Großes Wörterbuch der deutschen Sprache

Tourismus

Tou|rs|mus
[tu]
m.
,
, nur Sg.
Fremdenverkehr
Tourismus:
Der Begriff wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland für Fremdenverkehr und Auslandsreisen verwendet und ist dem französischen
tour
für „Umfang“, „Kreislauf“, „Fahrt“, „Reise“ entlehnt. Das ältere Wort
Touristik
hat die gleiche Bedeutung, wird aber seltener verwendet. Beide sind von
Tourist
abgeleitet, einem Wort, das es bereits Ende des 18. Jahrhunderts im Deutschen gab und das in der romantischen Reiseliteratur häufig anzutreffen ist.
Der
Tourismus
nahm in Deutschland mit dem so genannten Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts seinen Aufschwung, als alljährlich die „Reisewelle“ durch das Land zu schwappen begann. Längst ist er ein bedeutender Wirtschaftsfaktor auch in den zwischenstaatlichen Beziehungen geworden. Seit 1948 gibt es beispielsweise die „Deutsche Zentrale für Tourismus“, deren Hauptaufgabe die Werbung im Ausland ist. Welche Bedeutung der Tourismus gewonnen hat, zeigen auch die vielen Wortzusammensetzungen bei diesem Thema. So unterscheidet die
Tourismusbranche
zwischen
Massentourismus
(dessen Anfänge im tariflichen Urlaubsanspruch seit den Zeiten der Weimarer Republik und in der Ferienorganisation „Kraft durch Freude“ der Nationalsozialisten liegen),
Pauschaltourismus
und
Individualtourismus.
Je nach Ziel oder Art der Reise differenziert man unter anderem in
Städtetourismus, Skitourismus, Rucksacktourismus
oder
Abenteuertourismus.
Auf Schiffen oder in Flugzeugen reist man in der
Tourismusklasse.
Aufgrund der ökologischen und kulturellen Folgen des Tourismus, die seit den siebziger Jahren zunehmend in den Blickpunkt gerückt wurden, propagiert die
Tourismusindustrie
den
sanften Tourismus
, der auf die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten größere Rücksicht nimmt.
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