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Armin Mueller-Stahl: Rollenspiel

Grimme-Preis für eine Meisterleistung

“Die Flocken flogen ihm massenweise ins Gesicht und schmolzen dort, so dass es erstarrte. Sie flogen ihm in den Mund, wo sie mit schwach wässerigem Geschmack zergingen, flogen gegen seine Lider, die sich krampfhaft schlossen, überschwemmten die Augen und verhinderten jede Ausschau ... Es war das Nichts, das weiße wirbelnde Nichts, worein er blickte, wenn er sich zwang zu sehen.“
Ähnlich schwammig, ähnlich vernebelt wie für Hans Castrop, dem Protagonisten im Zauberberg, mag auch Armin Mueller-Stahls Blick für den überlebensgroßen Thomas Mann gewesen sein, den er in Heinrich Breloers Dreiteiler, Die Manns, so brillant spielte. Eine Meisterleistung, die dem inzwischen 70-Jährigen im März zu Recht einen Grimme-Preis einbrachte, lief doch Mueller-Stahls Mann-Inszenierung nie Gefahr, zu einer verklärten Hommage an den Dichterfürsten zu verkommen.

Mit dem Nobelpreis zur Welt gekommen

Armin Mueller-Stahl verkörperte in dem WDR-Fernsehfilm einen Thomas Mann, der sich gebe, “als wäre er mit dem Nobelpreis zur Welt gekommen“, bemerkte Der Spiegel anlässlich der ARD-Ausstrahlung des Dreiteilers: “Mueller-Stahl wirkt wie ein in den Olymp des Geistes Entrückter, sitzend auf dem Thron des Clans, von dem aus er die olympischen Spiele um sich herum, mal mild, mal missbilligend beobachtet, aber eine unumstößliche Autorität.“
Keine Frage: Mueller-Stahl hat Thomas Mann genauestens studiert, ehe er den letzten deutschen Dichter von Weltrang in seinem charakteristischen Dualismus von Selbstdisziplin und Künstlersehnsucht wieder aufleben ließ. “Er ist mir verständlich geworden mit seinen Charaktereigenschaften, mit seinen Eitelkeiten, mit seiner Selbstverliebtheit, aber doch immer mit seiner großen Qualität“, verrät Mueller-Stahl am Rande der Dreharbeiten.

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