wissen.de Artikel

Spätes Abnabeln und Stammzellen: Warum sich verzögertes Abnabeln und die Stammzellenentnahme nicht ausschließen

Rund um die Geburt müssen werdende Eltern viele Entscheidungen treffen. Eine davon betrifft den Zeitpunkt des Abnabelns. Während früher häufig unmittelbar nach der Geburt abgenabelt wurde, empfehlen Fachgesellschaften heute bei gesunden Neugeborenen meist ein verzögertes Abnabeln. Gleichzeitig interessieren sich viele Eltern für die Einlagerung von Nabelschnurblut als Form der biologischen Gesundheitsvorsorge. Daraus entsteht oft die Frage: Muss auf das spätere Abnabeln verzichtet werden, wenn Stammzellen aus dem Nabelschnurblut gesichert werden sollen? Die gute Nachricht lautet: In den meisten Fällen schließen sich spätes Abnabeln und Stammzellentnahme nicht aus.

Spätes Abnabeln und Stammzellvorsorge müssen sich nicht ausschließen: Bei einem Abnabeln nach etwa 60–90 Sekunden kann in vielen Fällen weiterhin Nabelschnurblut für die Stammzelleinlagerung gewonnen werden.

Bildquelle: Stammzellbank

Was bedeutet verzögertes Abnabeln? 

Nach der Geburt versorgt die Nabelschnur das Baby noch für kurze Zeit mit Blut aus der Plazenta. Erst wenn die Nabelschnur abgeklemmt wird, endet diese Verbindung. Beim verzögerten Abnabeln – auch spätes Abnabeln genannt – wird deshalb einige Zeit gewartet, bevor die Nabelschnur durchtrennt wird. In Deutschland empfiehlt die S3-Leitlinie für gesunde Neugeborene in der Regel, die Nabelschnur nach etwa 60 bis 90 Sekunden nach der Geburt abzuklemmen. Dieses Vorgehen hat sich in der Geburtshilfe etabliert und wird von Hebammen und Geburtskliniken häufig umgesetzt. Der genaue Zeitpunkt richtet sich jedoch immer nach der individuellen Geburtssituation und dem Zustand von Mutter und Kind. 

Spätes Abnabeln und Stammzellen: Geht das zusammen? 

Viele werdende Eltern befürchten, sich zwischen verzögertem Abnabeln und einer späteren Nutzung der Stammzellen entscheiden zu müssen. Nach Angaben der Stammzellbank Vita 34 ist dies jedoch häufig nicht notwendig. Wird die Nabelschnur entsprechend der aktuellen Empfehlungen nach etwa 60 bis 90 Sekunden abgeklemmt, kann in vielen Fällen noch ausreichend Nabelschnurblut gewonnen werden, um die enthaltenen Stammzellen einzulagern. Erst wenn die Nabelschnur vollständig auspulsieren soll, ist eine Entnahme des Nabelschnurblutes in der Regel nicht mehr möglich, da die Gefäße in der Nabelschnur kollabiert sind und keinen Blutfluss aus der Plazenta zum Entnahmesystem mehr zulassen. 

Auspulsieren der Nabelschnur: Wo liegt der Unterschied? 

Die Begriffe verzögertes Abnabeln und vollständiges Auspulsieren werden häufig gleichgesetzt – medizinisch beschreiben sie jedoch unterschiedliche Situationen. Beim verzögerten Abnabeln wird die Nabelschnur nach einer kurzen Wartezeit von etwa einer Minute durchtrennt. 

Beim vollständigen Auspulsieren hingegen wird gewartet, bis kein Blut mehr durch die Nabelschnur fließt. Die Gefäße in der Nabelschnur erschlaffen. Eltern, die sowohl eine Einlagerung von Stammzellen als auch ein verzögertes Abnabeln wünschen, sollten ihre Vorstellungen deshalb bereits während der Geburtsplanung mit ihrer Hebamme oder dem geburtshilflichen Team besprechen. 

Wann erfolgt die Nabelschnurblut-Entnahme? 

Die Entnahme des Nabelschnurbluts erfolgt grundsätzlich erst nach dem Abnabeln. Für Mutter und Kind ist sie schmerzfrei und nicht invasiv, da ausschließlich das Blut entnommen wird, das sich nach der Geburt noch in der Nabelschnur und der Plazenta befindet. Anschließend wird das Nabelschnurblut in ein spezialisiertes Labor transportiert. Bei Stammzellenbanken wie Vita 34 wird es dort untersucht, aufbereitet und anschließend kryokonserviert, damit die enthaltenen Stammzellen langfristig erhalten bleiben. 

Hebammen-Tipps zum Abnabeln: Warum Kommunikation wichtig ist 

Viele Hebammen empfehlen werdenden Eltern, ihre Wünsche rund um die Geburt möglichst früh anzusprechen. Das gilt auch für den Zeitpunkt des Abnabelns. Wer eine Einlagerung von Nabelschnurblut plant, sollte Hebamme und Geburtsklinik bereits vor der Geburt informieren. So können alle Beteiligten den Ablauf entsprechend vorbereiten. In den meisten Fällen lässt sich ein verzögertes Abnabeln nach den aktuellen Empfehlungen gut mit der Entnahme von Nabelschnurblut vereinbaren. 

Was gilt für das Nabelschnurgewebe? 

Auch wenn Eltern sich für ein vollständiges Auspulsieren entscheiden, besteht häufig weiterhin die Möglichkeit, Nabelschnurgewebe zu sichern. Die Entnahme des Nabelschnurgewebes ist in der Regel unabhängig vom Zeitpunkt des Abnabelns möglich. Dadurch können Familien – je nach gewähltem Vorsorgekonzept – auch dann Stammzellen aus dem Gewebe gewinnen lassen, wenn kein Nabelschnurblut mehr entnommen werden kann. 

Eine informierte Entscheidung für die Geburt 

Der optimale Zeitpunkt des Abnabelns richtet sich immer nach der individuellen Geburtssituation und den Bedürfnissen von Mutter und Kind. Für viele Familien ist es beruhigend zu wissen, dass sie sich in den meisten Fällen nicht zwischen verzögertem Abnabeln und der Einlagerung von Nabelschnurblut entscheiden müssen. Erfolgt das Abnabeln entsprechend den heutigen Empfehlungen nach etwa 60 bis 90 Sekunden, ist die Sicherung von Stammzellen häufig weiterhin möglich. 

Wer sich frühzeitig informiert und seine Wünsche mit Hebamme, Ärztin oder Arzt sowie einer Stammzellbank wie Vita 34 abstimmt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass sowohl die Geburt als auch die gewünschte Vorsorge gut miteinander vereinbart werden können.

Weitere Artikel aus dem Wahrig Herkunftswörterbuch

Weitere Artikel aus dem Vornamenlexikon