Lexikon

Schlüsselroman

französisch roman à clef
ein Roman, in dem die erdachten Personen und Ereignisse verschlüsselte (für den Eingeweihten aber durchschaubare) Darstellungen wirklicher Persönlichkeiten und Ereignisse sind. Besonders im Schäferroman der Barockliteratur war hinter dem idyllischen Geschehen oft eine Kritik oder Anspielung auf herrschende Zustände verborgen. In einer besonderen Bemerkung wird gelegentlich auch der nicht eingeweihte Leser auf die Beziehungen hingewiesen (im sog. „Schlüssel“). Beispiele für den Schlüsselroman: H. Murgers „Scènes de la vie de Bohème“; O. J. Bierbaums „Prinz Kuckuck“; E. Jüngers „Marmorklippen“; S. de Beauvoirs „Die Mandarins von Paris“. – Romane, die zwar auf Ereignissen der zeitgenössischen Geschichte aufbauen, deren Absicht aber nicht nur in der verschlüsselten Darstellung eben dieser Begebenheiten besteht, werden nicht als Schlüsselromane bezeichnet (z. B. Goethes „Werther“, T. Manns „Buddenbrooks“).
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