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LEXIKON

Neukantiansmus

Neokritizismus
in Deutschland, Frankreich, England u. a. Ländern im 2. Drittel des 19. Jahrhunderts einsetzende, in Deutschland als Gegenbewegung zum objektivistischen Materialismus entstandene und von Naturforschern (J. Müller, H. von Helmholtz) geförderte Bewegung zur Erneuerung der kantischen Philosophie. Es entwickelten sich zwei bedeutende Schulen: die Marburger Schule (H. Cohen, P. Natorp, E. Cassirer, K. Vorländer) und die Südwestdeutsche Schule, auch Badische oder Heidelberger Schule genannt (W. Windelband, H. Rickert, E. Lask, B. Bauch). Die Marburger Schule beschäftigte sich vor allem mit transzendentallogischen Untersuchungen und wissenschaftstheoretischen Problemen der exakten Wissenschaften. Die Südwestdeutsche Schule setzte sich insbesondere mit der Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften auseinander und unternahm Forschungen zur Werttheorie und Geschichte der Philosophie. Bis in die 1920er Jahre hinein war der Neukantianismus führend in der deutschen Philosophie, wirkte stark auf die protestantische Theologie, die Rechtswissenschaften und den Marxismus ein (Austromarxismus und Revisionismus) und wurde dann allmählich durch die Phänomenologie und die Existenzphilosophie abgelöst.
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