Lexikon

Kultrkampf

die Auseinandersetzung zwischen dem Staat und der katholischen Kirche, die in Preußen und im Deutschen Reich seit 1871 geführt wurde. Der Ausdruck Kulturkampf stammt aus einem Wahlaufruf R. Virchows für die Fortschrittspartei („Kampf für die Kultur“).
Der Kulturkampf wurde ausgelöst durch die Frontstellung der katholischen Kirche gegen die liberale Staatslehre (Syllabus errorum 1864, Unfehlbarkeitsdogma 1870) und die oppositionelle Haltung der Zentrumspartei im neu gegründeten Deutschen Reich. Bismarck sah innenpolitische Gefahren durch eine Koalition von „Reichsfeinden“ und äußere Bedrohungen durch katholische Mächte. Seine Maßnahmen fanden Unterstützung bei den Liberalen. Die wichtigsten Schritte waren: im Reichstag Annahme des Kanzelparagraphen 1871 und des Jesuitengesetzes 1872; in Preußen 1871 Auflösung der katholischen Abteilung des Kultusministeriums, 1872 Annahme des Schulaufsichtsgesetzes (staatliche Aufsicht über alle Schulen), 1873 Verabschiedung der Maigesetze, die eine wissenschaftliche Vorbildung der Geistlichen mit staatlichem „Kulturexamen“ sowie eine Verstärkung der staatlichen Aufsicht über die Kirche vorschrieben. Wegen der von Papst Pius IX. unterstützten Weigerung der Katholiken, diese Gesetze anzuerkennen, wurden zahlreiche Bischöfe und Geistliche abgesetzt oder verurteilt. Im Mai 1875 folgte das Klostergesetz (Auflösung aller Klostergenossenschaften außer den krankenpflegerischen in Preußen); Einführung der Zivilehe 1874 in Preußen, 1875 im Reich; ferner die Sperrung der staatlichen Zuschüsse. Da die katholische Kirche ihren Widerstand behauptete und die Erbitterung der katholischen Bevölkerung sich in der wachsenden Stimmenzahl der Zentrumspartei ausdrückte, begann Bismarck nach dem Tod Papst Pius IX. mit Papst Leo XIII. Ausgleichsverhandlungen, so dass durch die Friedensgesetze von 1880 und 1887 der Kulturkampf beendet wurde. Von den Kulturkampfgesetzen blieben in Kraft: Aufhebung der katholischen Abteilung im preußischen Kultusministerium, Gesetze gegen Kanzelmissbrauch, über Schulaufsicht des Staates, Kirchenaustritt, Zivilehe und Staatsaufsicht über die Vermögensverwaltung der kirchlichen Gemeinden.
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