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Praxisorganisation neu gedacht: Wie digitale Prozesse den Arbeitsalltag in Arztpraxen erleichtern

Der Arbeitstag in einer Arztpraxis besteht zu einem erheblichen Teil aus Organisation. Termine werden verschoben, Rezepte nachgereicht, Befunde gesucht, Anrufe entgegengenommen, während im Wartezimmer die Sprechstunde weiterläuft. Vieles davon ist notwendig, manches davon ließe sich anders lösen. Dieser Beitrag zeigt, an welchen Stellen im Praxisalltag tatsächlich Zeit verloren geht, welche Abläufe sich sinnvoll digitalisieren lassen und worauf bei der Auswahl der Software zu achten ist.

Papier, Telefon und doppelte Dateneingaben kosten im Praxisalltag wertvolle Zeit. Digitale Prozesse können Abläufe vereinfachen und das Team entlasten.

Bild: Pavel Danilyuk / pexels

Wo die Zeit im Praxisalltag verloren geht

Der größte Einzelposten ist das Telefon. In vielen Praxen klingelt es zwischen acht und zehn Uhr fast durchgehend, und jede Terminvereinbarung bindet eine Kraft am Empfang, die in dieser Zeit niemanden im Raum bedienen kann. Dazu kommen Rückrufe wegen Rezepten, Überweisungen und Befundauskünften, die inhaltlich meist in zwei Sätzen erledigt wären.

Der zweite Posten ist die Suche. Unterlagen liegen teils digital, teils in Papierakten, teils im Faxeingang. Wer bei einer Rückfrage drei Systeme durchsehen muss, verliert pro Vorgang wenige Minuten, die sich über den Tag auf eine gute Stunde summieren. Der dritte Posten entsteht durch Doppelerfassung, wenn dieselben Stammdaten in Terminkalender, Karteikarte und Abrechnung getrennt gepflegt werden.

Was sich sinnvoll digitalisieren lässt

Nicht jeder Ablauf gewinnt durch Software. Diese Punkte entlasten in der Praxis am zuverlässigsten:

  • Online-Terminbuchung mit Anbindung an den bestehenden Praxiskalender
  • Automatische Terminerinnerung per SMS oder E-Mail gegen Nichterscheinen
  • Digitale Anamnesebögen, die Patienten vor dem Termin zu Hause ausfüllen
  • Rezeptanforderung über ein Formular statt über das Telefon
  • Zentrale Dokumentenablage mit Volltextsuche statt getrennter Ordner
  • Videosprechstunde für Befundbesprechungen ohne körperliche Untersuchung

Die Terminerinnerung wird dabei am häufigsten unterschätzt. Nicht wahrgenommene Termine kosten Behandlungszeit, die sich nicht nachholen lässt, und eine automatische Nachricht am Vortag senkt diese Quote spürbar, ohne dass jemand telefonieren muss.

Technik verändert die Sprechstunde

Die Digitalisierung reicht inzwischen bis in die Diagnostik. Die Frage, ob künstliche Intelligenz bald den Hausarzt ersetzt, wird in der Fachdiskussion mit einem klaren Nein beantwortet, weil das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient für den Behandlungserfolg entscheidend bleibt. Als Ergänzung ist die Technik dagegen längst angekommen. Für die Organisation gilt dasselbe Prinzip, denn Software nimmt Routine ab und ersetzt keine Entscheidung.

Die Auswahl der Praxissoftware

Im Zentrum steht das System, in dem alles zusammenläuft. Ein Praxisverwaltungssystem bündelt Terminkalender, Patientenakte, Dokumentation und Abrechnung an einer Stelle und entscheidet damit über die Qualität aller angeschlossenen Abläufe. Anbieter wie eterno setzen dabei auf eine Oberfläche, die ohne lange Einarbeitung bedienbar ist, was gerade beim wechselnden Personal am Empfang zählt.

Bei der Auswahl helfen vier Fragen. Wie viele Klicks braucht ein Standardvorgang, etwa eine Terminvergabe mit Anlage eines neuen Patienten. Lässt sich der Bestand aus dem alten System vollständig übernehmen. Wie schnell reagiert der Support an einem Montagvormittag. Und in welchem Format erhalten Sie Ihre Daten zurück, falls Sie den Anbieter wechseln.

Was die Telematikinfrastruktur vorgibt

Ein Teil der Digitalisierung ist verpflichtend und steht damit gar nicht zur Wahl. Die gematik beschreibt in ihrer Übersicht für Praxen, welche Anwendungen über die Telematikinfrastruktur laufen. Dazu zählen die elektronische Patientenakte mit Zugriff auf Vorbefunde und Diagnosen, das E-Rezept ohne handschriftliche Unterschrift und Papierausdruck, der Dienst KIM für den gesicherten Versand von Arztbriefen, Befunden und Röntgenbildern sowie ein Messenger für kurze Abstimmungen zwischen Praxen.

Für die Softwareauswahl folgt daraus eine harte Bedingung. Das System muss diese Anwendungen sauber unterstützen, und zwar ohne dass daneben ein zweites Programm geöffnet werden muss. Systeme, bei denen E-Rezept oder KIM als Insellösung danebenstehen, verlagern den Aufwand lediglich.

Was die Umstellung für das Team bedeutet

Software verändert Zuständigkeiten, und genau daran scheitern Einführungen häufiger als an der Technik. Wenn Termine künftig online eingehen, verschiebt sich Arbeit vom Telefon zur Kontrolle der Buchungen. Wenn Anamnesebögen digital ankommen, muss jemand sie vor dem Termin sichten. Diese neuen Aufgaben gehören benannt und zugewiesen, bevor das System startet.

Hilfreich ist außerdem eine Person im Team, die als erste Anlaufstelle für Rückfragen dient. Dafür eignet sich weniger die technikaffineste Fachkraft als jemand, der den Praxisablauf gut kennt und Rückmeldungen bündelt. Ohne diese Rolle landen alle Probleme entweder bei der Praxisleitung oder beim Support des Anbieters, und beides bremst.

Was Patienten davon merken

Für Patientinnen und Patienten zählt vor allem die Erreichbarkeit. Eine Terminbuchung, die abends um zweiundzwanzig Uhr funktioniert, ersetzt drei Anrufversuche am Vormittag. Wichtig bleibt dabei ein Weg für alle, die kein Smartphone nutzen. Eine Praxis, die den telefonischen Zugang abschafft, verliert genau die Gruppe, die sie am häufigsten braucht.

Datenschutz ist kein Anhang

Behandlungsdaten gehören zu den besonders geschützten Kategorien personenbezogener Daten. Daraus folgen konkrete Anforderungen. Der Zugriff wird über Rollen geregelt, nicht über ein gemeinsames Passwort am Empfang. Es gibt ein Löschkonzept mit Fristen, das die ärztlichen Aufbewahrungspflichten berücksichtigt. Und beim Einsatz eines externen Anbieters ist ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung erforderlich, ergänzt um die Frage, wo die Server stehen.

Die Einführung im laufenden Betrieb

Ein Systemwechsel bei geöffneter Praxis ist anspruchsvoll, aber machbar. Bewährt hat sich ein Termin am Quartalsende, weil die Abrechnung dann abgeschlossen ist. Vorher werden die Stammdaten bereinigt, danach läuft eine Woche mit reduzierter Terminlast. Wer stattdessen mitten im Quartal umstellt, verbringt den Rest des Quartals mit dem Abgleich zweier Datenbestände.

Bei aller Technik bleibt der Kern des Berufs unverändert. Der Lexikoneintrag zum Arzt beschreibt ihn als Heilbehandler und Sachverständigen mit staatlicher Approbation, gebunden an die Schweigepflicht. Digitale Werkzeuge ändern daran nichts, sie schaffen nur mehr Zeit für den Teil der Arbeit, für den die Ausbildung eigentlich gedacht war.

Fazit

Der Gewinn entsteht selten dort, wo die größte Software steht. Er entsteht an den Übergängen zwischen Telefon, Kalender, Akte und Abrechnung. Beginnen Sie mit dem Vorgang, der am häufigsten vorkommt, meist der Terminvergabe, und messen Sie den Effekt, bevor Sie den nächsten Schritt gehen. Prüfen Sie vor der Entscheidung die Unterstützung der Telematikanwendungen und das Exportformat Ihrer Daten. Beides entscheidet über die nächsten Jahre stärker als jede Funktionsliste.

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