Temperaturen bis zu –15 °C. Sterben sie nach strengeren Frösten ab, nehmen bei milderem Wetter neue Blüten ihre Stelle ein, denn stets stehen mehrere Knospen zusammen. Bei Bienen und Schwebfliegen sind sie als frühe Nektarspender begehrt.

In welchen Bereichen wird Jasminöl genutzt?

Das aus den Blüten von Jasminum sambac und Jasminum officinale gewonnene Jasminöl spielt nicht nur in der Parfümherstellung eine große Rolle, sondern wird auch medizinisch eingesetzt. Aromatherapeuten beispielsweise verwenden es zur Behandlung von Störungen des Nervensystems, Menstruationskrämpfen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Depressionen, Muskelverspannungen und Geburtswehen; außerdem gilt Jasminöl als hervorragendes Aphrodisiakum.

Ferner benutzt man es bei der Meditation, da man davon ausgeht, dass es gleichzeitig auf das sog. Bauch-, Herz- und Kronenchakra wirkt.

Wussten Sie, dass …

die heimische Berberitze im 17. Jahrhundert von den Menschen ganz bewusst ausgerottet wurde? Sie ist der Zwischenwirt des gefürchteten Getreiderosts (Puccinia graminis), einer Pilzkrankheit, die in kurzer Zeit die ganze Ernte vernichten kann.

die Früchte des Seidelbasts von Vögeln verbreitet werden? Nach der Befruchtung entstehen aus den Blüten leuchtend rote Steinfrüchte mit je einem schwarzen Samen. Drosseln, Hänflinge und Rotkehlchen fressen die erbsengroßen Früchte gern und sorgen so für deren Verbreitung.

Seidelbast eine Charakterpflanze der Bergwälder Europas ist? In den Alpen wächst er bis in Höhen von 2000 Metern. Der kleine, spärlich verzweigte, Laub abwerfende Strauch gedeiht auf nährstoffreichem, kalkhaltigem Boden.

Wem verdankt das Pfaffenhütchen seinen Namen?

Der Form seiner Früchte, die an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher erinnert. Volkes dreiste Stimme fand darüber hinaus eine Reihe wenig gesitteter Namen für die Früchte, etwa Pfaffensäckel, Hahnhoden oder Haseneier. Das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus var. europaeus) ist zweifellos das bekannteste Spindelbaumgewächs. Der sommergrüne Strauch oder kleine Baum wächst in Laubwäldern wie in Gebüschen und wird in Gärten gern in gemischten Hecken gepflanzt. Sein Erscheinungsbild ist die meiste Zeit über eher schlicht – im Herbst jedoch leuchten die Früchte weithin sichtbar auf. Zunächst sind nur die rosenroten, vierkantigen Kapseln zu sehen. Sie platzen aber bald auf und bringen die Samen zum Vorschein. Diese sind von einem knallig orangefarbenen Samenmantel, einem sog. Arillus, eingehüllt und hängen an einem dünnen Faden aus der Kapsel heraus.

Wussten Sie, dass …

die Gartenforsythie aus Asien stammt? Die gelb blühenden Sträucher wachsen dort vor allem in offenen Gebüschformationen.

man Holunderbeeren nicht roh verzehren sollte? Ihr Genuss führt zu Brechreiz und Durchfall. Gekocht als Sirup, Saft oder Gelee sind die vitaminhaltigen Beeren jedoch eine Bereicherung des Speiseplans.

Rhododendron: Aus dem Hochgebirge in den Garten

Wo ist die Heimat der Rhododendren?

Die meisten der weltweit etwa 1000 Arten der Gattung Rhododendron stammen aus Asien, aber auch in den Alpen finden sich einige niedrigwachsende Arten.

In Europa sind acht Arten heimisch. So gedeihen z. B. in den Zwergstrauchheiden der subalpinen Stufe der Alpen die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) und die Raublättrige Alpenrose (Rhododendron hirsutum). Eine seltene und geschützte Art ist die 30 Zentimeter hohe und rosa blühende Zwergalpenrose (Rhodothamnus chamaecistus). Sie bevorzugt Felsspalten und Felsschutt auf Kalkstein und findet sich bis in über 2000 Metern Höhe.

Die in Asien beheimateten Rhododendronarten besiedeln die Hänge der Gebirge Indiens, Nepals, Tibets, Bhutans, Myanmars und des südwestlichen China. Die unterschiedlichen Arten gedeihen nicht alle in den Waldstufen, etliche finden vielmehr auch über der Waldgrenze bis in fast 6000 Meter Höhe ideale Wachstumsbedingungen. Die größte Artenvielfalt jedoch ist bei etwa 3000 Metern Höhe zu finden; sowohl unterhalb von 2500 Metern als auch oberhalb von 4500 Metern nimmt die Artenzahl rasch ab.

Wie kamen wild wachsende Rhododendren in Europas Gärten?

Sie wurden kultiviert. Vornehmlich die Engländer begannen im 17. Jahrhundert wegen der Schönheit der Blüten, Rhododendren anzupflanzen. Zunächst wurde die in den Alpen heimische Behaarte Alpenrose (Rhododendron hirsutum), die erste überhaupt beschriebene Rhododendronart, 1656 in England in Kultur genommen. Etwa 100 Jahre später entdeckten die Siedler in Amerika neue Exemplare der Gattung, ebenso fanden Pflanzensammler in Südeuropa und Kleinasien weitere Arten, so dass Gärtner und Züchter Anfang des 19. Jahrhunderts schon etwa zwölf Arten zogen.

Doch der eigentliche Siegeszug des Rhododendrons in Europas Gärten begann, als im 19. Jahrhundert Asiens gewaltige Artenvielfalt die Palette erweiterte. Mehr als 40 neue Arten brachte der Engländer Sir Joseph Hooker (1817–1911) im Jahre 1850 von einer Expedition in die indische Provinz Sikkim im östlichen Himalayagebiet mit, darunter Rhododendron griffithianum, der durch seine beeindruckend großen Blüten besticht. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts französische Missionare nach China zogen, brachten sie viele weitere Arten aus den chinesischen Provinzen Yunnan und Sichuan mit. Zu den eifrigsten Rhododendron-Sammlern gehörte der Schotte George Forrest (1873–1932), denn ihm sind über 100 neue Arten zu verdanken, die in den Westen gelangten.

Ist die Alpenrose eine Rose?

Nein, sie gehört zu den Rhododendren. Ihren Namen haben die Raublättrige und die Rostrote Alpenrose von der Beschaffenheit ihrer Blätter: Die drei bis sechs Zentimeter langen Blätter der Letzteren sind an der Unterseite anfangs gelblich, später rostrot gefärbt, die mit eins bis 3,5 Zentimeter Länge kleineren Blätter der Ersteren sind an den Rändern mit borstigen Wimpern besetzt. Die purpurroten Blüten der Rostroten Alpenrose öffnen sich von Mai bis Juli, die Raublättrige Alpenrose blüht von Juni bis August rosarot, selten auch weiß. In der Blütezeit bieten die Pflanzen einen wundervollen Anblick, da sie regelrechte Dickichte bilden. Gerade deswegen sind sie aber bei den Alpenbauern nicht wohlgelitten: Da sie sich schnell ausbreiten, vom Weidevieh jedoch nicht gefressen werden, machen sie so manches Stück Weideland unbrauchbar.

Die Rostrote Alpenrose wächst auf Silikatgestein und kann über 100 Jahre alt werden. Sie ist empfindlich gegenüber Trockenheit und überdauert den Winter nur unbeschadet, wenn eine ausreichend dicke Schneedecke sie schützt. Die Raublättrige Alpenrose findet man auf Kalkgestein der Kalkalpen in 1500 bis 2500 Metern Höhe. Auch sie braucht ausreichenden Schneeschutz und bevorzugt trockene Böden auf offenen, sonnenwarmen und windgeschützten Steinhalden. Ihre abgeworfenen Blätter verrotten nur langsam, wodurch der Boden unter der Pflanze im Laufe der Zeit zu einem an der Oberfläche versauerten Rohhumus wird.

Können Rhododendren als Arznei verwendet werden?

Ja, Rhododendron anthopogon. Die Blätter dieser Rhododendronart enthalten ein duftendes Öl, das durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten Blättern gewonnen wird. In Kaschmir, Nepal, Bhutan und dem indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh setzt man das Öl gegen Muskel- und Gelenkschmerzen sowie bei rheumatischen Beschwerden ein. Die Einheimischen nutzen darüber hinaus die getrockneten Blätter von Rhododendron anthopogon als Räuchermittel, dem sie eine reinigende und schützende Kraft zuschreiben. Aber auch hierzulande kann man das aromatische Öl kaufen und in Duftlampen verdampfen oder als Saunaaufguss nutzen.

Wussten Sie, dass …

Rhododendren auch auf Bäumen wachsen? So findet man z. B. von Ostnepal über Sikkim und Bhutan bis nach Südosttibet in 1500 bis 2500 Metern Höhe u. a. auf Eichen den Rhododendron dalhousiae, der 15 Zentimeter große, prächtige, weiß und rosa gestreifte Blüten aufweist.

Gärtner Rhododendren wie z. B. auch Heidelbeeren und Erika zu den sog. Moorbeetgewächsen zählen? Diese benötigen einen sauren Boden: Der pH-Wert sollte zwischen 4,5 und 5,5 liegen.

Wild- und Gartenrosen: Jede eine Königin der Blumen

Wo entstanden die Gartenrosen?

Alten Schriften zufolge waren es die Chinesen, die 2700 Jahre v. Chr. erstmals Rosen in den Garten holten. Die früheste Abbildung einer Rose stammt allerdings aus Kreta: Ein etwa 3500 Jahre altes Fresko beweist, dass der schöne Strauch auch in Griechenland schon früh kultiviert wurde. Meist handelte es sich dabei um Essigrosen (Rosa gallica), die in Mittel- und Südeuropa bis nach Westasien verbreitet sind.

Wie viele andere Pflanzen auch eroberte die Rose nach Griechenland das alte Rom, wo sie eine wahre Hoch-Zeit erlebte. Unter Kaiser Nero und seinen Nachfolgern feierte man keine Orgie ohne verschwenderischen Blumenschmuck aus unzähligen Rosenblüten. Der Höhepunkt jeden Festes waren von der Decke regnende Blüten – sogar von unter Blumenmassen erstickten Gästen ist zu lesen. Bei den Römern zum verrufenen Massenprodukt verkommen, hatte es die Rose im frühen Christentum nicht leicht. Erst während des Mittelalters und mit Beginn der Marienverehrung gelangte sie zu neuen Ehren. Der Gottesmutter ordnete man als Symbol des Paradieses blühende Rosenzweige zu, auch der Rosenkranz stammt aus dieser Zeit. Gleichzeitig festigte sich, scheinbar ohne Widerspruch zu ihrer kirchlichen Bedeutung, die Vorstellung von der Rose als Zeichen der Liebe. Was Griechen und Römer einst begonnen hatten, setzten die Ritter nun in ihren Minnesängen fort.

Wie viele Rosensorten gibt es?

Heute existieren über 30 000 verschiedene Sorten von der »Königin der Blumen«. Zum ersten Mal kam in die Rosenzüchtung Bewegng, als Kreuzfahrer die gefüllte Damaszenerrose (Rosa × damascena) von Syrien in das Abendland brachten. Erste Hybrid-Gruppen entstanden, ihnen folgten einige ebenfalls gefüllte Formen von Rosa × centifolia, der Hundertblättrigen Rose, deren Abstammung nicht bekannt ist.

Den endgültigen Startschuss für die heutige Sortenvielfalt gab allerdings erst die Chinarose (Rosa chinensis), als sie Ende des 18. Jahrhunderts aus China und Indien eintraf. Über Kreuzungen zwischen ihr und Damaszenerrosen entwickelten sich die jährlich mehrmals blühenden Bourbonrosen. In weiteren Züchtungsexperimenten entstanden die lange und üppig blühenden Remontantrosen und durch Einkreuzung der chinesischen Teerose (Rosa × odorata) erhielt man schließlich die ersten Edelrosen (Teehybriden). Die weitere Züchtung brachte die moderneren Polyantha- und Floribundarosen hervor. Neben diesem Hauptstrang der Entwicklung bildeten sich selbstverständlich noch andere Formen aus, etwa die vielerorts kultivierten Rugosa-Hybriden, die ihren Ursprung in der robusten, aus China stammenden Kartoffelrose (Rosa rugosa) haben.

Welche Wildrosen wachsen hierzulande?

Etwa 30 verschiedene Arten sind bei uns heimisch. Sie kreuzen sich oft untereinander, so dass sie manchmal nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Eine der bekanntesten ist die Hunds- oder Heckenrose (Rosa canina), die man in ganz Europa häufig an Weg- und Heckenrändern antrifft. Der ein bis drei Meter hohe Strauch, dessen lange Ranken sogar an Bäumen emporklimmen, schmückt sich im Juni mit hübschen weißen bis rosafarbenen, einfachen Blüten. Seine Triebe sind stark gekrümmt und mit hakenförmigen Stacheln und Borsten bestückt.

Eine rot blühende Verwandte der Heckenrose ist die Apfelrose (Rosa villosa). Sie liebt die Wärme und ist in trockenen Wäldern, an Südhängen und anderen sonnigen Stellen zu finden; allerdings ist sie sehr selten. Einen ähnlichen Standort liebt die Bibernell- oder Dünenrose (Rosa pimpinellifolia), deren Blätter auffällig gefiedert sind. Die Zweige des etwa einen Meter hohen Strauches sind sehr dicht mit geraden Stacheln besetzt. Aus den weißen, süßlich duftenden Blüten gehen schwarze, flachkugelige Früchte hervor.

Was sind Hagebutten?

Die Früchte der Rosen. Der Begriff Hagebutte entwickelte sich aus dem altdeutschen »Hagan« (dorniger Strauch) und »Butzen« (Bezeichnung für das Kerngehäuse des Apfels). Wie beim Apfel handelt es sich bei der Hagebutte um eine Sammelfrucht. Diesen Namen verdankt sie nicht der Tatsache, dass die Menschen sie einst als wichtiges Nahrungsmittel sammelten; er geht vielmehr darauf zurück, dass mehrere Samen in einer fleischigen Hülle »versammelt« sind. Je nach Art finden nur zwei bis drei große oder bis zu mehr als 100 kleinere Samen – bei der Rose Nüsschen genannt – in einer Frucht Platz.

Ob orange, rot, grün, braun oder schwarz, flachkugelig, rund, ei- oder birnenförmig – im Herbst hängen Früchte aller Farben und Formen im stacheligen Geäst und dienen vor allem Vögeln als wichtige Futterquelle. Mit vielen Mineral- und Gerbstoffen, vor allem aber einem hohen Gehalt an Vitamin C liefert die Hagebutte seit jeher auch für den Menschen noch spät im Jahr gesundes Obst: zum Rohessen, eingemacht als Marmelade oder getrocknet für den Teeaufguss. Übrigens sind die Hagebutten aller Rosen zum Verzehr geeignet, nicht nur die der wilden Arten.

Wussten Sie, dass …

der größte Rosengarten der Welt in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) liegt? Im 1903 eröffneten Europa-Rosarium kann man über 6500 Wild- und Gartenrosen bewundern.

die weiße Rose das Symbol für »Geheimnis« ist? Über einer Tür angebracht, signalisiert sie, dass man über das, was man sich »sub rosa« (lateinisch »unter der Rose«) erzählte, zu schweigen hat.

Rosenöl das teuerste ätherische Öl ist? Um ein Kilogramm zu erhalten, müssen etwa 3000 Kilogramm Rosenblüten, meist Damaszenerrosen, verarbeitet werden.

Gibt es Rosen ohne Dornen?

Ja, alle Rosen, denn Rosen haben keine Dornen, sondern Stacheln. Diese Stacheln werden von der äußeren Pflanzenhaut, der Epidermis, und den darunterliegenden Zellschichten aufgefaltet. Man kann Stacheln gewöhnlich sofort daran erkennen, dass sie sich anders als Dornen leicht abbrechen lassen. Dornen dagegen sind laut botanischer Definition entweder umgewandelte Blätter wie bei Berberitzen, Blattteile wie bei Disteln, Sprosse wie bei Schlehen (Prunus spinosa) oder sogar Wurzeln wie bei manchen Palmen.

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