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COP27: Worum geht es bei der Weltklimakonferenz?

Am 6. November 2022 hat im ägyptischen Sharm el-Sheikh die diesjährige Weltklimakonferenz begonnen – unter in mehrfacher Hinsicht schwierigen Bedingungen. Denn Ukrainekrieg, Inflation und Probleme der Weltwirtschaft werden es nicht gerade einfacher machen, die zentralen Ziele des Gipfels zu erreichen. Zu diesen gehören die Nachbesserung der noch ungenügenden Klimaschutzpläne, die Anpassung an Klimafolgen vor allem in ärmeren Ländern und das Befüllen eines Fonds für diese Zwecke.
NPO, 07.11.2022
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Heiness, GettyImages

Die immer häufiger und intensiver werdenden Wetterextreme sprechen eine deutliche Sprache: Bisher hat die Menschheit es nicht geschafft, den Klimawandel und seine Folgen nennenswert zu bremsen oder aufzuhalten. Hitzewellen, Waldbrände und katastrophale Sturzfluten und Überschwemmungen treffen immer mehr Regionen und die letzten sieben Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Wo steht der Klimaschutz zurzeit?

Trotz der sich verschärfenden Klimakrise hinken die weltweiten Klimaschutzbemühungen den Zielen des Klimaabkommens von Paris im Jahr 2015 noch weit hinterher. Einer aktuellen Auswertung des UN-Umweltprogramms UNEP zufolge sind die globalen Treibhausgasemissionen weiter angestiegen. Der Ausstoß von Kohlendioxid, Methan und anderen Treibhausgasen lag im Jahr 2021 um 5,28 Gigatonnen höher als 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie.

„Unser Report sagt uns damit in kalten, wissenschaftlichen Daten, was uns die Natur in diesem Jahr schon deutlich gezeigt hat – durch tödliche Stürme und wütende Brände“, sagt UNEP-Exekutivdirektor Inger Andersen. Besonders deutlich ist die Emissions-Zunahme bei China, Indien, Russland, Brasilien und Indonesien. In den USA und der Europäische Union gab es dagegen einen leichten Rückgang der CO2-Emssionen verglichen mit 2019.

Auch bei den umgesetzten oder noch geplanten Klimaschutz-Bemühungen sieht es bisher mau aus: Alle bisher in Kraft getretenen Maßnahmen reichen gerade aus, um die Erwärmung auf 2,8 Grad zu begrenzen – der Klimaziel von Paris ist damit nicht zu halten. Soll die Erwärmung auf zwei Grad oder 1,5 Grad begrenzt werden, müssten die Emissionen laut UNEP-Bericht bis 2030 um weitere 30 beziehungsweise 45 Prozent reduziert werden. Immerhin haben einige Länder ihre nationalen Selbstverpflichtungen für die Emissionsminderung in den letzten zwei Jahren verschärft oder neue eingereicht.

Der Tagungsort Sharm el-Sheikh liegt an der Südspitze der Sinai-Halbinsel.

Die Themen der COP27

Bei der diesjährigen Weltklimakonferenz wird es zum einen darum gehen, die noch bestehende Lücke zwischen den nötigen Emissionsminderungen und den Klimaschutzzielen der Länder noch weiter zu verringern. Allerdings ist schon jetzt absehbar, dass sich angesichts von Ukrainekrieg, Inflation und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in diesem Bereich nur wenig tun wird.

Ein zweiteres Thema ist die Anpassung an die Klimafolgen. Hier fordern Schwellen- und Entwicklungsländer, dass vor allem die reichen Staaten ihnen mit entsprechenden finanziellen und praktischen Hilfen unter die Arme greifen. Denn die Industrieländer sind zwar durch ihre hohen Emissionen Hauptverursacher des anthropogenen Klimawandels, die schlimmsten Auswirkungen müssen aber die ärmeren Länder tragen. Hitze, Trockenheit, Überschwemmungen und Tropenstürme treffen vor allem die Menschen in Afrika und Teilen Asiens schwer.

Schon 2009 hatten die Industrieländer zugesagt, einen Klimafonds aufzusetzen, in den sie jährlich 100 Milliarden US-Dollar einzahlen. Dieser Fonds soll dann für Hilfen und Anpassungsmaßnahmen in ärmeren Ländern verwendet werden. Bisher liegen die eingezahlten Summen aber weit unter dem vereinbarten, viele reiche Staaten weigern sich, zu zahlen oder zahlen zu wenig. Schon bei der letzten Klimakonferenz 2021 in Glasgow stand dieses Thema auf der Tagesordnung, noch immer klafft aber eine Lücke zwischen dem Soll und Haben.

Das dritte Thema ist ebenfalls eng mit dem Konflikt zwischen armen und reichen Ländern verknüpft. Weil Entwicklungsländer kaum Schuld am Klimawandel haben, aber die Hauptgeschädigten sind, fordern sie von den Industrieländern eine Art Schadensersatz. Dieser sogenannte "Loss and Damage"-Fonds soll dafür verwendet werden, die unmittelbaren Folgen schwerer Klimakatastrophen wie Wirbelstürmen oder Überschwemmungen zu beheben oder zumindest zu lindern. Bisher haben sich die reichen Staaten gegen einen solchen Schadensersatz gewehrt. Bei der COP27 wird er nun erstmals offiziell als Teil der Tagesordnung verhandelt.

Kritik am Tagungsort

Schon im Vorfeld des Weltklimagipfels gab es starke Kritik daran, Ägypten die Konferenz ausrichten zu lassen. Denn seit dem Militärputsch im Jahr 2013 sind Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Ägypten stark beschränkt worden. Die Pressefreiheit wurde weitgehend aufgehoben und auch die politische Opposition wird unterdrückt, viele Gegner der Regierung sitzen in Haft.

"Verhaftungen, das Einfrieren von Geldern und Auflösen von Nichtregierungsorganisationen und Reisebeschränkungen gegen Menschenrechtsaktivisten haben ein Klima der Angst in der ägyptischen Zivilgesellschaft erzeugt", heißt es in einem Statement des UN-Menschenrechtskommissariats. Auch viele Klimaschutzorganisationen befürchten, nicht einreisen zu dürfen oder durch angebliche organisatorische oder formale Probleme an der Teilnahme gehindert zu werden. Die ägyptische Regierung erklärte bereits im Vorfeld der Klimakonferenz, dass sie nur Proteste und Aktionen zum Klimaschutz zulassen werde, keine anderen.

 Die Chancen und Schwierigkeiten des Gipfels

Erst die Corona-Pandemie, jetzt der Ukrainekrieg: Beides hat dazu beigetragen, die Bedingungen für Klimaschutz weiter zu erschweren. Denn die steigenden Kosten für Energie und Güter verschärfen die wirtschaftlichen Probleme, vor allem für die ohnehin schon überschuldeten und armen Länder des globalen Südens. Aber selbst in den Industrieländern haben hohe Energiekosten, Gasknappheit und  Inflation dazu geführt, dass der Klimaschutz in den Prioritäten weiter nach hinten gerückt ist.

Um die Gasknappheit auszugleichen, beginnen viele Länder inzwischen wieder verstärkt auf Kohle zurückzugreifen. Der eigentlich nötige Ausstieg aus fossilen Energieträgern wird dadurch erschwert und die Treibhausgas-Emissionen aus Kohle, Öl und Co steigen entsprechend an. Auch Deutschland nutzt wieder vermehrt Kohle, um die Versorgungslücke in der Energie- und Wärmeerzeugung zu schließen.

Hinzu kommt, dass der Ukrainekrieg die weltweite Lage auch politisch verschärft hat. Die Fronten zwischen Russland und den westlichen Staaten sind verhärtet, was die konstruktive Diskussion und mögliche Einigung über strittige Punkte beim Thema Klimaschutz erschwert. Ähnliches gilt für politischen Spannungen zwischen China und den USA, aber auch anderen westlichen Industrieländern. Als größter Emittent von Treibhausgasen weltweit – und als Land, das seine Emissionen weiter erhöht hat, statt sie zu verringern – wäre China besonders gefordert, den Klimaschutz voranzubringen. Wie dies mit der "China zuerst"-Politik des chinesischen Präsidenten zusammenpasst, bleibt abzuwarten.

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