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Vom Frühmenschen zum Homo sapiens: Der Mensch erscheint

Wann traten die ersten Menschen auf?

In der Forschung herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass sich Mensch und Affe aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelten. Der Zeitpunkt des Auftretens der ersten Menschen ist indes umstritten und wird mit jedem neuen Knochenfund neu diskutiert. Neben der Interpretation der Funde und ihrer korrekten zeitlichen Einordnung ist dazu auch die Beantwortung der Frage erforderlich, was eigentlich den Menschen zum Menschen macht. Nimmt man den aufrechten Gang sowie die Herstellung und Benutzung von Werkzeugen als Merkmal menschlichen Lebens an, dann lebten die ersten Menschen bereits vor etwa 2,5 Mio. Jahren.

Welche Frühmenschenarten gab es?

In der Zeit von vor 2,5 bis 1,8 Millionen Jahren lebte der Homo rudolfensis, benannt nach der ersten Fundstelle unweit vom ostafrikanischen Turkanasee (früher Rudolfsee) im nördlichen Kenia. Ebenfalls aus Ostafrika kam der Homo habilis (»geschickter Mensch«); er lebte vor 2,1 bis 1,5 Mio. Jahren. Beide Frühmenschenformen wurden bis zu 1,55 m groß, ihr Gehirnvolumen lag mit bis zu 800 cm³ gut bei der Hälfte des heutigen Menschen (um 1400 cm³). Auch konnten Homo rudolfensis und Homo habilis einfache Steinwerkzeuge herstellen. Letzterer ernährte sich von Pflanzen und Fleisch, was durch Schnittspuren an Tierknochen und Abnutzungsspuren auf seinen Zähnen belegt wird. Vor etwa 2 Mio. Jahren tauchte – wiederum in Afrika– der Homo erectus (»aufrechter Mensch«) auf. Er war bis zu 1,65 m groß und sein Gehirnvolumen entsprach mit bis zu 1250 cm³ schon fast dem des modernen Menschen. Homo erectus benutzte zahlreiche verschiedene Steinwerkzeuge, beherrschte das Feuer und entwickelte neue Jagdtechniken, die es ihm ermöglichten, auch in kühleren und regenreicheren Regionen zu überleben. Nach Ansicht der meisten Fachleute war Homo erectus die erste Menschenart, die sich dauerhaft auch außerhalb Afrikas niederließ. So wurde er bereits vor 1,8 Mio. Jahren in China, auf der indonesischen Insel Java sowie in Dmanisi (Georgien) nachgewiesen; spätestens vor 400000 Jahren bevölkerte er weite Teile Süd- und Südostasiens sowie Süd- und Mitteleuropa und Eurasien. Davon zeugen die Funde von Atapuerca (Nordspanien).

Ist der Neandertaler unser Vorfahre?

Lange Zeit galt der Neandertaler als unser direkter Vorfahre. Inzwischen ist sich die Forschung aber sicher, dass wir nicht direkt von ihm abstammen, denn dieser Homo sapiens stellte lediglich einen Seitenzweig in der Menschheitsentwicklung dar und starb ohne Nachfahren aus. Die letzten bekannten Zeugnisse seines Lebens sind 27000 Jahre alt.

Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) hatte sich sich vor 300000 Jahren aus dem Homo erectus entwickelt, einer Frühform des Homo sapiens (»vernunftbegabter Mensch«). Benannt ist dieser Frühmenschentyp nach seinem Fundort, dem Neandertal bei Düsseldorf, wo seine Knochenreste 1856 entdeckt wurden. Der Neandertaler lebte in Europa und im Nahen Osten; davon zeugen die mehrere hundert freigelegten Funde. Im Unterschied zu seinen Vorfahren fand sich der Neandertaler in größeren Gruppen zusammen und konnte sich wahrscheinlich in einer Lautsprache verständigen. Auch besaß er ein ausgeprägtes Sozialverhalten, was etwa daran abzulesen ist, dass er sich um alte und kranke Gruppenmitglieder kümmerte und seine Toten bestattete. In der Jagd war der Neandertaler auch erfolgreich beim Erlegen größerer Tiere; so gehörten auch Mammuts zu seiner Beute. Seine Werkzeuge fertigte er vorwiegend aus Stein und Holz, seltener aus Tierknochen und Geweih.

Wie verbreitete sich der Homo sapiens sapiens?

Über die Verbreitung des Homo sapiens sapiens gibt es in der Forschung mehrere Ansichten. Weitgehend anerkannt ist jedoch die so genannte Out-of-Africa-Theorie, die besagt, dass sich der heutige Mensch vor ca. 120000 Jahren in Afrika entwickelte und vor etwa 60000–50000 Jahren bis nach Europa und Asien ausbreitete. Als Erster erreichte er auch die Kontinente Australien (vor ca. 40000 Jahren) und Amerika (vor ca. 15000 Jahren). Obwohl er mit dem Neandertaler in Kontakt stand, fand offensichtlich keine Vermischung statt.

Wussten Sie, dass …

das Knochenmaterial für die Erforschung der Frühgeschichte des Menschen nicht sehr umfangreich ist? Unter Wissenschaftlern kursiert das Bonmot, das sei so, als wolle man aus dem Fetzen einer Buchseite die Literaturgeschichte rekonstruieren.

die Entdeckung des Frühmenschenskeletts »Lucy« im Jahr 1974 eine wissenschaftliche Sensation war? Noch nie zuvor hatte man so alte menschliche Knochen gefunden. Der Entdecker Donald Johanson wurde zum Helden der Paläoanthropologie.

Woraus leitet sich die Bezeichnug Crô-Magnon-Mensch ab?

Die Bezeichnung dieses frühen Vertreters des modernen Menschen (Homo sapiens sapiens) leitet sich vom Fundort im heutigen Frankreich ab. 1868 wurden in einer Höhle in Crô-Magnon im Südwesten Frankreichs Skelettreste dieses Typus gefunden, der in der letzten Eiszeit in West- und Südeuropa lebte. Der Crô-Magnon-Mensch bearbeitete neben Stein auch Knochen und Elfenbein. Er fertigte sich Kleidung und Schmuck. Von seiner Kunstfertigkeit zeugen die Höhlenmalereien in zahlreichen europäischen Ländern.

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