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Warum es keine Lerntypen gibt

Bist du ein visueller Lerner? Oder merkst du dir Inhalte besser, wenn du sie als Hörbuch hörst? Diese Einteilung in sogenannte Lerntypen ist weit verbreitet und die Idee klingt logisch: Jeder Mensch lernt auf seine eigene Weise. Doch laut Forschung lassen sich Individuelle Lerntypen wissenschaftlich nicht belegen. Warum hält sich dieser Mythos dann trotzdem so hartnäckig?
CMA, 15.01.2026
Lernen

© photographer und DrAfter123 (Hintergrund), beide iStock

Vielleicht hast du schon einmal einen Test gemacht, der dich als visueller, auditiver oder haptischer Lerntyp kategorisiert. Umfragen zeigen, dass zwischen 80 und 95 Prozent der Bevölkerung an dieses Modell glauben, darunter auch zahlreiche Lehrkräfte. Damit zählen Lerntypen zu den hartnäckigsten Lernmythen überhaupt. Denn die Forschung findet keine Beweise dafür, dass sich Menschen eindeutig in solche Typen einteilen lassen.

Natürlich haben Menschen Vorlieben beim Lernen. Manche lesen gern, andere hören lieber Podcasts oder lernen durch Ausprobieren. Diese Vorlieben werden jedoch häufig mit biologisch festgelegten Eigenschaften verwechselt. In Studien zeigt sich, dass viele Menschen glauben, Lerntypen seien angeboren, schon im frühen Kindesalter erkennbar und sogar im Gehirn verankert. Ein Teil der Befragten ist überzeugt, dass Lerntypen den schulischen oder beruflichen Erfolg vorhersagen können – obwohl es dafür keinerlei Belege gibt.

Was soll’s? Kann so ein Mythos schaden?

Auf den ersten Blick wirken Lerntypen harmlos. Sie sollen erklären, warum Lernen manchmal leicht- oder schwerfällt, und versprechen individuellere Förderung. Doch Studien zeigen, dass der Mythos negative Konsequenzen haben kann. Bereits die bloße Beschreibung eines Kindes als visueller oder praktische Lerner verändert die Erwartungen von Eltern, Lehrkräften und Mitschülern.

Visuelle Lerner werden häufiger als intelligenter und leistungsstärker in klassischen Schulfächern bewertet, während praktische Lerner eher mit Sport, Musik oder Kunst verbunden werden. Solche Zuschreibungen entstehen ohne Leistungsgrundlage und können dazu führen, dass Kinder unterschätzt, vorschnell eingeordnet oder weniger gefördert werden. Der Lerntypen-Mythos ist damit nicht nur wissenschaftlich falsch, sondern kann Bildungswege beeinflussen, bevor Kinder überhaupt die Chance haben, ihr tatsächliches Potenzial zu zeigen.

Wie lernt man richtig?

Entscheidend ist nicht der Lerntyp, sondern die Art der Auseinandersetzung mit dem Stoff. Besonders effektiv ist Lernen, wenn Informationen auf unterschiedliche Weise aufgenommen, aktiv angewendet und regelmäßig wiederholt werden. Ebenso wichtig sind ausreichend Pausen und die Möglichkeit, früh aus Fehlern zu lernen und nicht erst in der Klausur oder Klassenarbeit.

Für den Unterricht ist es zudem sinnvoller, Lernmethoden zum jeweiligen Thema auszurichten, statt die Schüler in Kategorien einzuteilen. Zeitliche Abläufe lassen sich zum Beispiel mit Schaubildern oder Zeitachsen besser nachvollziehen. Beim Erlernen von Aussprache oder Musik ist das Hören aber unverzichtbar. Und wenn man naturwissenschaftliche Zusammenhänge verstehen will, hilft es, ein Experiment durchzuführen. Lernen ist also besonders effektiv, wenn man verschiedene Darstellungsformen kombiniert.

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